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Oberottmarshausen

13.02.2018

Ein Koloss schleicht zu seinem Ziel

Eine lange Reise hatte dieser Schwertransport hinter sich, bevor er in Oberottmarshausen ankam. Gestern legte er die letzten 1,3 Kilometer auf der Straße zurück.
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Eine lange Reise hatte dieser Schwertransport hinter sich, bevor er in Oberottmarshausen ankam. Gestern legte er die letzten 1,3 Kilometer auf der Straße zurück.
Bild: Michael Lindner

In Oberottmarshausen war am Dienstag ein 441-Tonner unterwegs. So lief die ungewöhnliche Fahrt des Schwertransports vom örtlichen Bahnhof bis zum Umspannwerk ab.

Entspannt stehen die Mitarbeiter vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion und der Spezialtransportfirma Daher-HCS neben dem tonnenschweren Ungetüm. Es gibt noch eine kleine Brotzeit, bevor wenige Minuten später die knifflige Aufgabe beginnt, einen 268 Tonnen schweren Phasenschieber vom Bahnhof in Oberottmarshausen zum 1,3 Kilometer entfernten Umspannwerk zu fahren. Es ist die letzte Etappe einer Reise, die ihren vor mehr als zwei Jahren begann und am Dienstag in Oberottmarshausen endete.

2015 stellte sich die Frage, ob ein Transport des 268 Tonnen schweren Super-Generators nach Oberottmarshausen überhaupt möglich ist, sagte Amprion Projektleiter Jürgen Schuder. Danach galt es, die erforderlichen Genehmigungen einzuholen. Der Phasenschieber wurde am Siemens-Standort in Mülheim an der Ruhr gefertigt, Mitte Januar auf ein Binnenschiff verladen und nach Nürnberg transportiert. Von dort ging es mithilfe eines Spezialzugs nach Oberottmarshausen. Um den normalen Zugbetrieb so wenig wie möglich zu beeinflussen, erfolgte der Transport auf der Schiene nur an den Wochenenden, sagte Stephan Wittner von Amprion. Am Montag kam der Zug an.

Die erste Pause gibt es nach nicht einmal fünf Minuten

Um kurz nach 13 Uhr erfolgte am Dienstag in der Bahnhofstraße der Start des inklusive Zugmaschine 44 Meter langen, 4,60 Meter breiten und 5,69 Meter hohen Transports. Gesamtgewicht: 441 Tonnen. Nach weniger als fünf Minuten musste der Konvoi eine erste unfreiwillige Pause einlegen. Die Überquerung des Bahnübergangs stand bevor, doch es fehlte das „Go“ der Bahn. Dieses kam nach wenigen Minuten und so rollte der Transport langsam auf die Hauptstraße, nahm die erste Rechtskurve ohne Probleme und bog nach wenigen Metern in die Wehringer Straße. Nur ein Ortsschild musste dafür kurzzeitig abmontiert werden. Da auch das Wetter mitspielte – kein Schnee und keine glatte Fahrbahn – mutete der Spezialtransport auf 14 Achsen fast wie ein großer, aber langsamer Spaziergang an. Die Geschwindigkeit betrug durchschnittlich 1,66 Kilometer pro Stunde. Aber darauf kam es bei dem Transport nicht an. Alles verlief ohne Probleme, resümierte Bobingens Polizeichef Artur Dachs, der mit Kollegen für die Straßenabsperrung zuständig war.

In einigen Wochen kommt ein nächstes Schwergewicht

Um 13.51 Uhr erreichte der Phasenschieber das Umspannwerk. Hintergrund des gestrigen Transports ist unter anderem die Energiewende und die geplante Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen spätestens zum Ende des Jahres 2021. Damit nach der Abschaltung dieser Kraftwerke die erforderliche Spannung im regionalen Stromnetz gehalten werden kann, baut das Unternehmen in Oberottmarshausen den rotierenden Phasenschieber ein. Dieser wird mit dem Stromnetz verbunden und erzeugt die für die Spannungshaltung erforderliche Blindleistung. Blindleistung ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass in einem Wechselstromkreis Strom fließen kann, der bislang von den großen Kraftwerken wie Gundremmingen bereitgestellt wurde. Ein regelbarer, rotierender Phasenschieber ist dabei eine besonders flexible Form der Kompensation: Je nach Bedarf kann er die Spannung im Netz anheben oder senken. Im April wird voraussichtlich ein tonnenschwerer Transformator nach Oberottmarshausen geliefert, der Testbetrieb des Phasenschiebers ist für das zweite Quartal geplant. Im vierten Quartal soll die Anlage dann im Regelbetrieb für ein sicheres Netz und eine sichere Stromversorgung in der Region Augsburg sorgen.

Der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion betreibt mit 11000 Kilometern das längste Höchstspannungsnetz in Deutschland. Ebenso wie für die Lechwerke, spielt auch für Amprion die 1962 erbaute Umspannanlage Oberottmarshausen eine wichtige Rolle. Der südliche Teil der Anlage an der Wehringer Straße wird von Amprion betrieben. Er ist die Schnittstelle zwischen dem europäischen 380 KV-Stromnetz und den Regionalnetzen, denn das Verschieben von Strom ist eine Spezialität des großen Umspannwerks in Oberottmarshausen. Den nördlichen Teil der Anlage betreiben die Lechwerke. Damit stellt das Umspannwerk in Oberottmarshausen einen wichtigen europäischen Energie-Knotenpunkt dar.

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