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Langenneufnach

11.09.2019

Ein Keller voller Elektroschätzchen

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5 Bilder
Xaver Seitel ist stolz auf seine private Sammlung an Elektro-Geräten.
Bild: Karin Marz

Xaver Seitel hat in Langenneufnach  Elektrogeräte aus den letzten 120 Jahren zusammengetragen. Warum er jetzt auf die Hilfe der Gemeinde hofft.

Seine Sammelleidenschaft hat Xaver Seitel schon als Lehrling entwickelt. Vor 40 Jahren fing der heute 83-jährige Elektromeister und Gründer der Firma Elektro Seitel in Langenneufnach dann aber richtig mit dem Sammeln von alten Elektrogeräten an. Mittlerweile hat er im Keller der Firma, die seit Ende der 90er-Jahre sein Sohn Karl leitet, eine private Sammlung an Elektrogeräten angelegt.

Fein säuberlich in Regalen, nach Art und Jahrgang einsortiert, stehen alle nur erdenklichen Geräte der letzten 120 Jahre und erinnern fast schon an ein Museum. Seitel erklärt: „Viele von den Maschinen, die aufgrund ihrer Defekte eigentlich weg- geworfen worden wären, stammen von Kunden. Aber ich fand das einfach zu schade.“

Xaver Seitel kann zu allen Geräten eine Geschichte erzählen

Während des Rundgangs, den man als Besucher wie eine Zeitreise erlebt, kann der rüstige Rentner zu allen Geräten etwas erzählen. Beeindruckend ist zu sehen, wie sich beispielsweise der Fernseher anhand der ersten Schwarz-Weiß-Geräte aus den 60er-Jahren entwickelt hat. Auf einer Liste zeigt Seitel, wann in welchen Orten hier in der Umgebung die Haushalte mit Strom versorgt wurden. 1913 war es in Langenneufnach so weit, und Seitel hat selbstverständlich auch die Lichtschalter aus dieser Zeit fein säuberlich an Platten angebracht. Erinnerungen an längst vergangene Zeiten kommen beim Anblick der grasgrünen Telefone mit Wählscheiben hoch und dass die ersten Videorekorder riesige Ausmaße hatten, ist heute kaum noch vorstellbar. An vielen Geräten hatte der leidenschaftliche Sammler Schilder angebracht, auf denen er Typenbezeichnung, Baujahr und den damaligen Besitzer akribisch vermerkt hat.

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Der Langenneufnacher pflegt seine Sammlung beinahe täglich

„Früher konnte ich als Elektromeister ganz viele Geräte selbst reparieren. Dass beispielsweise Waschmaschinen mehrmals instand gesetzt wurden, war ganz normal. Und somit konnte damit auch locker 20 bis 30 Jahre gewaschen werden“, erklärt Seitel fachmännisch. Heute sei das hingegen ganz anders: „Was nicht mehr funktioniert, wird ausgetauscht. Vor allem die Industrie-Elektronik sei sehr schnelllebig.“ Was sich ebenso verändert hat, ist der Stromverbrauch. Während früher höchstens beim Kauf eines neuen Gerätes auf den Wasserverbrauch geschaut wurde, sei den Kunden der Stromverbrauch ziemlich egal gewesen, sagt Seitel.

So gut wie jeden Tag ist er im Keller und pflegt seine Sammlung. Und wenn von Kunden seines Sohnes ausrangierte und besondere Geräte kommen, schaut er sich diese an und sortiert sie, nach Reinigung und möglicher Reparatur, in die Regale ein. Doch dies wird immer schwieriger. Der Grund: Platzprobleme. Die Kellerräume mit einer Gesamtfläche von 160 Quadratmetern reichen seit Langem nicht mehr aus. Schon jetzt platzt seine Sammlung aus allen Nähten.

Gemeinde Langenneufnach hat derzeit keine Räume parat

Aus diesem Grund fragte Seitel bei der Gemeinde nach Räumlichkeiten an. Dann würde er seine Schätze zur Verfügung stellen, damit daraus ein Elektromuseum errichtet werden könne. Denn Seitel gefällt es, wenn Besucher Interesse an seinen Schätzen zeigen. Denn bei Nachfrage führt Seitel gerne Besucher durch die Kellerräume. Die Gemeinderäte haben zwar grundsätzlich ihr Interesse daran bekundet, allerdings sahen sie die vorgeschlagenen Räumlichkeiten in der alten Schule als nicht geeignet an.

Doch dies tut seiner Begeisterung für die alten Geräte keinen Abbruch. Im Gegenteil. Stolz zeigt er einen alten Elektroofen aus dem Jahr 1938, die ersten elektrisch betriebenen Bügeleisen aus den 20er- Jahren, die frühere Signaluhr der Kirche aus Langenneufnach und eine Schreibmaschine, Marke AEG Mignon, aus dem Jahr 1905. Sogar die ersten Volksempfänger aus den Vorkriegsjahren, bei denen der Empfang ausländischer Sender abgeschirmt war, sind bei Xaver Seitel zu finden genauso wie auch medizinische Geräte samt Anwendungsanleitung, die um die Jahrhundertwende gebaut wurden. Aber auch alte landwirtschaftliche Geräte, die ganz ohne Strom laufen, hat Seitel in sein Refugium aufgenommen. Und auch sein erstes Motorrad aus dem Jahr 1954, das er wieder repariert hat. Darauf ist er besonders stolz.

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