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Untermeitingen

31.05.2019

Georg Klaußner: vom politischen Parkett in den Garten

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Georg Klaußner war 36 Jahre lang Bürgermeister von Untermeitingen, 2014 stellte er sich nicht mehr zur Wahl. Am Sonntag feiert er seinen 70. Geburtstag.
Bild: Daniel Weber

Plus 36 Jahre war Georg Klaußner Bürgermeister von Untermeitingen. Am Sonntag wird er 70. An seine Amtszeit denkt er gerne, aber zurück will er sie nicht mehr.

36 Jahre lang hat Georg Klaußner in Untermeitingen den Ton angegeben. Seinerzeit war er der jüngste Bürgermeister im Landkreis. Unter seiner Leitung wurde aus einem landwirtschaftlich geprägten Örtchen eine schnell wachsende Ortschaft mit allem, was die Einwohner im Alltag brauchen. Er erinnert sich gerne an einige der großen Projekte zurück, die nun Untermeitingen ausmachen. „Den Job als Bürgermeister würde ich aber nicht mehr machen wollen, nicht für alles Geld der Welt“, stellt Klaußner klar.

Dabei sei es ihm vor fünf Jahren sehr schwergefallen, den Posten aufzugeben – trotz der rund 70 Arbeitsstunden pro Woche. „Und das war nur die Regel, in der Weihnachtszeit zum Beispiel waren es deutlich mehr“, erinnert sich der Altbürgermeister. Zwar sei er auch jetzt noch als Kreisrat politisch aktiv, allerdings nicht mehr an verantwortlicher Stelle. In einem Jahr wolle er auch diese Aufgabe abgeben und sich endgültig ins Private zurückziehen.

Als Bürgermeister hatte Georg Klaußner kaum Freizeit

Während er sich früher keine Gedanken über Freizeitbeschäftigungen machen musste, weiß Klaußner heute gewisse Dinge zu schätzen: „Früher habe ich im Garten nur den Rasen gemäht, jetzt bin ich leidenschaftlich gerne dort und kümmere mich um alles. Nur das Rasenmähen übernimmt seit Kurzem ein Roboter“, sagt er schmunzelnd.

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Wie er seine Tage sonst verbringt? Das sei am besten beschrieben mit „allweil so umananderbohren“, scherzt Klaußner. So jedenfalls formulierten es die Rentner, die er einmal wöchentlich beim Rentnerstammtisch treffe. Er lese viel Zeitungen und Magazine und informiere sich im Internet.

Gleich nach seinem Abtritt als Bürgermeister hätten einige Vereine versucht, ihn für ihre Zwecke einzuspannen. „Ich wollte mich aber nicht mehr in das Tagesgeschäft der Kommunalpolitik einmischen und habe abgelehnt.“ Das hat offenbar gut funktioniert: Nur sehr selten gebe es Nachfragen zu Themen, die er vor vielen Jahren auf dem Schreibtisch hatte. Das liege auch daran, dass der heutige Bürgermeister Simon Schropp zu Klaußners Zeiten dessen Mitarbeiter war und so bestens über die Dinge informiert sei.

Fast wäre die B17 mitten durch das Lechfeld gebaut worden

Auf einige seiner politischen Errungenschaften ist der Altbürgermeister besonders stolz. So wäre die B17 beinahe mitten durch das Lechfeld gebaut worden. Die Planfeststellung war schon abgeschlossen, dennoch lief es schließlich auf den heutigen Verlauf durch Lagerlechfeld hinaus. Auch die Nordumfahrung setzte er durch – gegen den Willen so mancher Landwirte und Naturschützer. „Der Verkehr wäre sonst direkt durch Untermeitingen geflossen“, rechtfertigt Klaußner die Entscheidung. Auch der Abriss des alten Rathauses habe ihm einige Kritik eingebracht, doch so sei unter anderem der Rathausplatz entstanden, auf dem nun Feste und Veranstaltungen stattfinden.

Die Entwicklung von Untermeitingen zu einer modernen Wohngemeinde mit Geschäften, Mittelschule, Betreuungseinrichtungen für Jung und Alt und einer ärztlichen Versorgung hat Klaußner nicht nur miterlebt, sondern auch mitgestaltet. Zur Umwandlung der eigenständigen Gemeinde in eine Verwaltungsgemeinschaft trug er ebenfalls seinen Teil bei.

Gerne denkt der ehemalige Bürgermeister auch an viele amüsante Ereignisse zurück: Bei einer Bürgerversammlung zum Neubau der heutigen Mittelschule habe zum Beispiel ein Anwesender eine klare Aussage zu den künftigen Nebenkosten eingefordert mit den Worten „Bürgermeister, lassen Sie die Hosen runter!“ Der Aufforderung sei er zwar nicht nachgekommen, habe aber wenig schüchtern verbal Paroli geboten.

Das Bürgermeisteramt zog das Familienleben in Mitleidenschaft

Doch das Amt hatte auch seinen Preis: Es war der Grund, warum seine erste Ehe in die Brüche ging, sagt Klaußner. Trotz allem blieb die Familie ohne Streit in Kontakt und er habe noch heute ein gutes Verhältnis zu seinen drei Töchtern. Seinen morgigen 70. Geburtstag feiert er deshalb mit einem großen Familienfest. Ganz kommt er seinem früheren Beruf aber nicht aus: Am Montag richtet die Gemeinde eine weitere Feier mit früheren Kollegen und Vereinsvertretern aus.

Als Bürgermeister habe er immer auch Gegner gehabt, erzählt Klaußner. Doch nun habe er mit allen Seiten Frieden geschlossen. Und so manche Freundschaft habe sein politisches Wirken überdauert: Noch heute treffe er sich gerne mit Kollegen von damals. Mit manchen verbindet ihn eine lange Zusammenarbeit: Franz Meitinger und Clemens Weihmayer, die Altbürgermeister von Mittelneufnach und Obermeitingen, traten gleichzeitig mit ihm ihr Amt an und waren ebenfalls 36 Jahre im Dienst.

„Ursprünglich wollte ich nie in die Politik gehen“, gesteht Klaußner. Umso dankbarer sei er dem damaligen Ortsvorsitzenden der CSU Max Reiter, der ihn entdeckt und für die politische Karriere begeistert habe. So wurde der heutige Altbürgermeister damals der jüngste Bürgermeister im Landkreis Augsburg.

Am Sonntag wird nicht nur Georg Klaußner 70 Jahre alt, sondern auch Kleinaitingens Altbürgermeister Franz Schäfer. Lesen Sie hier den Artikel. Diesmal flüchtet Franz Schäfer nicht am Geburtstag

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