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Konzert

14.11.2019

Große Opernstimme in heimeliger Atmosphäre

Assaf Kacholi und Pianist Shay Cohen präsentierten in der Kleinkunstbühne gefühlvolle Musik auf höchstem Niveau. Foto: Regina Elias

Startenor Assaf Kacholi wartet in der Kleinkunstbühne Königsbrunn mit berührender Musik und sprachlicher Vielseitigkeit auf. Warum der kurzfristige Wechsel des Ortes sich als Glücksfall herausstellt

Nicht sofort mag der Musikliebhaber den Sänger Assaf Kacholi mit der einst sehr populären Opernsänger-Formation Adoro in Verbindung bringen, die von 2008 bis zu ihrer Trennung im Jahr 2017 mehr als zehn Alben veröffentlichte. Seit einiger Zeit ist der Künstler nun als Solist unterwegs und präsentierte in der Kleinkunstbühne Königsbrunn einen bunten Querschnitt aus seinem Repertoire, hauptsächlich Lieder aus seinem zweiten Album „Amore“.

Wie der Titel schon verspricht, sorgte der lyrische Tenor mit seiner warmen und wandelfähigen Stimme für einen harmonischen Abend. Auf dem E-Piano begleitet wurde der internationale Star, der zwischen seinem derzeitigen Wohnort Tel Aviv und seiner zweiten Wirkungsstätte Berlin pendelt, von einem nicht weniger renommierten Künstler, dem israelischen Pianisten und Dirigenten Shay Cohen, der seit 2016 als Musikalischer Direktor im Berliner Theater des Westens tätig ist.

Verstärkt wurde diese Wohlfühlatmosphäre durch die kuschelige Stimmung im Saal der Kleinkunstbühne, der mit einem 100-köpfigen Publikum allerdings an die Grenzen seiner Kapazität stieß. Obwohl einige Besucher anfangs etwas irritiert und wohl auch enttäuscht darüber waren, dass das Konzert kurzfristig von der Kirche St. Johannes in den Königsbrunner Süden verlegt wurde, stellte sich dies bald als die passendere Location heraus. Denn bereits nach dem ersten Lied, „Se tu fossi“ von Ennio Morricone aus dem Film „Cinema Paradiso“, wusste man, dass dieser Abend ein ganz besonderer werden würde, hat man doch nur äußerst selten die Gelegenheit, einen Weltstar zum Greifen nah zu erleben.

Sofort wurde man von Kacholis ausdrucksstarker Stimme eingenommen, die einen vom ersten Moment an berührte. Neben bekannten Stücken wie „The Music of the Night“ aus seinem Lieblingsmusical „Phantom der Oper“ oder „I Dreamed a Dream“ aus „Les Misérables“ präsentierte der vielseitige Sänger auch Traditionelles, wie beispielsweise das bekannte „Bella Ciao“, die Hymne der italienischen Partisanen. Gänsehautmomente gab es bei dem Stück „Ai Giochi Addio“ von Nino Rota aus „Romeo und Julia“, mit dem die Zuhörer nach Verona entführt wurden. Eine Hommage an den kürzlich verstorbenen tschechischen Sänger Karel Gott bot Kacholi mit „Weißt du wohin“, dem bekannten Titel aus Doktor Schiwago, dar.

Dafür, dass er überwiegend traurige Lieder präsentierte, hatte der Sänger eine Erklärung parat: „Das ist meine Tenorseele.“ Doch egal, ob melancholisch oder fröhlich, ob klassische Stücke, Filmmusik oder Musicals, der Künstler überzeugte nicht nur mit seinem vielseitigen Repertoire und seiner einzigartigen Stimme, sondern auch mit seinen beeindruckenden Fremdsprachenkenntnissen. Obwohl an diesem Abend die meisten Stücke auf Italienisch, der Sprache der Oper, dargeboten wurden, konnte der Künstler auch auf Deutsch, Englisch und sogar auf Französisch glänzen, obwohl er, wie er verriet, letzterer Sprache nicht mächtig ist, sondern mit einer Sprachlehrerin die Aussprache trainiert hatte. Besonders emotional kam Kacholis vorletztes Stück an, das er in seiner Muttersprache Hebräisch sang und in dem es – natürlich – um die Liebe ging. Auch wenn man den Text nicht verstanden hatte, konnte man ihn doch verstehen – so berührend wurde er von dem Sänger vorgetragen.

Nach drei Zugaben war es schließlich an der Zeit, um Auf Wiedersehen zu sagen und mit dem dafür passenden Stück „Con Te Partirò“, bekannt in der englischen Fassung als „Time to Say Goodbye“ von Sarah Brightman, verabschiedete sich der Künstler unter großem Applaus von der Bühne. An dieser Stelle zahlte sich jedoch aus, dass das Konzert in dieser locker-intimen Atmosphäre stattfand. Denn anders als in anderen Locations, wo man kaum die Chance hat, mit Künstlern zu sprechen, standen sowohl der Sänger als auch der Pianist anschließend für ein paar private Worte zur Verfügung.

Bei dieser Gelegenheit betonte Kacholi erneut, was für ein tolles Gefühl es sei, in so einem Raum zu singen. Licht, Akustik – alles habe für ihn wunderbar gepasst. Dies freute natürlich nicht zuletzt den Dritten Vorsitzenden der Kleinkunstbühne, Wolfgang Sarnowski, dem es aufgrund seiner Vernetzung mit Kacholis Agentur in Berlin gelang, diese internationale Größe nach Königsbrunn zu holen. Auch Kulturreferent Christian Toth zeigte sich hocherfreut über den Kunstgenuss, besäße er doch von der ehemaligen Musikgruppe Adoro alle CDs. Umso erfreulicher dürfte daher Kacholis Aussage für alle Fans von Adoro sein, dass die Chancen gut stünden, dass die Gruppe nach ihrer derzeitigen kreativen Pause ein Comeback plant.

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