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04.04.2017

Ein Ordensmann fordert mehr Menschlichkeit

Einer, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält, ist der ehemalige Abtprimas Notker Wolf. Er plädiert für die Ausbildung junger Flüchtlinge.

Es gab großes Interesse an einer Podiumsdiskussion mit Alt-Abt Notker Wolf in Stadtbergen. Er hatte auch eine Menge zu sagen.

Der ehemalige Abtprimas der Benediktiner, Notker Wolf, ist für seine offene, menschenfreundliche Art bekannt. Auch beim Thema Flüchtlinge präsentiert Wolf in Stadtbergen bei einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der Flüchtlingsarbeit deutlich seinen vom christlichen Glauben geprägten Standpunkt: „In allen Fragen der Flüchtlingspolitik geht es nicht um Zinnsoldaten, sondern um Menschen“, betont er.

Schon zu Anfang der Veranstaltung hält er einen feurigen Appell für Offenheit, Empathie und Nächstenliebe. Eines der Lieblingsthemen der bayerischen CSU, die Obergrenze, kritisiert er und fragt: „Sind Menschen denn nur eine Verwaltungsfrage?“ Notker Wolf hat kürzlich auch ein Buch mit dem Titel „Schluss mit der Angst – Deutschland schafft sich nicht ab“ veröffentlicht.

Das Thema ist immer noch hochaktuell. Das merkt man auch im voll besetzten Foyer des Stadtberger Bürgersaals bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Unbegleitete Flüchtlinge – das bittere Erwachen. Eine berufliche Aus- und Weiterbildung hier bedeutet zielgenaue Entwicklungshilfe für die Heimatländer“. Veranstaltet wurde der Abend von der Stadt Stadtbergen, den Stadtberger Kirchengemeinden, der KEB (Katholische Erwachsenenbildung) Augsburg Land und der Volkshochschule.

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Integration und Ausbildung

Dr. Markus Gruber, Ministerialdirektor des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales und Familie, vertritt eher den realpolitischen Standpunkt. Er findet, dass der Fokus der Öffentlichkeit noch immer viel zu sehr auf der Aufnahme von Flüchtlingen liegt. Mittlerweile stehe Deutschland aber vor einer viel wichtigeren Aufgabe, bei der sich die Regierung keine Fehler erlauben dürfe: der Integration.

Notker Wolf sagt: „Die Ausbildung ist das Allerwichtigste für junge Menschen, die bei uns in Deutschland ankommen, egal ob sie zurückkehren wollen, oder nicht.“ Kritisch sieht diese Art von Entwicklungshilfe Michale Krause von der Kolping-Akademie. Er leitet ein Heim für unbegleitete Minderjährige und junge Volljährige in Stadtbergen. Sein Schwerpunkt liegt in der Integration der jungen Menschen in den Arbeitsmarkt. Krause war 13 Jahre bei der Bundeswehr und auch in Afghanistan tätig. Er weiß deshalb: „Ich kann jungen Afghanen hier in Deutschland viel besser helfen, als dort. Aber ich kann ihnen keinen Anreiz geben, zurückzukehren.“

Susanne Reif von der Bereichsleitung Schulen der Regierung von Schwaben ist vom deutschen System der Berufsausbildung überzeugt und sieht auch, wie erfolgreich es auf den Ansturm junger Menschen mit Migrationshintergrund reagiert hat. An den beruflichen Schulen hätte sich viel getan.

Menschliche Zuwendung

Zum Abschluss der Veranstaltung bleiben viele Fragen offen. Allerdings nehmen die Diskutanten und das Publikum „wertvolle Anregungen mit nach Hause“, sagt Notker Wolf. Für ihn steht weiterhin die „menschliche Begleitung und Zuwendung“ an erster Stelle, wenn es um Geflüchtete geht.

Auch Organisatorin Felicitas Samtleben-Spleiß zieht ein positives Fazit aus der Veranstaltung. Allerdings ist Samtleben-Spleiß, auch aufgrund ihrer Erfahrungen in Afrika, überzeugt: „Wenn man diesen Menschen die Möglichkeit zu einer ordentlichen Ausbildung gibt und es dann schafft, sie zur Rückkehr zu motivieren, können sie in ihren Heimatländern viel bewegen.“ In Deutschland könnten junge Geflüchtete nicht nur ausgebildet werden, sondern auch lernen, was es bedeute, friedlich zusammenzuleben, meint sie.

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