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Kaufering/Langerringen

03.09.2019

Franz Weimeier und die Schattenseiten des Bergsteigens

Geschafft: Franz Weimeier (rechts) und sein Schulfreund Jürgen Tomek haben den Gipfel des 5137 Meter hohen Berges Ararat erreicht.
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Geschafft: Franz Weimeier (rechts) und sein Schulfreund Jürgen Tomek haben den Gipfel des 5137 Meter hohen Berges Ararat erreicht.
Bild: Weimeier

Plus Mit seinem Schulfreund erreicht Extrembergsteiger Franz Weimeier den Gipfel des Ararat auf 5137 Metern Höhe. Der 53-Jährige spricht über den Reiz des Bergsteigens und die intensiven Vorbereitungen.

Es ist eisig kalt an diesem Donnerstagmorgen um 7.30 Uhr. Das Thermometer zeigt knackige minus zehn Grad an, der Wind peitscht mit 70 Stundenkilometern ins Gesicht – oder besser gesagt in den kleinen Teil, der nicht durch die Sturmhaube verdeckt ist. Doch was für die einen eine Horrorvorstellung ist, ist für Franz Weimeier etwas ganz anderes. Der 53-Jährige ist Bergsteiger aus Leidenschaft. Ein größeres Glücksgefühl als oben auf einem Gipfel zu stehen und sich über das Erreichte zu freuen? Für ihn kaum vorstellbar.

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Weimeier, der 45 Jahre lang in Langerringen lebte, ist erst seit wenigen Tagen von seiner jüngsten Tour zurück. Sie führte ihn mit seinem Freund Jürgen Tomek – mit dem er neun Jahre lang zur Schule ging – in den Osten der Türkei. Genauer gesagt ins Grenzgebiet zu Armenien und den Iran auf den 5137 Meter ruhenden Vulkan Ararat. Im dortigen Gebirge soll nach der Sintflut die Arche Noah gestrandet sein. Weimeier kennt zwar den biblischen Hintergrund, doch es treiben ihn andere Dinge an: Die Kameradschaft mit den anderen Bergsteigern und natürlich das Gefühl, oben auf dem Gipfel zu stehen.

Franz Weimeier war bereits auf dem Kilimandscharo und dem Elbrus

Weimeier geht seit rund 20 Jahren in die Berge, aber an die höheren Touren traut er sich erst seit wenigen Jahren heran. 2017 war er auf dem Elbrus im Kaukasus (5642 Meter), 2014 bestieg er den 5895 Meter hohen Kilimandscharo in Tansania. Allein die Reise kostete ihn rund 4000 Euro. Für die entsprechende Ausrüstung – Steigeisen, Thermokleidung, Eispickel und vieles mehr – gab er noch einmal so viel aus. „Das meiste kann man für spätere Touren hernehmen. Es ist zwar kostspielig, aber das Geld gebe ich gerne aus. “, erzählt Weimeier. Schließlich erfülle er sich mit den Abenteuern seine Träume.

Franz Weimeier und die Schattenseiten des Bergsteigens

Der Reiz am Bergsteigen liegt für den Kundendienstmonteur einer Heizungsfirma an der Grenzerfahrung. „Ich gehe an meine Grenzen, denn bei über 5000 Meter ist die Luft extrem dünn“, sagt der 53-Jährige. Und so lange er körperlich in der Verfassung ist, diese Abenteuer zu meister, werde er weiter Bergsteigen.

Für den Berg Ararat ist ein Visum erforderlich

So wie zuletzt auf dem Ararat in der Türkei. Doch bevor er den Gipfel besteigen konnte, waren etliche Vorkehrungen zu treffen. „Du darfst den Berg nur mit einem örtlichem Bergführer und mit An- und Abmeldung beim örtlichem Militärposten besteigen“, sagt Weimeier. Auch ein spezielles Visum war notwendig. Zu den Vorbereitungen zählt aber nicht nur der Papierkram, sondern auch die körperliche Fitness. Ausdauertraining in Form von Konditionsläufen und Radfahren standen auf dem Programm. Außerdem wurden kleinere Bergtouren im Allgäu in Angriff genommen. „Zwei bis drei Monate vor der Tour sollte man schon mit dem Training anfangen“, verrät der 53-Jährige.

