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Gericht

28.06.2017

Der 78-Jährige mit der Maschinenpistole

Ein Rentner aus dem Landkreis hortet funktionsfähige Weltkriegswaffen. Eine Erlaubnis dafür hat er aber nicht

Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Traktoren oder alte Autos. Auf einen 78-Jährigen aus dem südwestlichen Landkreis übten alte Waffen einen besonderen Reiz aus: Er sammelte und pflegte mehrere Exemplare, bis die Polizei an der Haustüre klingelte. Die Beamten staunten nicht schlecht: In der Wohnung des Mannes entdeckten sie sogar eine funktionsfähige vollautomatische Maschinenpistole.

Die MP 40 war die Standardmaschinenpistole der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und wurde ab 1940 in hohen Stückzahlen gefertigt. Zur Sammlung des 78- Jährigen gehörten auch zwei halbautomatische Pistolen, eine Mauser und eine Walther PPK. Die Nazis liebten die „Polizei-Pistole Kriminal“, Kaliber 7,65. Sie wurde gerne an Parteimitglieder verteilt und fand besonders bei den Wehrmachtsoffizieren Gefallen. Auch Sean Connery verließ sich als James Bond auf seine PPK – geladen, nicht gesichert. Der Rentner aus dem Landkreis habe die Pistole von einer Bekannten bekommen. Er sollte sie verwahren, damit sie der suizidgefährdete Ehemann nicht mehr in die Hände bekomme. So erklärte es der 78-Jährige gestern im Prozess am Amtsgericht Augsburg. Er musste sich wegen unerlaubten Besitzes einer vollautomatischen Schusswaffe, zweier halbautomischer Kurzwaffen, eines Repetiergewehrs sowie von rund 400 Schuss verantworten. Außerdem hatte er ein Butterflymesser aufbewahrt, das die Polizei sicherstellte. Sie war über einen anonymen Hinweis auf den Mann gestoßen, der eigentlich ganz andere Pläne für seine Sammlung hatte.

Wie sein Verteidiger Michael Menzel vor Gericht erklärte, wollte der Mann die Sammlung zum 80. Geburtstag abgeben. Am besten an ein Museum. Angeblich hatte er sich schon beim Institut für Zeitgeschichte schlaugemacht. Doch dort wurde das Angebot abgelehnt. „Es wäre eine Todsünde, sie jetzt kaputt zu machen“, sagte der 78-Jährige, der wohl als Waffenliebhaber und Sammler bekannt war. So lässt sich erklären, wie er in den vergangenen Jahrzehnten an die Stücke gekommen war. Auch frühere Weltkriegssoldaten hätten ihm Waffen gegeben, sagte Rechtsanwalt Michael Menzel aus Augsburg, der schon zu Beginn der Verhandlung um ein sogenanntes Rechtsgespräch bat. Darin wurde festgehalten, dass dem Rentner bei einem umfassenden Geständnis eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt werde.

Das Geständnis legte der 78-Jährige schließlich ab. Allerdings bat er darum, einzelne Stücke aus der Sammlung behalten zu dürfen, was Richterin Susanne Scheiwiller aber ablehnte. Ihr persönlich sei in einer Verhandlung eine vollautomatische und voll funktionsfähige Maschinenpistole noch nicht untergekommen. Sie ging davon aus, dass sich der nicht vorbestrafte Rentner nichts mehr zuschulden kommen lässt. Wenn doch, dann bekommt er ein Problem: Die Bewährung seiner eineinhalbjährigen Freiheitsstrafe wird widerrufen: Wird der Mann in den nächsten drei Jahren straffällig, dann gibt es ein Wiedersehen vor Gericht. Der 78-Jährige muss außerdem jeden Wohnortwechsel anzeigen und die Kosten des Verfahrens tragen. Ob die sichergestellten Waffen vielleicht jetzt in eine militärgeschichtliche Sammlung kommen, ist offen.

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