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Motorsport

06.10.2019

Bergrennen von Mickhausen: Ein Dorf im Ausnahmezustand

Für die Bewohner der 1400-Einwohner-Gemeinde Mickhausen ist das Bergrennen ein besonderes Event. Denn der Ortsteil Münster wird an dem Rennwochenende zum Fahrerlager umfunktioniert.
Bild: Reinhold Radloff

Das Bergrennen von Mickhausen findet zum 38. Mal statt. Auf der Strecke ist auch Fabian Vettel, der kleine Bruder des Formel-1-Stars Sebastian. Wie sich eine Fahrt anfühlt.

Die Beschleunigung knallt wie eine Faust auf den Brustkorb, drückt den Körper in den Sitz und schnürt fast die Luftröhre ab. Der Magen schnürt sich zusammen. Nach gut einer Minute ist alles schon wieder vorbei. Und auf dem Fahrersitz lächelt Fabian Vettel, der Bruder des vierfachen Formel-1-Weltmeisters Sebastian. Er kutschiert an diesem Sonntag Besucher beim Bergrennen von Mickhausen im Landkreis Augsburg vom Start ins Ziel, allerdings ohne Wertung. Normalerweise fährt Vettel Rundstreckenrennen, etwa beim ADAC GT Masters. „So ein Bergrennen ist schon anders, da hat man quasi nur einen Versuch, um alles richtig zu machen“, sagt er.

Fabian Vettel fährt mit dem Audi S8 plus die Strecke des Bergrennens von Mickhausen.
Video: Julian Würzer

Das Rennen findet bereits zum 38. Mal statt. Für den 200-Einwohner-Ortsteil Münster bedeutet das Ausnahmezustand. Dann sind wohl mehr Rennfahrer im Dorf als es Anwohner gibt.

Unten an der Startlinie steht ein roter Lancia Delta wie ein Stier, der mit den Hufen scharrt. Drei Sekunden, zwei Sekunden, eine. Die Zuschauer lärmen – Rennfahrer Felix Pailer drückt das Gaspedal durch. Der Motor des Lancias heult auf, quietschende Reifen durchbrechen den Lärm der jubelnden Zuschauer und Pailer rast um die erste Kurve.

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Video: Julian Würzer

Der Krach der Motoren und der 15000 Besucher an der Rennstrecke ist ein paar hundert Meter weiter beim Haus von Dietmar Müller nicht verflogen. Hier liegt sogar noch ein leichter Benzingeruch in der Luft. Müller hat für dieses Wochenende seine Garage geräumt, kostenlos, für einen Rennfahrer und dessen Team. So machen es viele Anwohner. Die Carports und Stellplätze im Ort sind vollgeparkt mit aufgemotzten Autos, von Mini Coopern mit Rennreifen, Heckspoilern und Überrollkäfigen bis hin zu Formel-1-ähnlichen Sportwagen. „Das ganze Dorf steht hinter dem Bergrennen von Mickhausen. Das ist das besondere“, sagt Müller.

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74 Bilder
Bergrennen lockt tausende Fans an
Bild: Reinhold Radloff

Das merkt auch der Rennfahrer Felix Pailer. In wenigen Wochen wird er 70 Jahre alt. Er sagt von sich, dass sein ganzes Leben in seinem Rennwagen steckt. Vor dem Start seines ersten Laufs überprüft er seinen roten Lancia Delta in einer Hofgarage eine Straße von der Startlinie entfernt. Besucher tummeln sich vor dem Auto und machen Fotos. „In Mickhausen bin ich bekannter als in meinem Heimatort“, schwärmt der Österreicher von der hiesigen Atmosphäre. Er wirkt gelassen, wohlgemerkt wenige Minuten bevor er an den Start geht. In seinem Innern sieht es ein bisschen anders aus. „Die Angst vor einem Unfall spielt immer mit“, sagt er, auch mit fast 50 Jahren Rennerfahrung. Für Müller und Peiler spielt sich das Rennwochenende hauptsächlich im zum Fahrerlager umfunktionierten Dorf statt.

Fabian Vettel, der Bruder des Formel-1-Stars Sebastian beim Bergrennen von Mickhausen.
Bild: Julian Würzer

Dort seien über die Jahre Freundschaften zwischen Bewohnern und Fahrern entstanden. Diese enge Verbindung bekommen die Zuschauer am Fuße von Münster nur teilweise zu spüren. Sie pilgern wegen der PS-Biester auf den Straßen zum Bergrennen. Aber auch um das Adrenalin der Fahrer zu spüren. Wenn sie mit fast 200 Stundenkilometern über die Landstraße den Berg hochbrettern, abbremsen, und die Kurven schneiden.

