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05.07.2010

Eines der letzten Abenteuer der Zivilisation

Mit einer Hand am Gashebel seines Heißluftballons. Was als Marketingaktion geplant war, wurde für Andreas Aigner aus Oberottmarshausen zur Leidenschaft (links). Vor der Ballonfahrt steht harte Arbeit. Fluglehrer Stefan Dolpp (links) zieht die 160 Kilogramm schwere Ballonhülle aus dem Sack (rechts)
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Mit einer Hand am Gashebel seines Heißluftballons. Was als Marketingaktion geplant war, wurde für Andreas Aigner aus Oberottmarshausen zur Leidenschaft (links). Vor der Ballonfahrt steht harte Arbeit. Fluglehrer Stefan Dolpp (links) zieht die 160 Kilogramm schwere Ballonhülle aus dem Sack (rechts)

Königsbrunn "Ballonfahren ist eins der letzten Abenteuer in unserer Zivilisation", sagt Andreas Aigner, Pilot des LEW-Ballons und Mitorganisator der jährlichen Wettfahrt um den LEW-Cup in Königsbrunn. "Beim Start weiß man nicht, wo man am Ende landet."

Genauso erging es den 22 Startern, die sich gestern Nachmittag in Königbrunn an den Start begaben. Aigner berichtet: Lenken kann man einen Heißluftballon nicht. Der Ballonfahrer ist vom Wind abhängig, der in verschiedenen Höhen in unterschiedlichen Richtungen weht. Diese Unterschiede machen sich die Piloten zu eigen, um doch noch annähernd ein bestimmtes Ziel anzufahren. Im Winter strömt der Wind oft von Norden nach Süden. Vor einem Jahr nutzte Aigner den Nord-Süd-Wind, um in 6000 Metern Höhe bei minus 26 Grad Celsius mit dem Ballon die Alpen zu überqueren. "Es ist einfach gigantisch, über die Berge hinüberzufahren."

Wenn der Pilot von seiner Ballonfahrt nach Italien erzählt, kommt er ins Schwärmen. Dabei ist Andreas Aigner eher zufällig zu diesem ausgefallenen Hobby gekommen: 2001 organisierte er in einer Projektgruppe die 100-Jahr-Feier seines Arbeitgebers LEW. Und weil Ballone ein positives Image haben, sollte ein solcher mit dem Logo des Stromanbieters in den Himmel steigen. Die Lechwerke kauften einen Heißluftballon und Aigner konnte den Königsbrunner Roland Krätschmer als Piloten gewinnen.

Dann begann Aigners klassische Ballonfahrerkarriere. Zuerst fuhr er als Passagier mit. Später half er Krätschmer als "Verfolger" beim Auf- und Abbauen und lernte dabei die notwendigen Handgriffe, bis er selbst einen Pilotenschein machte. 20 Fahrstunden mit 50 Starts und Landungen sind für die Ausbildung nötig. Dazu kommen 60 Theoriestunden, bevor man beim Luftamt die Prüfung ablegen kann. Zirka 5000 Euro kostete der Pilotenschein für Ballone. Kein billiger Sport, weiß Aigner. Für einen Ballon mit Korb und Zubehör muss man 80 000 Euro kalkulieren. "Deshalb haben die meisten Ballonfahrer einen Sponsor, der im Gegenzug erwartet, dass man mit dem Ballon Veranstaltungen besucht und in der Luft präsent ist."

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In dem Alter, in dem Aigner seine Leidenschaft zum Ballonfahren entdeckte, hatte Pilot Stefan Dolpp aus Augsburg schon 30 Jahre Erfahrung im Umgang mit den bunten Himmelskugeln. Sein Großvater nahm ihn im Alter von vier Jahren zum ersten Mal zu einer Fahrt im Gasballon mit. Damals konnte der Knirps noch nicht einmal über den 1,20 Meter hohen Korb hinausschauen, zwei Sandsäcke mussten als Tritt dienen, damit der Junge einen Blick auf die Welt von oben erhaschen konnte.

Zu Beginn der Ausbildung geht es oft auf und ab

Heute ist der 46-Jährige Fluglehrer für Ballone und hat schon über 1000 Fahrten erleben dürfen. "Ballonfahren ist total entspannend", erzählt Dolpp, "weil man nichts beschleunigen kann." Auch seine Flugschüler bringen ihn da nicht aus der Fassung, wenn sie zu Beginn ihrer Ausbildung durch zu viel oder zu wenig Gas im ständigen Auf und Ab über den Himmel ziehen.

Zu den alten Hasen unter den Ballonfahrern zählt auch Erwin Leinfelder. Der über 70-Jährige vom Ammersee feierte am Wochenende sein 33-jähriges Piloten-Jubiläum. In wirklich gefährliche Situationen geriet Leinfelder in seiner Pilotenlaufbahn nie. Nur einmal kam er in eine prekäre Lage, als ihm bei Windstille über dem Ammersee das Gas ausging. Durch lautes Rufen machte er einen Bootsfahrer auf seine Lage aufmerksam, der dann den Ballon einen knappen Meter über der Wasseroberfläche ans Ufer zog.

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