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Schwabmünchen

17.03.2020

Den Leuten aufs Maul geschaut: Werke von Karl Valentin begeistern

Sprachgeschick bewies der Schauspieler Franz Josef Strohmeier bei Lesen und Singen der Werke von Karl Valentin.
Bild: Reinhold Radloff

Franz Josef Strohmeier hat die Wortakrobatik von Karl Valentin in Schwabmünchen auf die Bühne gebracht. Kommende Veranstaltungen in der Buchhandlung Schmid fallen aus.

Er war ein Wortzerklauberer, ein Tragik-Komiker, ein Linksdenker, ein Sprach-Anarchist und ein Selbst-Ironiker: Die Rede ist von Karl Valentin. Seine Werke aus den Jahren des Ersten Weltkriegs, die scharfzüngig und regimekritisch waren, brachte jüngst Franz Josef Strohmeier in der Schwabmünchner Buchhandlung Schmid auf die Bühne.

Viel Sprachgeschick zeigte sich nicht nur in den Liedern und Gedichten von Karl Valentin, Sprachgeschick bewies auch der Schauspieler Strohmeier beim Lesen und Singen der Werke, zum Beispiel beim unglaublichen Kochrezept zum russischen Salat. Die Gäste erhielten auch Einblicke in das damalige Zeitgeschehen und erfuhren zum Beispiel, dass unter anderem von den Bierkrügen die Zinndeckel für die Kanonen benötigt wurden. Sie und noch mehr wurden beschlagnahmt, eigentlich alles, was irgendwie der Kriegsmaschinerie dienen konnte.

Nachdenklicher und zeitkritischer Abend

Trotz vieler Beiträge zur Not der Menschen in den Weltkriegen: Valentin wollte kein Elendskabarettist sein, sondern die Menschen auch mit seinen Werken aufmuntern. Das gelang posthum auch an diesem Abend in Schwabmünchen.

Den Leuten aufs Maul geschaut: Werke von Karl Valentin begeistern

Trotzdem: Wer den Leuten so aufs Maul schaut wie Karl Valentin, der kommt um die wahre Stimmung in der Bevölkerung während der Kriege nicht umhin.

Auch wenn es schon lustigere Abende in der Buchhandlung Schmid gab: Interessanter, zeitkritischer und nachdenklich machender waren sie wohl noch nie.

Weitere Veranstaltungen sind wegen Corona abgesagt

Buchhändler Hans Grünthaler sagt im Anschluss alle Veranstaltungen ab, appellierte aber an die Kartenbesitzer, sich solidarisch mit den Künstlern zu zeigen, für die die Corona-Krise existenzgefährdend sein könne. „Es tut mir in der Seele weh. Jeder, der mich kennt, weiß, mit wie viel Herzblut ich an jeder einzelnen Veranstaltung hänge. Ich habe lange gezögert, weil ich mich auch den Künstlern gegenüber in der Pflicht sehe. Für viele ist diese Situation bereits jetzt existenzgefährdend, ein Auffangschirm von Seiten der Politik ist fraglich“, so Hans Grünthaler.

Doch Bayern hat den Katastrophenfall ausgerufen und auch Veranstaltungen dieser Art vorerst verboten. Auch wenn kein Ersatztermin möglich sein sollte: Wer seine Eintrittskarte behält und nicht zurück gibt, zeige sich solidarisch mit allen betroffenen Künstlern. Grünthaler: „In unserem Fall kann ich garantieren, dass jeder Euro, der durch Verzicht auf Rückgabe einer Eintrittskarte in die Kasse kommt, zu 100 Prozent an die Künstler weitergegeben wird. Wohl gemerkt für den Fall, dass einigermaßen zeitnah kein neuer Termin zustande kommt. In diesem Fall behalten die Karten ohnehin ihre Gültigkeit.“

Buchhandlung arbeitet an Ersatzterminen

Betroffen sind bei der Buchhandlung Schmid in Schwabmünchen konkret die Konzerte von Emma Langford am 18. März, Chris Grey & The BlueSpand am 24. März, Pete Coutts & Northern Sky am 28. März (Ulrichswerkstätten) und The Sharpest Four am 1. April.

Im Sinne der Künstler arbeitet Grünthaler in allen Fällen an Ausweichterminen und hofft, diese noch in den nächsten Tagen bekannt geben zu können. Bereits erworbene Karten behalten ihre Gültigkeit. „Bitte warten Sie diese neuen Termine ab, und versuchen Sie, uns und vor allem den Künstlern die Treue zu halten“, so der Veranstalter. Sollte der jeweilige Ersatztermin nicht möglich sein, können Karteninhaber die Karten natürlich zurückgeben. Für das Konzert von Chris Grey steht der Ersatztermin bereits fest: 24. November.

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