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Landkreis Augsburg

01.10.2014

Bienensterben in der Region: Wird bald der Honig knapp?

Die Honigernte in der Region fiel schlecht aus – die Bienenvölker sind in diesem Jahr besonders geschwächt.
Bild: Oliver Berg (dpa)

Durch den kalten Sommer sind die Bienenvölker stark dezimiert worden. Bei der Honigernte liegen bayerische Imker auf dem letzten Platz. Wird bald der Honig knapp?

Josef Bachmaier hat ein Problem. Der Imker aus Großaitingen hat in diesem Jahr eine Million Bienen verloren – ungefähr. Warmer Winter, nasskalter Sommer – auf die Insekten wirkte das wie Gift. 50 von 150 Bienenvölkern haben den Sommer in Bachmaiers Garten nicht überlebt. Und die übrigen haben deutlich weniger Honig eingebracht als in einem normalen Jahr. Dabei fing alles so gut an.

Eine Szene Mitte Mai: Die Sonne scheint, es ist sehr warm. Tausende Bienen schwirren durch die Luft in Bachmaiers Garten. Die Insekten strömen auf die Rapsfelder aus oder bestäuben den Kirschbaum im Garten. Es sind gute Tage für Bachmaier. Zwar verschwinden einige seiner Völker, um sich anderswo niederzulassen, doch damit kann Bachmaier an diesem Tag im Mai leben, obwohl mit ihnen auch ein Teil der Honigernte weg ist. Denn die Bienen sind emsig, es geht ihnen gut – bis der kalte Sommer kommt und mit ihm der Regen.

Bienensterben: Auch Pestizide sind schuld

Bei schlechtem Wetter verlassen die Bienen ihren Stock nicht. „Es hilft nichts, wenn alles blüht, es aber kalt ist“, sagt Bachmaier. Die vergangenen zwei Jahre seien in dieser Hinsicht „total verrückt“ gewesen. Und es gibt noch ein Problem, sagt ein Kollege von Bachmaier. Rainer Holzapfel ist Vorsitzender des Imkervereins Gessertshausen. Er klagt darüber, dass es immer mehr Maisfelder gibt.

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Die wenigen bunten Wiesen in der Region werden zudem immer früher gemäht. Dadurch verschwinden viele Blumen, die die Bienen brauchen, um Nektar zu sammeln. Die Tiere müssen häufig eine weite Strecke zurücklegen, um Nahrung zu finden. „Die Bienen können dann nicht so oft fliegen und bekommen somit weniger Nahrung“, sagt Holzapfel. Dort, wo es Felder gibt, verursachen die Landwirte ein weiteres Problem: Durch den Einsatz von Pestiziden werden die Bienen geschwächt.

Zusätzlich macht der vergangene Winter den Bienenvölkern zu schaffen. Durch die milde Jahreszeit konnte sich die Varroamilbe stärker vermehren. Diese Milbe beißt sich im Nacken der Bienen fest, dadurch lassen Vitalität und Eifer der Bienen nach. Für diejenigen Imker, die ihre Bienen frühzeitig behandeln, ist die Milbe lästig. Alle anderen müssen fürchten, dass die Milbe ihre Völker vernichtet.

Bayern bei der Honigernte bundesweit auf dem letzten Platz

Bereits das dritte Jahr in Folge fiel die Honigernte in der Region nun schlecht aus – die Bienenvölker sind in diesem Jahr besonders geschwächt. Laut einer Umfrage des Bienenfachzentrums Mayen ist das Land Bayern heuer bei der Honigernte bundesweit auf dem letzten Platz. Holzapfel erklärt das damit, dass Bayern ein sehr strukturiertes Bundesland ist: „Es gibt hier fast keine Stellen mehr, an denen etwas wild wächst und wo die Bienen Nahrung finden können.“ Die Felder der Landwirte würden zudem immer weiter wachsen. „Die Agrarwüste ist hier größer als woanders“, sagt er.

Auch Bachmaier beobachtet einen Rückgang seiner Ernte. Er hofft, dass auf zwei schlechte Jahre nun wieder ein gutes folgt. Denn so viel steht für den Imker fest: „Heuer war es total verrückt.“

Wird also der Honig knapp? Imker Bachmaier sagt es so: Hätte er Hunderte Gläser mehr, würde er auch die problemlos verkaufen.

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