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Jubiläum II

21.09.2013

Denkmal und „Klagemauer“

Dieses Foto aus dem Stadtarchiv zeigt die Einweihung des Kriegerdenkmals von Straßberg am 14. September 1919. Der Stifter Josef Zerrle steht links auf dem Sockel vor dem Stuhl.

Die Straßberger haben zwei Bauten zum Gedenken an die Kriegsopfer geschaffen

Straßberg Eine wechselvolle Geschichte hat das Straßberger Denkmal zu Ehren der gefallenen und vermissten Kriegsopfer aufzuweisen. Es steht an diesem Wochenende im Mittelpunkt des Jubiläums des örtlichen Veteranenvereins.

1914 hatte Vereinsgründer Josef Zerrle den Wunsch, ein solches Denkmal aufzustellen. Der Krieger- und Soldatenverein Straßberg konnte ihm dabei nicht helfen – dem Verein fehlte schlichtweg das Geld. So übernahm der Viehhändler selbst sämtliche Kosten. Damit ist er der eigentliche Stifter des Denkmals. Den Entwurf dazu lieferte der Zimmermeister Karl Mayr.

Nachdem die Gemeinde Straßberg den geeigneten Platz am heutigen Standort zur Verfügung gestellt hatte, wurde unverzüglich mit den Arbeiten begonnen. Unter der Anleitung von Karl Mayr beteiligten sich viele Bürger aus Straßberg und Burgwalden an den Erd- und Betonarbeiten. 1915 wurde das Monument bis zum Sockel errichtet, Steinmetzmeister Michael Hartmann aus Bobingen stellte es her. Die eigentliche Krönung des Denkmals, ein Friedensengel, sollte seinen Platz auf dem Steinsockel finden. Da sich Deutschland aber im Krieg befand, war das Material dazu nicht zu bekommen. Drei Jahre stand der Stein ohne Engel da, bevor dieser im Jahr 1919 von einer Münchner Firma gegossen werden konnte.

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1943, im Zweiten Weltkrieg, kam es zum Rückschlag: Metall war knapp geworden, daher sollte der Engel zur Einschmelzung abgeliefert werden. Einige beherzte Bürger ließen das ihnen kostbare Stück aber bei Nacht und Nebel verschwinden, um es vor dem Schmelzofen zu retten. Doch die Obrigkeit kannten kein Erbarmen. Sie drohten dem damaligen Straßberger Bürgermeister Becherer seitens des Staates die Todesstrafe an, sollte der Engel nicht unverzüglich zum Vorschein kommen und abgeliefert werden. Die Straßberger lieferten deshalb zähneknirschend, aber weisungsgemäß, den Engel am 10. Dezember 1943 zum Einschmelzen ab.

Schon im Mai 1952 stellte der Krieger- und Soldatenverein ein Gesuch an die Gemeinde zwecks der Renovierung des Denkmals. Leider waren von dieser Seite keine Geldmittel dazu vorhanden. Ein Kampf um den Erhalt der alten Gedenkstätte begann. Zwar stimmten die Straßberger bei einer Bürgerversammlung einstimmig für den Erhalt, dennoch wurde das Kriegerdenkmal 1955 entfernt. Die Gemeindeverwaltung entschloss sich daraufhin, ein Modell des Bildhauers Mastaller aus Augsburg anzunehmen: das Denkmal in seiner heutigen Form, welches im Volksmund scherzhaft die „Klagemauer“ genannt wird. (anja)

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