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Schwabmünchen

14.02.2017

Die vielen Gesichter einer erfolgreichen Frau

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Beim Musical „Heute Abend: Lola Blau“ ist Schauspielerin Nicola Fernholtz die einzige Besetzung. Sie schafft es trotzdem mühelos, das Publikum im Schwabmünchner Kunsthaus zu begeistern – das liegt auch an ihrer Verwandlungskunst.
Bild: Reinhold Radloff

Wie es Nicola Fernholtz in dem Musical „Heute Abend: Lola Blau“ im Kunsthaus schafft, fast ganz alleine das Publikum für schwierige Themen zu begeistern.

Ein Musical, gespielt von einer einzigen Sängerin und Schauspielerin, zum Thema Krieg und Judentum, in der Schwabmünchner Provinz, und das mit den nicht immer ganz einfachen Liedern des Provokateurs Georg Kreisler, kommt so etwas beim Publikum an? Oh ja. Und wie.

Georg Kreisler fasst den Inhalt seines Musicals, das er eigentlich für seine Frau geschrieben hat, so treffend zusammen: „Lola Blau ist im Grunde die Geschichte einer Ohnmacht. Sie steht dem Antisemitismus ebenso ratlos ohnmächtig gegenüber wie dem eigenen Judentum. Sie ist ohnmächtig gegen die sturen Schweizer, wütet ohnmächtig gegen die Sexkarriere in Amerika und am Schluss ist sie wieder ohnmächtig gegen die österreichischen Ewiggestrigen.“

Musical beginnt mit dem Einmarsch der Deutschen in Österreich

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„Heute Abend: Lola Blau“, dieses in aller Welt hochgelobte und viel gespielte Musical beginnt mit dem Einmarsch der Deutschen in Österreich und endet einige Zeit nach der Kapitulation am 8. Mai 1945. Lola Blau, Jüdin und überzeugte Theaterkünstlerin ist völlig unpolitisch, will mit ihrem Spiel und ihrer Musik etwas erreichen, etwas bewegen, muss aber im Laufe ihrer Emigration in verschiedenen Ländern das Gegenteil erleben. Kreisler lässt sie den Zweiten Weltkrieg körperlich unbeschadet überleben, aber seelisch zerbrechen.

Lola Blau, das ist im Kunsthaus in Schwabmünchen Nicola Fernholtz, eine Vollblut-Schauspielerin und Sängerin, die es versteht, Kreisler zu atmen, ihn unverfälscht zu interpretieren. Völlig problemlos schlüpft sie von einer Rolle in die nächste, meistert jede auch noch so schwierige Kreisler-Gesangspassage, wirkt in jeder auch noch so veränderten Situation zu Hause, wechselt sekundenschnell von einer Charaktere zur nächsten.

Neben dem Schauspiel mussten 20 Lieder einstudiert werden

Viele Monate übte sie an den 20 Liedern: „Sie waren eine große Herausforderung für mich. Doch ich bin froh, die Chance für einen derartigen Auftritt genutzt zu haben, auch wenn die Vorbereitung hart war.“ Denn zum Gesang, den Jürgen Scholz am Klavier mit ihr einstudierte und der sie auch perfekt an den Aufführungen begleitete, kam ja noch das Schauspiel. „Alfred Vogler als Regisseur half mir super, die Probleme des Stücks zu bewältigen“, so Fernholtz, die ja ihre Karriere als Sängerin und Schauspielerin schon am Gymnasium Schwabmünchen mit diesen beiden ehemaligen Lehrern beeindruckend begonnen hatte.

Eine ganz Bühne ganz alleine füllen, und das mit nur einer Handvoll einfacher Requisiten, das ist eine Kunst, wenn dabei das Publikum gefesselt werden soll. Unterstützt wurde Fernholtz dabei von zwei Bildwänden, die mit Fotografien von Lothar Zull die immer wechselnd die ergänzende Szenerie perfekt darstellten: einerseits die Orte der Auftritte und das Leben der Blau, andererseits die Kriegsszenerie mit ihren gedämpft schrecklichen Eindrücken. Das alles zusammen genügte, um ein perfektes Kopfkino zu erzeugen.

Georg Kreisler ist nicht nur der Macher skurriler Lieder

Die Schwabmünchner durften ja an mehreren Abenden im Kunsthaus schon den großen Kreisler, sein Leben, seine Lieder erleben. Sie lernten, den österreichischen Juden nicht nur als Macher skurriler Lieder („Tauben vergiften im Park“ ...) kennen, sondern auch als Multitalent, das auch Romane, Gedichte, Opern und Theaterstücke verfasste.

Durch Lola Blau erfuhren die Zuschauer auch einiges Autobiografisches von Kreisler und: Sie stellten in diesem Musical an diesem Abend so manche Parallelität zu Aussagen und Handlungsweisen einiger entarteter Politiker her.

Trotz aller hervorragender Aufarbeitung Kreislers, jetzt soll im Kunsthaus mit ihm erst einmal Schluss sein, nicht aber mit der Problematik der damaligen Zeit. Scholz arbeitet mit der Theatergruppe an einem musikalischen Abend zu Walter Jurmann, einem Komponisten mit einer kreislerähnlichen und doch anderen Biografie. Wer Jurmann nicht kennt, so manches seiner Lieder kennt jeder, zum Beispiel „Veronika, der Lenz ist da“. Auch seine Filmmusiken zu Werken wie „San Fransisco“ mit Clark Gable oder „A Night at the Opera“ mit den Marx Brothers sind weltberühmt.

Dieser Abend verspricht ein ebenso großes Erlebnis zu werden wie „Heute Abend: Lola Blau“.

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