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Langenneufnach

10.09.2018

Die Gärtnerin auf den Sprossen zum Paradies

Nicole Rothenfußer sieht ihren Garten als erholsamen Lebensraum, wie Urlaub vor der eigenen Haustür.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Nicole Rothenfußer hat sich in Langenneufnach auf  350 Quadratmetern mit viel Liebe zum Detail einen Rückzugsort mit ganz eigener Note erschaffen

Nutz- oder Ziergarten? Gesamtkomposition oder klare Abgrenzungen? Oder etwas ganz anderes? Jeder Gartenbesitzer hat seine eigenen Vorstellungen, wie er sein grünes Paradies gestaltet. Für viele Menschen sind Gärten jedoch eines: ein Ort zum Entspannen und Kraftschöpfen. Nicht anders bei Nicole Rothenfußer. Für sie und ihren Mann Dieter ist der Garten ein erholsamer Lebensraum, gespickt mit verschiedenen, teilweise fantasievoll bepflanzten Bereichen. Dazwischen finden sich interessante Sammlerstücke, die den Blick lenken. Die Leiter ihres Erfolgs besteht aus vielen kleinen Sprossen: Immer neue Details kamen hinzu, und der Wandel muss kein Ende haben.

Viele kleine Hingucker

Schon das kleine Kopfsteinpflaster und große alte Platten im Zugangsbereich zum Garten sind Hingucker. Der Besucher wird mit einem bepflanzten Weinfass, einer zum Sitzen einladenden Bank und einem mit Schalen, Vasen und Kannen bestückten, kunstvoll geformten Eisenregal empfangen. Dahinter schmiegt sich an der mit einer Pfeifenwinde berankten Garage ein historischer Viehfuttertrog, den Nicole Rothenfußer unter anderem zum Waschen ihres Gartengemüses benutzt. Bereits hier wird die besondere Gartenatmosphäre spürbar, das Gefühl von Geborgenheit und Ruhe.

Doch dies ist nur ein Vorgeschmack auf die gepflegte Anlage, die hinter dem Haus wartet. Es ist ein kleines Paradies mit üppigem Blütenzauber, sattem Grün und vielen liebevoll gestalteten Details. Ein Ort zum Wohlfühlen und Durchatmen.

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Die Handschrift seiner Gärtner

Es ist ein Garten, der die Bedürfnisse der Besitzer berücksichtigt. Eine Terrasse mit Zugang zum Wohnzimmer, ein Sitzplatz unter einem Pavillon, eine Gartenlaube, ein an den Ecken von alten Ziegelsteinen umrahmtes Hochbeet und ein hochwertiges Gewächshaus, das an viktorianischen Stil erinnert. Von Sterilität keine Spur. Zwischen Hortensien wiegen sich Rosen und davor schlichte Bauernblumen. Sie beleben mit ihren Farbtupfern das dominierende Grün, sorgen ebenso für Struktur wie die Gehölze.

„Der Garten ist im Lauf von rund zwei Jahrzehnten gewachsen, und das komplett in Eigenregie seiner Nutzer“, erzählt Nicole Rothenfußer. „Wir haben die Gestaltung in die eigene Hand genommen, damit der Garten ausschließlich unsere Handschrift trägt.“ Möglich gemacht hätten es Fleiß, Geduld und Inspiration: „Wir sind ja die Kinder der Thuja- und Cotoneaster-Generation und haben deshalb am Anfang viele Gartenbücher gewälzt, englische Gärten besucht, Stimmungen und Anregungen eingefangen, Ideen ausprobiert, umgesetzt und wieder verworfen.“

Gärtnern ist ein wachsender Prozess

Für sie und ihren Mann, der sich in erster Linie den handwerklichen Arbeiten im Garten widmet, sei die Gartengestaltung ein wachsender Prozess. „Gräser, Stauden, Immergrün, Blumen und Gehölze sollen sich letztlich zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen und für jahreszeitliche Abwechslung sorgen. Sonnen- und Schattenplätze zum Aufhalten sind ebenso wichtig wie aufwertende Dekoration.“ Doch nicht immer passen Pflanzen zusammen, entwickeln sich wie gewünscht. Es sei ein ständiges Nachbessern, Ergänzen, Pflegen und Befreien von Überflüssigem. „Ein schöner Garten ist niemals fertig“, stellt sie fest.

Der Pavillon – das erste Sammlerstück der Familie – ermöglicht einen Perspektivwechsel. Von dort wirkt die Gartenfläche mit ihren rund 350 Quadratmetern gleich größer. Zwischen dem üppigen Grün finden sich immer wieder originelle Sammlerstücke, die die Rothenfußers unter anderem bei Flohmarktbesuchen erstanden haben. Neben einer gekiesten Feuerstelle rankt ein Holzobjekt mit einer Eisenschale in die Höhe. Darin thronen Schwemmholz und ein künstlerisch gestaltetes Keramikgefäß mit aufstrebenden Rosen.

Eingebettet in strahlenden Hortensien überrascht ein alter Stuhl, dessen Sitzfläche mit pflegeleichten Sukkulenten bepflanzt und mit einer rostigen Kanne und handgeschmiedeten Kaufmannsgewichten ergänzt ist. Auf einem alten Grenzstein sitzt ein Eisenvogel, dekorativ umrahmt von roten Rosen. Historische Ziegelsteinsäulen beherbergen eine modern dargestellte kniende Figur, einen tönernen Frauentorso und eine Nixe. Auf einem Brett vor dem Wohnzimmerfenster tummeln sich Elfenköpfe, dunkelblaue Flaschen, Schalen und Kerzenständer. Alle Eindrücke wirken harmonisch, zuweilen dynamisch, viele Einzelszenen fügen sich filigran ins Gesamtbild ein. Dieser Garten überrascht auch auf den zweiten, dritten Blick.

Das Glück am Abend: der Sitzplatz

Zu den Lieblingsbeschäftigungen der Gartenbesitzer zählt es, abends draußen zu sitzen. In diesem Zusammenhang nimmt die von Efeu, Buchsbaum und Fuchsien umgebene Gartenlaube einen besonderen Stellenwert ein. Mit ihren Sprossenfenstern, farblich abgesetzten Brettern, Ziergiebel, dem davor platzierten Weinfass als Regenwasserauffangbehälter und der liebvollen Dekora- tion wie Laterne, Glaskugeln, Einkochgefäß, Terrine und Spiegel wirkt sie lichtdurchflutet und einladend. Ein schöner Ort für die gemütliche Runde bei Kaffee oder Tee und Kuchen. Wichtig ist Nicole Rothenfußer aber auch, dass ihr Garten nicht nur ein Refugium für die Menschen ist, sondern auch für die Tiere. „Igel, Vögel und Insekten sind mir ein großes Anliegen“, gesteht sie. Dementsprechend lege sie auch ihr Augenmerk auf heimische Pflanzen, vielfältige Strukturen und Rückzugsmöglichkeiten. Bedeutsam ist ihr ferner der Anbau von eigenem Obst und Gemüse wie Tomaten, Birnen, Brom- und Stachelbeeren. Dies sei neben Spaß auch Lebensmittelproduktion. „Hier erhalte ich wertvolle Inhaltsstoffe bei gleichzeitig wenigen Kalorien.“

Wie sie ihren Garten beschreiben würde: Eine Oase der Sinnlichkeit, ein Spielraum für die Fantasie? Weder noch, meint sie. Er sei vielmehr ein erholsamer Lebensraum mit viel Bodenständigkeit.

Lesen Sie hier den Kommentar: Das (Un-)Glück des Gärtners

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