So wie Eric Berguerand. Der Tagessieger raste der Konkurrenz in den drei Wertungsläufen davon. Seine Gesamtzeit: 1 Minute und 42,910 Sekunden.

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07.10.2019

Ich möchte keinen meine Meinung aufdrängen,sondern nur Anstöße geben wenn es um den Klimaschutz geht. Martin Mahle schreibt das es tausende Menschen ein Lächeln zaubert wenn sie dieses Autorennen in Mickhausen besuchen,da kann ich nur den Kopf schütteln. Mir bezaubert es eine saubere Luft zu haben,mir bezaubert es eine intacte Fauna und Flora zu haben.Was meine verbalen und gramatischen Fehlern anbelangt so wie meine unqualifiszierten und arroganten Kommentare anbelangt ,so sei ihnen gesagt.jeder Mensch hat das recht in Deutschland seine Meinung zu äußern.,auch mit oder ohne Fehler.

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06.10.2019

Das ist der bei Weitem unqualifizierteste und arroganteste Kommentar, den ich bisher online in der AZ gelesen habe, mal ganz abgesehen von den darin enthaltenen verbalen und grammatikalischen Fehlern.
Wer so argumentiert, zeigt, daß er keine Ahnung hat, wovon er spricht - und im Gegenteil ohne Rücksicht auf Andere nur seine egoistische "Klimaretter-Haltung" durchsetzen will! Oder waren Sie, Herr Achstaller, irgendwann an den letzten drei Tagen an der Rennstrecke? Haben Sie dort den Berg-Cup der reinen Elektro-Autos verfolgt? Wissen Sie, daß die Strecke gerade einmal 2,2 Kilometer lang ist und jeder Rennwagen bei drei Wertungsläufen somit auf "sagenhafte" 6,6 Kilometer Fahrstrecke kommt? Den CO₂-Ausstoß, der hier zustande kommt, können Sie vermutlich nicht einmal in Ansätzen messen. Haben Sie gesehen, daß Abertausende Zuschauer begeistert dabei waren, vom Dreijährigen, bis zum Hundertjährigen? Wissen Sie eigentlich, daß der Veranstalter - gerade wegen Ihrem Thema "Naturschutz" - nur spezielle Spazierwege in diesem Bereich der Westlichen Wälder zuläßt? Sie wollen sich also anmaßen, über uns Motorsport-Fans zu richten? Dann sollten Sie sich aber erst einmal fundiert informieren, bevor Sie derartige allgemeine Platitüden gegen Tausende Motorsport-interessierte Mitmenschen loslassen! Und zum Thema "fridays for future" sei mir eine persönliche Bemerkung gestattet: Ich weiß nicht, welchen Bezug Sie zwischen diesen illegalen Schüler-Demonstrationen und einer Motorsport-Veranstaltung herstellen wollen. Aber eines weiß ich: Die Schüler schwänzen dabei illegal (!) den Unterricht, obwohl ich mit meinen Steuer-Abgaben Lehrer bezahle, die dann nichts arbeiten müssen. Das Bergrennen in Mickhausen verfügt im Gegensatz dazu über alle notwendigen behördlichen Genehmigungen - und zaubert Tausenden von Menschen ein Lächeln in Gesicht! Außer Ihnen offenbar.

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06.10.2019

Der Klimaschutz geht denen am Arsch vorbei. Der Staat sollte von diesen Veranstalter die Klimasteuer verlangen und nicht von den Bürgern. fridays for future kommt auf dieser Veranstaltung nicht zum tragen.Da wird der Klimaschutz der Naturschutz so wie der Naturschutz mit Füßen getretten. Wenn die großen Umweltverschmutzer sich schon um den Klimaschutz sich kümmern .so gibt es den kleinen Veranstalter von diesem Bergrennen in Mickhausen noch lange nicht das Recht .das gleiche zu tun. Ich könnte kotzen

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06.10.2019

Gehen Sie doch einfach nicht hin, wenn es ihnen nicht passt. Mich nervt es, wenn Leute anderen ihre Ansichten aufdrängen müssen.

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