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Kirchenmusik

01.06.2019

Botschafterin an der Orgel und für die Orgel

Einfühlsam und mit temperamentvollem Anschlag – je nach Charakter der Musik präsentierte die Orgelvirtuosin Antonina Krymova die vielfältigen Kompositionen.
Bild: Andrea Collisi

Antonina Krymova führt das Königsbrunner Publikum in der Kirche Zur Göttlichen Vorsehung virtuos durch Jahrhunderte

Mit einem der bekanntesten Stücke für Orgel, Toccata und Fuge d-Moll von Johann Sebastian Bach begann das Orgelkonzert der russischen Virtuosin Antonina Krymova in der Kirche Zur Göttlichen Vorsehung bedeutungsschwer mit dem nötigen Unterstrich für das Instrument.

Dabei fiel dem regelmäßigen Konzertbesucher auf, dass Krymova diese nicht in der üblichen temporeichen Weise vortrug, dafür aber die Mächtigkeit und das breite Spektrum dieses unwiederbringlichen Barockwerks grandios zum Ausdruck brachte – es schien als würde sie jede Note einzeln würdigen wollen. Es folgten quer durch die Jahrhunderte und bemerkenswert individuell und einfühlsam in dem jeweiligen anderen Charakter die Kompositionen aus der Klassik und Romantik von Mozart, Mendelsohn-Bartholdy, Brahms und Schuhmann.

Danach sehr empathisch – fast wie ein musikalisches Gespräch mit dem Schöpfer – der Choral von Cèsar Franck, der als der bedeutendste französische Komponist und Organist der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gilt. Ganz zum Schluss das zeitgenössische Werk „Studentenlieder (aus Faust)“ des tschechischen Komponisten Petr Eben.

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Tosender Applaus der knapp hundert Zuhörer, die in die Kirche zu dem Orgelkonzert „Orgel pur“ gekommen waren. Sie alle erlebten eine junge aber außergewöhnlich versierte und einfühlsame Künstlerin. Sie war zuvor am renommierten Petersburger Konservatorium fünf Jahre zur Konzertpianistin ausgebildet worden, um dann noch umzuschwenken und sich für die „Königin der Instrumente“ zu entscheiden: die Orgel. Sie studierte zunächst in Russland und erhielt aufgrund ihres großen Talentes und Eifers für das Instrument ein DAAD Stipendium ans Konservatorium Stuttgart.

Das Instrument Orgel immer wieder und wieder zu erkunden, ist nun ihre große Leidenschaft, ihr Antrieb und ihre Botschaft, es weiterzugeben an die Zuhörer. Dafür reist die fünfsprachige Künstlerin und zweifache Mutter durch ganz Europa und ist immer wieder neugierig auch auf neue Orgeln. So stellte sie die Anfrage an den Organisten und Kirchenmusiker Christoph H. Gollinger, auf dem über die Grenzen Königsbrunns hinaus bekannten Instrument in der Göttlichen Vorsehung spielen zu dürfen. „Die Orgel hat mir sehr gut gefallen und ich habe mich auch über das tolle Publikum gefreut“, betonte die Künstlerin am Ende. „Man spürt das, ob mit Interesse zugehört wird, du fühlst das im Rücken und nimmst die Atmosphäre mit auf und spielst natürlich dann noch froher.“ Schon öfters hatte man in der Reihe „Freunde der Kirchenmusik“ Konzerte mit Darbietungen an der Orgel mit einem anderen Instrument in den Fokus gestellt, die auch gut besucht waren. Doch erstmals, so unterstrich auch Gollinger, habe man tatsächlich ein Konzert ausschließlich mit Orgelkompositionen und nur einer Künstlerin organisiert. Froh betonte er in seiner Begrüßung, es sei vielleicht ein mutiges Risiko gewesen. „Landläufig heißt es ja immer wieder, mit reinen Orgelkonzerten könne man nicht viele Zuhörer hier erwarten, aber dass dem nicht so ist, beweisen Sie alle hier.“

Ein Fachmann saß auch im Publikum, Professor Wolfgang Kabus, der 40 Jahre in Magdeburg Kirchenmusik unterrichtet und zufällig von dem Konzert erfahren hatte. Auch ihn hatte zusätzlich zu der virtuosen Darbietung von Antonina Krymova die Orgel begeistert. „Es hat mich sehr beeindruckt; auch die Art und Weise mit der Registrierung zu spielen.“

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