Von München ging es mit dem Flugzeug über Istanbul bis in die Stadt Van, wo Weimeier und Tomek von ihren beiden Bergführern Kemal und Ruat empfangen wurden und die anderen sieben Bergsteiger ihrer Gruppe kennenlernten. Am nächsten Tag ging es los – aber nicht auf den Ararat, sondern auf den Süphan Dagi. Der etwas mehr als 4000 Meter hohe Berg diente als Akklimatisierungstour. Auf dem Weg dorthin nahmen Weimeier und Co ein Bad im Vansee. „Wer weiß, wann wir wieder eine Waschgelegenheit in den Bergen haben?“, sagt Weimeier, der inzwischen in Kaufering lebt. Darauf musste er eine Weile warten, doch dazu später mehr.

Nur auf dem ersten Lager des Berges Ararat gab es eine provisorische Toilette

Nachdem diese Tour erfolgreich verlief, nahmen sie einen Tag später endlich den Ararat in Angriff. Vom Dorf Eli auf 2200 Metern Höhe ging es zu elft über die Südroute zum ersten Lager auf 3400 Meter. Einen Tag später erreichte die Gruppe das zweite Lager auf 4100 Metern Höhe. „Die Temperaturen wurden langsam niedriger und der Hygienestandard auch“, erinnert sich Weimeier. Gab es auf dem ersten Lager noch eine provisorische Toilette, mussten sie auf Lager zwei nur noch mit Felsvorsprüngen und kleinen Sträuchern vorliebnehmen – das Bad am Vansee war inzwischen auch schon drei Tage her.

Die Sauberkeit sei bei solch einem Erlebnis hinten angestellt, das weiß der 53-Jährige. Doch etwas anderes störte ihn: die Unmengen an Müll. Plastikflaschen, Toilettenpapier und vieles mehr lagen rund um die Lager des Berges Ararat. „Die Umwelt wird verschandelt, das ist schlimm“, sagt Weimeier. Im Allgäu oder in Österreich gebe es solche Auswüchse glücklicherweise nicht. Er nehme seinen Unrat immer wieder mit. „Notfalls muss man eben mehr Geld für den Aufstieg verlangen, um solche Müllberge zu verhindern. Denn die sind leider kein Einzelfall“, sagt Weimeier.

Drei von neun Bergsteigern erreichen nicht den Gipfel des Berges Ararat

Doch das verdrängten der 53-Jährige und die anderen Bergsteiger seiner Gruppe, die immer kleiner wurde. Drei von ihnen erreichten den Gipfel Ararat nicht und kehrten um. Sie waren körperlich oder gesundheitlich angeschlagen – einer von ihnen war sogar über 70 Jahre alt. „Wenn man sich körperlich nicht mehr wohl fühlt, muss man umdrehen“, sagt Weimeier. Alles andere wäre unverantwortlich. Seine Frau, mit der er seit eineinhalb Jahren verheiratet ist, sei zwar besorgt, dass er gesund zurückkomme. „Aber wenn ich mir etwas in den Kopf setze, habe ich die Freiheit, dieses auch zu machen“, sagt der 53-Jährige und lacht.

Franz Weimeier auf dem zweiten Lager auf dem Weg zum Berg Ararat.
Bild: Weimeier

Um zwei Uhr morgens machte sich Weimeier mit seinen Mitstreitern über die Schneefelder auf zum Gipfel – ausgestattet mit Stirnlampen, dicker Kleidung, Sturmhauben und Steigeisen. Zehn Minuten hielt er es am Gipfel aus; Zeit genug, für ein gemeinsames Foto mit seinem Kumpel Tomek. Nach dem Abstieg ging es zur Erholung ins Hammam. Weimeiers Fazit der Tour: „Wir können von der Gastfreundschaft der Kurden nur gutes berichten. Wir haben wieder ein tolles Abenteuer erlebt, an das wir noch oft zurückdenken werden.“

Doch Weimeier und Tomek haben schon ein nächstes Ziel im Blick: Vermutlich geht es dann auf den 4810 Meter hohen Mont Blanc. Auch dort wird es wieder eisig kalt, aber das macht den Extremsportlern nichts aus.

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