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Mittelneufnach

15.10.2019

Fulminantes Comeback für die Kulturschmiede

Für beste Stimmung wie im irischen Pub sorgte die Irish Folk Band Mother´s Pride bei der 16. Kulturnacht und gleichzeitigem Comeback der Kulturschmiede.
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Für beste Stimmung wie im irischen Pub sorgte die Irish Folk Band Mother´s Pride bei der 16. Kulturnacht und gleichzeitigem Comeback der Kulturschmiede.
Bild: Marcus Angele

Viele hatten nicht daran geglaubt, doch mit neuem Konzept ist die Institution in den Stauden zurück. Den Auftakt machte ein Konzert einer Irish-Folk-Band.

Was für ein Kulturschmiede-Comeback nach zwei Jahren Pause: Beste Stimmung wie in einem irischen Pub herrschte bei der 16. Kulturnacht in Mittelneufnach. Die Augsburger Irish Folk Band Mother´s Pride ist ein Garant für eine stimmungsvolle irische Nacht und begeisterte im ausverkauften Gemeindezentrum mit einem musikalischen Rundflug über die irische Insel. Das Spektrum von melancholischen Balladen bis hin zu flotten irischen Seemanns- und Trinkliedern lud die Gäste schnell zum Mitsingen und Mitklatschen ein.

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Die Kulturschmiede ist nach zwei Jahren wieder zurück und wenn man „Kulturschmiedler“ Karl Scheid und RES-Geschäftsführerin Claudia Schuster glauben darf, noch besser. Nur wenige Hände gingen nach oben, als Karl Scheid zu Beginn die Frage in die Runde stellte: „Ganz ehrlich, wer von Ihnen hätte wirklich geglaubt, dass es nach zwei Jahren wieder eine Kulturnacht gibt?“ Ja, und auch er musste ganz offen zugeben, dass er damit nicht mehr gerechnet hatte. Doch mit dem neuen, zusammen mit der Regionalentwicklung Stauden entwickelten Konzept, wird es künftig staudenweit Veranstaltungen geben. Zum Auftakt durften die beiden dann die Band Mother´s Pride auf der Bühne begrüßen und das Gemeindezentrum wurde für einen Abend regelrecht in einen irischen Pub verwandelt.

Die schwäbischen Iren vermitteln in der Kulturschmiede Lebensfreude und Leidenschaft

Irgendwo muss im Stammbaum der fünf hervorragenden Musiker ein irischer Zweig vorhanden sein, der sich bis heute tief in ihren Herzen verwurzelt hat. Die „schwäbischen Iren“ aus Augsburg, wie sie oft liebevoll genannt werden, brachten von Beginn an die irische Lebensfreude und ihre Leidenschaft für den Irish Folk rüber und bereits beim zweiten Lied „Cockles and Mussles“ sangen die Gäste mit einem Glas Guinness in der Hand mit. So bekam man doch schnell den Eindruck, dass eine gute Anzahl der Besucher treue Mother´s Pride-Fans sind und die, die zum ersten Mal auf diese sympathische Band trafen, waren ebenfalls nach kurzer Zeit von der Begeisterung angesteckt.

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Aber nicht nur die eingängigen Melodien machen Mother´s Pride aus. Lothar Holzmann und Roland Stadler brachten den Saal immer wieder mit ihren heiteren und mit viel Ironie gespickten Erklärungen zu den Liedern zum Lachen. Doch auch ernste Hintergründe werden beleuchtet und lassen damit Irland zum Greifen nahe erscheinen. Beim „Lonesome Boatman“ laden sie das Publikum zum Träumen ein, die Augen zu schließen und sich an die Küste Irlands zu versetzen, sich die glatte See mit einem einsamen Fischerboot und salzigen Duft des Meeres vorzustellen.

Das Publikum in Mittelneufnach ist voll dabei

Hier glänzt vor allem Steffi Steppe mit einem sehr einfühlsam und fast wehmütig klingenden Flötenarrangement, das mit einem Sonderapplaus belohnt wurde. Kurt Valek am Bass und Benedikt Unglert am Akkordeon tragen ebenfalls dazu bei, dass dieser typisch irische Sound richtig gut ankommt. Vor der Pause ist auch das Publikum voll dabei, wenn plötzlich aus einem irischen Lied über ein Motorrad der allseits bekannte Refrain aus „Im Wagen vor mir“ erklingt oder zu einer kleinen Gymnastikeinheit mit einem heiteren „Auf und Nieder“ aufgerufen wird.

Mother´s Pride gibt im Jahr knapp fünfzehn Konzerte, darunter auch einige Benefizkonzerte für Kinderheime oder erkrankte Kinder. Lothar Holzmann gründete vor fast 35 Jahren die Band und war bisher schon 31 Mal auf der grünen Insel. Seine Leidenschaft für Irland entdeckte er bereits als Jugendlicher und sie ließ ihn bis heute nicht mehr los. Bei Roland Stadler war es der Englischlehrer. „Ich war damals furchtbar schlecht in Englisch und mein Lehrer hat mir über irische Lieder tatsächlich die Lust an der Sprache beigebracht“, erklärt Stadler lächelnd.

Andächtige Hymne irischer Fußballfans erklingt in der Kulturschmiede

Aber nicht nur Englisch beherrscht er mittlerweile. Bei musikalischen Ausflügen nach Schottland und Frankreich wird in Gälisch oder Französisch gesungen. Das Stück „La Jument de Michao“ widmete Mother´s Pride dem Deutsch-Französischen Freundeskreis Mittelneufnach, der an diesem Abend die Bewirtung übernahm. Einen fast andächtigen Moment zauberten die fünf Virtuosen mit „Fields of Athenry“ in den Saal. Das Lied wurde bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 berühmt, als Irland gegen Spanien verlor und die Fans von der grünen Insel kurz vor Schluss knapp zehn Minuten mit Standing Ovations und dieser Hymne ihr Land feierten. Das Lied handelt von der großen Hungersnot und der Unterdrückung durch die Kolonialmacht England, bei der im 19. Jahrhundert fast jeder achte Ire verhungerte und viele das Land verließen. Es ist eine Hymne des Stolzes und der Würde – auch in einer hoffnungslosen Situation.

Zur Zugabe verschwanden die Musiker dann kurz hinter dem Vorhang, weil, „wir haben nicht immer solche tollen Bühnen mit Vorhang. Das müssen wir dann schon auskosten“, grinst Lothar Holzmann und fiedelt auf seiner Geige anschließend im rhythmischen Zusammenspiel mit seinen Mother´s Pride-Kollegen und dem begeistert klatschenden Publikum nochmal so richtig die Saiten heiß.

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