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Fischach/Illerbeuren

02.03.2020

Brand: Die Siegertshofer Sölde ist nur noch Schutt und Asche

Nur noch Schutt und Asche: Das Kleinbauerngehöft stammt aus Fischach-Siegertshofen und wurde vor Jahren auf dem Gelände des Freilichtmuseums Illerbeuren wieder aufgebaut.
Bild: Franz Kustermann

Plus Das Bauernhaus aus Siegertshofen wurde vor Jahren im Freilichtmuseum in Illerbeuren aufgebaut. Es hatte schon einmal für Schlagzeilen gesorgt.

Die ehemaligen Sölde aus dem Fischacher Ortsteil Siegertshofen stand am Wochenende in Flammen, nachdem es unweit des Gebäudes auf dem Gelände des Bauernhofmuseums Illerbeuren ein traditionelles Funkenfeuer gegeben hatte. Das Dach des historischen Gebäudes brannte ab, derzeit wird mit einem Schaden von rund 750.000 Euro gerechnet. Das Dach hatte schon vor Jahren für Schlagzeilen gesorgt.

Als das Kleinbauerngehöft in Illerbeuren offiziell eröffnet wurde, hatte es noch kein Dach über dem Kopf. Eine Provinzposse. Statt der Stroheindeckung flatterte damals nur eine Plastikplane über den braunen Dachsparren. Das hatte einen Grund.

Die Dachdecker aus Ungarn durften nämlich nicht arbeiten. Die Experten hätten das Dach rechtzeitig zur Einweihung decken können. Doch die Rechnung war ohne die Arbeitsagentur gemacht worden. Da ungarische Arbeitnehmer nach damaligem EU-Recht nur in begrenzter Zahl in Deutschland beschäftigt werden durften, verweigerte ihnen die Behörde in Frankfurt die schnelle Genehmigung.

Die über 350 Jahre alte Sölde aus Siegertshofen steht seit 2009 im Bauernhofmuseum in Illerbeuren. Am Samstagabend wurde das Haus bei einem Brand schwer beschädigt.
Bild: Thomas Weigert

Das Verfahren zog sich hin - mit dem Ergebnis, dass Sturm und Regen einmal die Plastikplane vom Dach der aufwendig restaurierten Sölde rissen. Es regnete hinein, der Deckenputz blätterte ab. Daraufhin musste wieder aufwendig restauriert werden. Die Ungarn , die auch in Museen in Österreich und den Niederlanden gut bekannt waren, meldeten schließlich ein Gewerbe an und durften das Haupt krönen. Erst dann konnten sie das Roggenstroh mit ihren Spezialwerkzeugen, die an Fleischklopfer erinnern, verdichten. Überstehende Borsten stutzten sie mit der Heckenschere. Die Frisur saß – bis zum Wochenende, als offenbar ein Funke übersprang und den Dachstuhl in Brand setzte.

Die im Bauernhofmuseum in Illerbeuren ausgestellte Alte Sölde aus Siegertshofen bei Fischach (Landkreis Augsburg) ist abgebrannt. Das 350 Jahre alte und historisch bedeutsame Gebäude wurde vom Feuer schwer beschädigt. Hier die Fotos vom Brandort.
22 Bilder
Altes Bauernhaus aus Siegertshofen brennt ab
Bild: Franz Kustermann

Unter dem Dach der über 350 Jahre Sölde spielten sich früher übrigens menschliche Dramen ab. Jakob Rössle , der das Haus 1863 von seinem Vater übernommen hatte, brachte mit seiner Frau Elisabeth Micheler aus Siegertshofen sechs Kinder zur Welt. Nur Sohn Joseph sollte das Erwachsenenalter erreichen. Alle anderen Geschwister starben früher. 1871 ereilte Rössle ein weiterer Schicksalsschlag: Seine Frau Elisabeth , die aus einer Schuhmacherfamilie stammte, starb. Rössle heiratete wieder. Doch diese Ehe blieb kinderlos. Sölde-Bewohner waren meistens einfache Handwerker, die sich selbst versorgen mussten und oft wenig zum Leben hatten.

Das Gehöft wurde in Siegertshofen abgebaut und dann auf Tiefladern nach Illerbeuren gebracht. Dort wurde restauriert und dann wieder aufgebaut.

Lesen Sie auch: Hausbesuch: Von zwei Häusern, die auszogen, um eine Heimat zu finden


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02.03.2020

wie dumm kann eine Gruppe von Menschen sein Funken-Feuer näher wie 300 meter an Strohgedeckten Gebäuden zu entzünden ?? ist ja schon fast absichtliche Brandstiftung !!

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