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Langenneufnach

16.02.2018

Funken machen Schluss mit Schnee und Kälte

Insgesamt rund 1300 Holzpaletten verarbeitet das Langenneufnacher Scheibenfeuer-Team für das Spektakel am Ziegelberg. Seit Mitte Januar ist es unterwegs, um Holz – vorwiegend bei örtlichen Betrieben – einzusammeln.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Bei Scheibenfeuern habe die verwendete Strohpuppe nichts mit der Hexenverbrennung im Mittelalter zu tun, versichern die Organisatoren. Ihnen kommt es auf etwas anderes an

Ist das Scheibenfeuer heute noch zeitgemäß? Hans Wöhrle, Andreas Thoma und Gerd Müller bejahen dies. Sie gehören dem rund 15-köpfigen Scheibenfeuer-Team an, das das Spektakel am Sonntag, 18. Februar, ab 19.30 Uhr am Ziegelberg an der Ortsverbindung zwischen Langenneufnach und Mickhausen wieder aufleben lässt. „Die Veranstaltung hat eine lange Tradition, zu der sich alle Altersgruppen versammeln“, verdeutlichen sie. Dieses alte Brauchtum stifte neben Geselligkeit auch Identität.

Nein, gruselig sei es nicht, wenn die Strohfigur, die sogenannte Funkenhexe, auf einem Holzgestell in den Nachthimmel ragt, meint Elke Wöhrle. Sie selbst sei bei den Scheibenfeuern von klein auf dabei gewesen und habe es ausnahmslos als tolles Vergnügen empfunden. „Vor allem, wenn die Fackeln den aufgeschichteten Holzstoß in Brand stecken.“

Das Scheibenfeuer macht den Besuchern tatsächlich eine Menge Spaß. Das zeigt die große Resonanz. Bei gutem Wetter versammeln sich jährlich 100 bis 200 Zuschauer auf der Berghöhe rund um den circa fünf Meter hohen Holzhaufen.

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Manche finden den Brauch makaber

Dennoch ist das Spektakel nicht kritikfrei. Vor allem im vergangenen Jahr monierten etliche Leser unserer Zeitung die in der Region abgehaltenen Funken- und Scheibenfeuer. Sie bedauerten, dass hier noch immer „Hexen“ verbrannt würden. Dies sei ein zweifelhaftes Vergnügen, meinten sie und verwiesen auf die grauenvollen Hexenverfolgungen im Mittelalter. Ein so makabrer Brauch sei ihr deshalb unverständlich.

Doch von Hexenverbrennungen distanziert sich das Langenneufnacher Scheibenfeuer-Team mit Nachdruck. „Mit dem Nachstellen dieser grausamen Hinrichtungsweise hat unser Scheibenfeuer überhaupt nichts zu tun“, versichert Andreas Thoma. „Unterstellungen dieser Art weisen wir energisch von uns.“

Aufklärung sei deshalb notwendig, meint Gerd Müller. Er gehört dem Scheibenfeuer-Team seit vier Jahren an. Die Funkenhexe symbolisiere den „bösen“ Winter, erläutert er. „Kälte und Schnee sollen in Flammen aufgehen und die Herrschaft des Winters brechen, damit der ,gute’ Frühling Einzug halten kann.“ Andreas Thoma ergänzt: „Die Strohfigur erfülle wie im Grimm-Märchen von Hänsel und Gretel die Aufgabe des ,Bösen’.“ Davon könne sich jeder Besucher des Scheibenfeuers persönlich überzeugen.

Spektakel mit großem Arbeitsaufwand

Auch diesmal sind die Vorbereitungen für das Scheibenfeuer wieder zeit- und arbeitsintensiv gewesen. Seit Mitte Januar sammelte das Team mit Traktoren und Anhängern bei Betrieben Holzpaletten ein. „Insgesamt rund 1300 Stück“, wie Gerd Müller hochrechnet. Dann ging es daran, einen festen Unterbau aus Baumstämmen zu fertigen. „Zum Aufstapeln des meterhohen Holzhaufens brauchen wir schweres Gerät“, so Andreas Thoma. Ein ausgeklügeltes System verhindere das Umstürzen. „Dahinter steckt viel Muskelkraft und eine spezielle Logistik.“ Und ein Team, das mit dem Aufbau teilweise jahrelange Erfahrung hat, wie Reinhard Dieminger sagt.

Fertig ist der Holzhaufen, wenn die Strohpuppe auf einem Holzgestell befestigt wird. Die Figur stammt, wie in den Jahren davor, von Elke und Sonja Wöhrle. Der Kopf aus Pappmaschee und die Einkleidung inklusive Reisigbesen gehen den beiden Schwestern längst flüssig von der Hand. „Uns macht das Spaß“, sagt Elke Wöhrle. Auch sie stellt klar, dass ihre Strohfigur nichts mit dem grausamen Zeitalter der Hexenverbrennung zu tun habe: „Das Scheibenfeuer symbolisiert die Vertreibung des unliebsamen Winters und nichts anderes.“ So sieht es auch Langenneufnachs Bürgermeister Josef Böck. Nur diese Symbolik stünde im Vordergrund.

Noch mehr Scheibenfeuer in der Region

Neben dem Scheibenfeuer in Langenneufnach gibt es Veranstaltungen dieser Art auch noch in anderen Gemeinden der Region.

Im Großaitinger Ortsteil Reinhartshausen zünden die Weihertaler Kickers ein Funkenfeuer. Es findet am Samstag, 17. Februar, oberhalb des Reinhartshofer Weihers statt. Treffpunkt für Kinder mit ihren Eltern und Laternen ist um 19 Uhr am alten Feuerwehrhaus, Am Wiesenrain 3. Die Veranstalter bitten, Tassen für Glühwein mitzubringen. Für Verpflegung ist gesorgt. Der Erlös des Funkenfeuers fließt in den Vereinsheimbau der Weihertaler Kickers.

Im Waltenhauser

Ortsteil Weiler im Landkreis Günzburg brennen am Samstag, 17. Februar, die Vereine ein Scheibenfeuer ab, um den Winter auszutreiben. Abmarsch des Fackelzuges ist um 19.30 Uhr am Feuerwehrhaus. Dann ziehen die Teilnehmer unter Begleitung der Waltenhauser Musikanten zur „alten Schutte“.

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