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Schwabmünchen

17.01.2021

Alte Hainbuche in Schwabmünchen fällt Neubau zum Opfer

Die 100 Jahre alte Hainbuche in der Mindelheimer Straße in Schwabmünchen ist gefällt worden. Eva Markmiller bedauert das sehr.
Foto: Reinhold Radloff

Plus Die Fällung einer alten Hainbuche in Schwabmünchen sorgt für Diskussionen. Hilft künftig eine Baumschutzordnung in solchen Fällen?

Sie ist uralt, groß und stattlich, Tonnen schwer, leuchtet herrlich in der Abendsonne, und doch ist sie ein Streitobjekt, das nicht nur die Gemüter der Eigentümer, sondern auch die der Nachbarn erhitzt und die für eine große Diskussion im Stadtrat von Schwabmünchen sorgte, die wohl so schnell noch nicht beendet sein wird: die 100 Jahre alte Hainbuche in der Mindelheimer Straße 33.

Etwa 100 Jahre stand die Hainbuche in Schwabmünchen

So ziemlich genau auf der Ostgrenze des Grundstücks von Anna Kugelmann steht die Buche. Rund 100 Jahre stand sie dort, ohne für Ärger zu sorgen, im Gegenteil: „Wir freuten uns jeden Tag an ihr. Und die Nachbarn auch“, betont Eva Markmiller, die Enkelin, die mit ihrer Oma in dem 1954 gebauten Haus wohnt. Seit dieser Zeit war das östliche davon gelegene Grundstück auch eine Schafwiese. Bis jetzt. Derzeit werden darauf mehrere Gebäude errichtet. Da störte die Buche, besser gesagt vor allem deren Wurzeln, die sich teilweise oberirdisch auf dem Nachbargrundstück ausbreiteten. Eine Umplanung des Garagenstandorts nahm der Bauträger nicht vor. Um problemfrei weiterbauen zu können, wurden die Wurzeln auf dem Baugrundstück „rücksichtslos gekappt, ohne vorher Bescheid zu geben“, so Markmiller, die weiter meinte: „Wie kann ein Bebauungsplan genehmigt werden, wenn auf der Grundstücksgrenze 40 oder 60 Zentimeter tiefe Bordsteinkanten gesetzt werden?“ Über all dies waren die Hauseigentümer der Mindelheimer Straße 33 sehr erbost. Und auch die Nachbarn regten sich auf, da sie für den Erhalt des uralten schönen Baumes waren. Und genau der war gefährdet. Ein eingeschalteter Gutachter stellte fest, dass aufgrund der Wurzelkappung der sichere Stand der Buche gefährdet sei, er also auf das Haus der Kugelmanns stürzen könnte.

Die 100 Jahre alte Hainbuche in der Mindelheimer Straße in Schwabmünchen ist gefällt worden. Eva Markmiller bedauert das sehr.
Foto: Reinhold Radloff

Grundstückseigentümerin in Schwabmünchen hält Baum für ein Naturdenkmal

„Wir halten unsere Buche für ein Naturdenkmal und es grundsätzlich für falsch, dass alte Bäume wie dieser gefällt werden müssen, weil sie einem Bauprojekt im Wege sind. Wir wollen ein allgemeines Umdenken erreichen“, erklärte Eva Markmiller und meinte weiter: „Uns geht es nicht darum die Firma Singoldbau anzuklagen. Wir wollen allgemein, dass der Baumbestand in der Stadt nicht dezimiert werden soll, weil er nicht nur schön, sondern auch ökologisch wertvoll für das Klima und den Umweltschutz ist."

Markmiller setzte alles in Bewegung, was ihr wichtig erschien, und holte die Stadträtin Margit Stapf, Grünamtsleiter Roland Schiller und Bürgermeister Lorenz Müller sowie einen Mitarbeiter des Landratsamts auf ihr Grundstück, um den Fall anschauen zu lassen. Das Ergebnis war einerseits eindeutig, andererseits nicht. Alle waren sich einig, dass es schade sei, dass der Baum jetzt gefällt werden müsse. Doch die Rechtslage sei bei Weitem nicht so eindeutig. Schiller wies darauf hin, dass Prozesse, die mit ähnlicher Problematik geführt wurden, mal für den Grundstückseigentümer und mal für den neuen Bauherrn ausgingen. Deshalb entschieden die Grundstückseigentümer und der Bauträger, sich die Kosten der Baumfällung zu teilen und keine weiteren Schritte zu unternehmen.

Baumschutzverordnung für Schwabmünchen?

Es bleibt aber die Frage, wie in Zukunft in Schwabmünchen mit Fragen rund um die Baumbestände in der Stadt verfahren wird. Dazu gibt es unterschiedliche Ansätze, die in diesem Jahr im Stadtrat sicherlich noch genau diskutiert werden: Soll eine Baumschutzordnung eingeführt werden oder von Fall zu Fall entscheiden werden? Alle Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile und werden sicherlich noch für viel Diskussionsstoff sorgen.

Der 100 Jahre alten Buche kann die zukünftige Diskussion inzwischen gleichgültig sein. Sie ist gefällt, zum Ärger der Anwohner.

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Die Diskussion ist geschlossen.

19.01.2021

Es braucht endlich klare Vorgaben in einer Baumschutzverordnung, um den noch verbliebenen alten Baumbestand in SMÜ zu schützen. So alte Bäume gehören geschützt und auch gepflegt. Nur Ansätze helfen nicht weiter. So schwer kann das doch nicht sein, es gibt doch bereits Beispiele anderer Gemeinden. Oder will man sich einfach um das Problem herumdrücken, bis kein Bedarf mehr besteht?

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