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Königsbrunn

19.10.2020

Große Ehre für zwei unermüdliche Amateurarchäologen

Auszeichnung für zwei Heimatforscher: Wissenschaftsminister Bernd Sibler links, Generalkonservator Mathias Pfeil hinten links und Bürgermeister Franz Feigl freuen sich mit Siglinde Matysik und William Geddes Farquhar.
Bild: Adrian Bauer

Plus Siglinde Matysik und William Geddes Farquhar haben den "Nobelpreis der bayerischen Denkmalpflege" erhalten. Welche Schätze sie schon entdeckten.

Viel sagen wollte Siglinde Matysik nicht zu ihrem großen Tag: "Es geht nur, wenn die Familie mitmacht", sagte die frisch ausgezeichnete Trägerin der bayerischen Denkmalschutzmedaille bei der Übergabezeremonie im Königsbrunner Rathaus. Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler hatte den Preis zuvor als den " Nobelpreis der bayerischen Denkmalpflege" bezeichnet. Die Königsbrunnerin Matysik und der ebenfalls geehrte William Geddes Farquhar aus Westendorf gehören beide dem Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte des Landkreises Augsburg an und haben dem Archäologischen Museum in Königsbrunn einige Ausstellungsstücke beschert.

Siglinde Matysik bildet gemeinsam mit Rainer Linke die treibende Kraft hinter dem Museum im Keller des Königsbrunner Rathauses. Mehr als über die Aussicht auf eine Ansprache, freute sie sich, dass sich der Wissenschaftsminister trotz Termindrucks wenigstens kurz Zeit für einen Blick in die Ausstellung nahm. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Matysik bei Grabungen mit, konzipiert Ausstellungen, fertigt Zeichnungen wie die Präsentation des Mithräums und setzt mit viel Fingerspitzengefühl Funde, wie einen zerbrochenen Getränkebecher aus der Jungsteinzeit, wieder zusammen.

Auf der Suche nach Schätzen im Landkreis Augsburg unterwegs

Der gebürtige Schotte William Geddes Farquhar erschien mit seiner Familie im traditionellen Gewand. Für die historische Erforschung seiner neuen Heimat Schwaben hat er viel getan. Von seinem Wohnort Westendorf aus ging er im Auftrag des Heimatvereins des Landkreises systematisch die Fluren ab und förderte dabei eine Menge Dokumente früheren Lebens zutage, wie tausende Jahre alte Pfeilspitzen, Sicheln, Münzen und Schmuck. Zudem war er über die Jahre bei mehr als 30 Grabungen dabei.

Minister Sibler unterstrich die Wichtigkeit der Arbeit der ehrenamtlichen Archäologen: Die Arbeit des Denkmalschutzes sei Bauherren mitunter nur schwer zu vermitteln, wenn eine Baustelle zum Erliegen komme, weil im Erdreich plötzlich eine alte Mauer zum Vorschein komme. "Hier brauchen wir Menschen vor Ort, die diese Themen vertreten und die Geschichte dokumentieren", sagte Sibler. Er lobte die Leidenschaft der Preisträger für ihre Arbeit und die Bereitschaft der Stadt, ein Museum zu betreiben und damit Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen. Das sei wahrlich nicht selbstverständlich.

Königsbrunner Museum liefert Stoff für wissenschaftliche Entdeckungen

Bürgermeister Franz Feigl hob das Archäologische Museum als echtes Kleinod hervor, das bereits einen großen Beitrag zur Dokumentation der Heimatgeschichte sei und immer wieder Stoff für neue Entdeckungen liefere. Vor Kurzem hatte ein Forscherteam aus München anhand der Königsbrunner Funde herausgefunden, dass schon in der Bronzezeit Frauen über Hunderte Kilometer reisten, um sich an anderer Stelle niederzulassen. "Solche Erkenntnisse gelingen nur durch fleißige Hände, die die Kleinstarbeit verrichten", sagte Feigl. Zudem hätten die Ehrenamtler der Stadt mit ihrer Arbeit einige Hunderttausend Euro gespart.

Bei der Verleihung: (von links) Dominikus Schnitzer, Claudia Ried, Siglinde Matysik, Marina Biehler, William Farquhar sowie Martin Sailer.
Bild: Julia Pietsch

Ohne die ehrenamtlichen Denkmalpfleger vor Ort wäre es schwer, die Bedeutung der Bodendenkmäler vor Ort zu vermitteln, sagte auch Professor Mathias Pfeil, der Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Der Betrieb von Museen sei keine Pflichtaufgabe. Indem man den Menschen Zugang zur eigenen Geschichte verschaffe, pflege man die Gemeinschaft.

Corona verhindert große Übergabezeremonie in München

Die Übergabe der Medaille findet normalerweise mit einer großen Feierstunde in München statt. Aufgrund der Corona-Regeln hat der Freistaat diesmal auf die gemeinsame Zeremonie für alle 26 der diesjährigen Preisträger verzichtet. Der Minister und der Generalkonservator vergeben die Auszeichnung stattdessen bei kleinen Zeremonien, wie nun in Königsbrunn: "Ein bisschen Gutes findet man auch darin", sagte der Minister: "Bei der großen Veranstaltung merkt man, wie nach einigen Laudationen und Übergaben die Aufmerksamkeit im Saal nachlässt." So bekämen die Verdienste der einzelnen Preisträger die volle Aufmerksamkeit.

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