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Kutzenhausen

23.04.2020

Ernte-Einbußen: Wie die Dürre Landwirte bedroht

Staub wirbelt auf diesem Feld bei Oberottmarshausen auf. Die Bauern sorgen sich um die Ernte.
Bild: Joachim Peters

Plus Viel zu wenig Regen könnte zu großen Verlusten in der Landwirtschaft führen. Warum der Landkreis Augsburg noch vergleichsweise gut dasteht.

Landwirt Anton Mayer aus Kutzenhausen ist besorgt: „Mein Mais und mein Getreide sind vom Wachstum her vier Wochen hinten dran“, sagt der Kutzenhauser Landwirt. Wenn das Wachstum zu lange dauere, könne es sein, dass er es zu früh ernten müsse, bevor das jahreszeitlich nicht mehr möglich sei. Er rechne mit bis zu 50 Prozent Ernte-Einbußen. Das bedeute für ihn auch einen riesigen finanziellen Schaden, da er nicht damit rechne, dass sich die Marktpreise verdoppeln werden. „Weil die Felder zu trocken sind, löst der Dünger sich nicht auf und kann von den Pflanzen nicht aufgenommen werden“, erklärt der Landwirt. Diese Dürren kämen immer öfter vor. „Gut möglich, dass das was mit dem Klimawandel zu tun hat“, glaubt Anton Mayer.

Auch Johann Fröhlich aus Thierhaupten macht sich Sorgen. Er baut Raps, Getreide und Zuckerrüben an: „Die Zuckerrüben keimen nicht anständig und der Raps hat weniger Blüten, als er sollte. Das bedeutet weniger Schoten und damit weniger Öl. Das führt auf jeden Fall zu Ernte-Einbußen“, sagt Fröhlich. Er habe mitbekommen, dass viele Landwirte ihre Ware nicht auf den Markt brächten: „Die rechnen mit steigenden Preisen“, sagt er.

Geringe Niederschlagsmenge

Grund für seine Probleme ist die niedrige Niederschlagsmenge. Bei einer Wetterstation in Aichach fehlen etwa 100 Millimeter Niederschlagshöhe bis zum für diese Jahreszeit typischen Niederschlag von 800 Millimeter, erklärt Konrad Hörl. Im Landkreis Augsburg sei die Situation ähnlich.„Das bedeutet, es fehlen etwa 100 Liter Wasser pro Quadratmeter“, sagt Hörl. Er ist der stellvertretende Leiter des Amts für Landwirtschaft im Kreis Augsburg. Das sei noch im tolerierbaren Bereich, aber könnte zu Problemen führen, wenn es nicht bald größere Niederschläge gebe. Von Schwarzmalerei hält er aber nichts: „Die Natur kann eine Menge ausgleichen“, sagt er.

In Deutschland hat es in den vergangenen Wochen viel zu wenig geregnet. Ein Landwirt zeigt die trockene Erde seiner Weidefläche. (Symbolbild)
Bild: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

In Südbayern sei die Situation nicht so schlimm wie anderswo. Zudem sei der Boden im Landkreis Augsburg nicht so leicht zu verwehen wie der sandige Boden etwa in Aichach-Friedberg. Deshalb sei auch der relativ starke Wind dieses Jahr nicht so ein Problem. „Ein bis zwei Tage gleichmäßiger Regen würden sehr helfen“, meint Hörl. Zu stark dürfe er aber auch nicht sein. Das könne zu Bodenabschwemmungen führen. Er macht den Klimawandel verantwortlich: „Es hat auf jeden Fall eine Veränderung in den letzten Jahren gegeben. Es kommt immer öfter zu Dürren“, sagt er. Es habe ihn überrascht, wie schnell sich das Klima geändert habe. Durch die geringen Niederschläge gehe auch der Grundwasserstand zurück.

Thomas Graupner macht sich Sorgen, dass sich ein Dürresommer wie 2018 wiederholt. Er leitet die Augsburger Geschäftsstelle des bayerischen Bauernverbandes: „Damals sind in den Lechregionen viele Früchte gar nicht reif geworden. Ein hundertprozentiger Ernteausfall also“, erinnert er sich. Insgesamt stehe es in der Region Augsburg aber nicht schlecht: „Wir sind ein grüner Fleck“, sagt Graupner. In Franken und Niederbayern sei die Situation viel schlimmer. Das könne bei Mais, Raps und Rüben zu starken Verlusten führen. Gerade auf lokalen Märkten könnte das zu steigenden Preisen führen. Auf größeren Märkten würde die Konkurrenz aus dem Ausland die Preise aber niedrig halten, obwohl auch hier die Preise in letzter Zeit leicht gestiegen seien.

Künstliche Bewässerung als Ausweg?

Ein möglicher Ausweg für viele Bauern ist künstliche Bewässerung: „Dafür braucht man eine Erlaubnis vom Landratsamt. Die ist relativ aufwendig zu bekommen“, sagt Graupner. Auch Hörl bezweifelt die Sinnhaftigkeit für viele Bauern: „Man braucht einen Brunnen, Geräte, Schläuche. Die Kosten können schnell Zehntausende betragen“, erklärt er. Das mache für Bauern mit empfindlichen Früchten, wie Spargel und Erdbeeren durchaus Sinn, aber sei zu teuer für die meisten Landwirte.

Meyer rechnet nicht damit eine Genehmigung zu bekommen: „Wenn das Grundwasser zurückgeht, glaube ich nicht, dass das Amt freigiebig damit ist“, glaubt er. Fröhlich befürchtet, dass eine Bewässerung alternativlos werden könnte, wenn es in Zukunft öfter zu Dürren kommt. Er müsste einen größeren Kredit aufnehmen, um die Kosten zu stemmen.

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