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Bobingen

28.08.2017

Bobingens Post wird 170 Jahre alt

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Postillion Alois Schorer leitete 1954 den Umzug der Post in die Bahnhofstraße 1a mit diesem Gespann.
Bild: Georg Fritz (Archiv)

Es war ein langer Weg vom Amtsboten zum heutigen Kommunikationsdienstleister. Und die Bahn schuf den Anfang.

Der Brief ist längst nicht mehr das einzige Mittel für gegenseitige Mitteilungen. Heute läuft sehr viel Korrespondenz über E-Mail oder Smartphone. Eine lange Entwicklung ging dem voraus. Und es gibt sie noch immer: eine Poststelle in Bobingen.

Vor 1800 gab es kaum private Post. Die meisten Leute waren damals noch Analphabeten. Sie hatten aber auch kaum Verwandte oder Bekannte, die weiter weg wohnten. Die wenigen Briefe und amtlichen Schreiben wurden von Postillionen oder Boten zu örtlichen „Unterhändlern“ gebracht, die sie dann zugestellt haben (z. B. in Bobingen um 1800 von Jacob Kleiber). Briefe waren zur damaligen Zeit die einzige Möglichkeit, Nachrichten über größere Entfernungen zu übermitteln.

1808 wurde die Post staatlich

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In Bayern betrieben die Fürsten Thurn und Taxis bis zum 28.2.1808 das Postwesen. Erst am 1.3.1808 wurde die Post staatlich. 1845 wurden in den Städten die ersten hölzernen Briefkästen aufgestellt, ab 1860 in jeder Gemeinde. 1849 kamen die ersten deutschen beziehungsweise bayerischen Briefmarken in Umlauf.

1847 erhielt Bobingen eine eigene Poststelle. Damals wurde die Bahnlinie Augsburg-Buchloe eröffnet. Im selben Jahr erhielt Bobingen eine eigene „Brief- und Fahrpostexpedition“.

Die erste Poststelle befand sich im Bahnhof

Im „Verordnungs- und Anzeige-Blatt für die Königlich-Bayerischen Posten“ vom 28. August 1847 wurde bekannt gegeben, dass die Expedition am 1. September 1847 „in Wirksamkeit“ tritt. Die Post kam dann jeweils mit dem Zug an. Die erste Poststelle befand sich im Bahnhof. Bahn und Post hatten einen gemeinsamen Schalter. Später erfolgte eine Aufteilung in zwei getrennte Schalter. Zur Poststelle Bobingen gehörten damals auch Inningen, das Neuhaus (heute Königsbrunn), Oberottmarshausen, Straßberg und Wehringen. 1860 kamen noch Kleinaitingen, Mittelstetten, Reinhartshausen, Reinhartshofen, Burgwalden und Großaitingen hinzu. Für Burgwalden und Reinhartshofen kam im Monat etwa je ein Brief an. Dieser wurde wegen der schlechten Wegverhältnisse nur im Sommer zugestellt. Für Burgwalden wurde die Post im Winter in Straßberg, für Reinhartshofen in Großaitingen abgelegt.

Im Laufe der Jahre nahm der Postverkehr dann doch merklich zu. Die ersten Postboten nahmen ihren Dienst auf. Bei der großen Zahl an Zustellgemeinden mussten 1861 neben dem damaligen Postboten Alois Kramer noch ein weiterer Zusteller (Sebastian Rauch) und ein Hilfspostbote eingestellt werden. In den darauffolgenden Jahren erhielten dann auch die Nachbargemeinden eigene Postämter, z. B. Königsbrunn 1875, Großaitingen 1883 (1894 mit Reinhartshausen, Reinhartshofen und Hardt), Wehringen und Oberottmarshausen 1901. Straßberg und Burgwalden bekamen 1898 Posthilfsstellen.

Nach etwa 1890 kam es durch neue Drucktechniken zu einer Massenherstellung von Ansichtskarten, was eine spürbare Zunahme des Postverkehrs zur Folge hatte: So wurden z.B. im Jahre 1900 im Deutschen Reich 955 Millionen Ansichtskarten versandt.

1891 wurde in der Bobinger Post ein Morseapparat in die Staats-Telegraphenleitung eingeschaltet. 1903 erhielt die Bobingen das erste öffentliche Telefon. Anfangs der 1910er Jahre wurden dann die ersten privaten Telefonanschlüsse in Bobingen installiert. Zu den ersten Kunden gehörten die Teigwarenfabrik Schnizlein (Nr. 2), der Arzt Dr. Medicus (Nr. 6) und der Tierarzt Hüther (Nr. 9).

80 Billionen Mark im Rucksack

1923 kam es zu Rekordeinzahlungen am Postschalter. Die Inflation war so stark angestiegen, dass man das Geld nicht mehr im Geldbeutel mit sich tragen konnte. So trug am 28.11.1923 der Bobinger Gastwirt Josef Scheicher 80.000.000.000.000 (80 Billionen) Mark im Rucksack zur Einzahlung ins Postamt. Das Zählen des Geldes durch den Postbeamten Ludwig Willer dauerte entsprechend lang.

Neben Brief und Telefon gab es lange Zeit (1844 bis 2013) auch noch Telegramme als rasche Möglichkeit der Nachrichtenübermittlung.

Am 21.7.1929 zog die Post ins Zentrum von Bobingen. Sie bekam im Haus Nr. 41 (nach Einführung der Straßennamen 1938: Römerstraße 5) ein neues Quartier. Erste Posthalterin wurde Anna Schnell. Sie übte diese Tätigkeit bis zu ihrem Tode am 29.1.1946 aus.

Pakete wurden lange Zeit mit einem Pferdegespann zugestellt. 1951954 bekam die Bobinger Post 1954 wurde in der Bahnhofstraße 1a ein neues Postgebäude errichtet (Einweihung am 10.12.1954).

Außerhalb der Schalterzeiten telefonieren

Nach jahrelangen Bemühungen der Marktverwaltung konnte 1962 endlich die Aufstellung des ersten Fernwahl-Münzfernsprechers neben dem Postgebäude erreicht werden. Nun konnten die Postkunden auch außerhalb der Schalterzeiten telefonieren. Die Post wechselte später noch öfters ihren Standort. Sie zog 1999 in die Hochstraße 3, 2008 in die Hochstraße 10, 2013 in die Hochstraße 48 und 2015 in den Mayerweg 11.

Rückblickend kann man feststellen, dass sich die Kommunikation von der ehemals gepflegten Kulturtechnik des Briefschreibens zur nüchternen Übermittlungstechnik mittels elektronischer Medien verändert hat. Indes: Die Entwicklung der Post dürfte ihre Endstufe immer noch nicht erreicht haben.

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