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Kleinaitingen

04.11.2019

Haupt- oder ehrenamtlicher Bürgermeister? So geht es weiter

Rupert Fiehl ist seit 2014 Bürgermeister der Gemeinde Kleinaitingen. Bislang hat er sich mit einer öffentlichen Aussage zurückgehalten, ob er 2020 noch einmal kandidieren wird. Nun gibt es eine Tendenz.
Bild: Michael Lindner

Über die Position des Bürgermeisters musste der Gemeinderat Kleinaitingen in einer Sitzung nun entscheiden. So reagiert Rupert Fiehl auf das eindeutige Ergebnis.

Rupert Fiehl lässt sich äußerlich nichts anmerken, wie es in seinem Inneren aussieht lässt sich nur vermuten. Glücklich ist er in diesem Moment jedenfalls nicht. Der Kleinaitinger Gemeinderat hat mit eindeutiger Mehrheit eine Entscheidung getroffen: Elf Mitglieder sprechen sich dafür aus, dass Kleinaitingen auch nach der Wahl 2020 von einem ehrenamtlichen Bürgermeister geführt wird. Nur der nach der bevorstehende Kommunalwahl aus dem Gremium scheidende Herbert Schmid sowie Bürgermeister Rupert Fiehl stimmen für einen hauptamtlichen Bürgermeister.

Mit diesem Resultat habe er aufgrund der vorangegangenen Diskussionen in drei nicht-öffentlichen Sitzungen gerechnet, allerdings nicht in dieser Deutlichkeit, gibt Fiehl im Gespräch mit unserer Zeitung zu. „Das Ergebnis ist ein bisschen enttäuschend. Aber ich finde es nur fair, wenn die Öffentlichkeit erfährt, dass und warum sich der Gemeinderat darüber Gedanken gemacht hat“, sagte Fiehl. Er sprach vor der Abstimmung über die Gründe für seinen Beschlussvorschlag eines hauptamtlichen Bürgermeisters. Demnach steige das Aufgabengebiet immer stärker an – und zwar unabhängig von der Einwohnerzahl einer Kommune. „Es ist viel Zeit und Energie erforderlich, um alle Aufgaben gewissenhaft und ordentlich abhandeln zu können“, sagte Fiehl. Neben persönlichen Gründen fließe auch das Thema soziale Absicherung in seine Überlegungen bezüglich des Bürgermeisteramts mit ein. Die Entscheidung über einen ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Bürgermeister soll losgelöst von seiner Person getroffen werden, hob Fiehl mehrfach in der Gemeinderatssitzung hervor.

Kleinaitinger Gemeinderat fürchtet finanzielle Kosten

Mehrere Gemeinderäte ergriffen vor der Abstimmung das Wort, um ihre Haltung zu diesem Thema darzulegen. Thomas Heider sprach von einem „erheblichen Batzen“ Geld, der für solch eine kleine Gemeinde wie Kleinaitingen mit etwas mehr als 1300 Einwohnern durch einen hauptamtlichen Bürgermeister aufgrund der Rücklagen für die Pension aufzubringen wäre. Dritte Bürgermeisterin Marga Dorfmiller-Kapetanopulos befürchtete, dass sich die Kosten etwa verdoppeln würden: „Wir haben aber die Verpflichtung, sorgsam mit dem Geld umzugehen.“

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Zweiter Bürgermeister Artur Dachs blickte ebenfalls auf den finanziellen Aspekt. Er sei wenig erfreut, dass die Besoldungsstufe für einen hauptamtlichen Bürgermeister strikt vorgegeben sei. Besser wäre es seiner Meinung nach, wenn mehr Flexibilität herrsche und gerade kleinere Gemeinden einen Handlungsspielraum hätten – so wie bei einem ehrenamtlichen Bürgermeister auch. Das Ehrenamt habe seiner Überzeugung nach einen gewissen Charme, da man beispielsweise keine Urlaubsanträge stellen muss, es keine zeitlichen Vorgaben gebe und man ohne Nachfrage berufliche Tätigkeiten ausüben könne.

Herbert Schmid: Leistung des Bürgermeisters muss im Vordergrund stehen

Gemeinderat Herbert Schmid sah die finanziellen Überlegungen „nicht so dramatisch“. Vielmehr legte er sein Augenmerk auf die Leistung des Bürgermeisters: „Er hat einen guten Job gemacht und wir hatten bisher mehr oder weniger einen hauptamtlichen Bürgermeister.“ Doch dies ist seit zwei Monaten vorbei. Fiehl, der sich seit seiner Wahl voll auf das Bürgermeisteramt konzentrierte, nahm im September eine Vollzeitstelle beim Logistikunternehmen Kühne und Nagel an.

Den Spagat zwischen Berufstätigkeit und Ehrenamt versuche er nun zu bewältigen, sagte der Bürgermeister im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das klappt, aber nicht reibungslos. Der zeitliche Rahmen ist nun deutlich enger“, spricht Fiehl offen über die zu bewältigende Herausforderung. Zugute komme ihm der Schichtbetrieb seines Arbeitgebers – dadurch könne er im wöchentlichen Wechsel Termine am Vormittag und Nachmittag wahrnehmen.

Rupert Fiehl äußert sich zu Gerüchten über Bürgermeisterkandidatur

Nachdem die Entscheidung für einen ehrenamtlichen Bürgermeister gefallen ist, stellt sich die Frage nach den Auswirkungen für Kleinaitingen und wer sich als Bürgermeisterkandidat aufstellen lässt. Fiehl, der sich in den vergangenen Monaten öffentlich sehr zurückhaltend über eine erneute Kandidatur geäußert hat, sagt nun: „Die Gerüchte, dass ich aufhöre, würde ich nicht unterschreiben. Ich habe den Spaß am Ehrenamt nicht verloren und bin weiterhin voll motiviert.“ Er kann sich generell eine zweite Amtszeit als Bürgermeister von Kleinaitingen vorstellen, aber es muss für ihn passen. Derzeit laufen Gespräche im Hintergrund, um sich an die neue (berufliche) Situation anzupassen. Auf das Gerücht über eine Kandidatur als Bürgermeister angesprochen, winkt Artur Dachs lachend ab: „Daran ist überhaupt nichts dran“, sagt er. Spätestens nach den Nominierungsveranstaltungen wird klar sein, wer als Bürgermeister und für den Gemeinderat alles (erneut) kandidiert.

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