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Königsbrunn

16.01.2020

Hier treffen Menschen auf Fledermäuse

Fledermäuse wie dieses Exemplar der Gattung Mausohr sind allgegenwärtig, die meisten Menschen bemerken sie nur nicht. In der Fledermausstation auf Gut Morhard können verletzte Fledermäuse in Ruhe wieder zu Kräften kommen – und Besucher erfahren viel über die nachtaktiven Tiere.
Bild: Katrin Habenicht

Plus Die Fledermausstation auf Gut Morhard in Königsbrunn kommt bei verletzten Tieren gut an. Für Menschen gibt es dort viele spannende Geheimnisse zu entdecken.

Elf Fledermäuse wohnen derzeit in der Fledermausstation auf dem Königsbrunner Bildungs- und Begegnungszentrum Gut Morhard. Dort kurieren sie verletzte Flughäute, gebrochene Fingerknochen und abgeschabte Daumenkrallen aus – Verletzungen, die ihnen in der freien Wildbahn das Leben kosten könnten, sagt Claudia Weißschädel, Vorsitzende des Vereins Fledermausschutz Augsburg.

Die Station gibt es erst seit gut einem halben Jahr. Sie macht die Betreuung verletzter Fledermäuse einfacher: Die Fledermausschützer müssen ihre Patienten nun nicht mehr teils monatelang in der eigenen Wohnung versorgen. Außerdem müssen sie nicht mehr nachts beobachten, ob ein Tier wieder problemlos fliegen und landen kann somit fit genug für die Entlassung ist – das übernehmen nun mehrere Kameras.

2019 landeten 90 Fledermäuse beim Fledermausschutz Augsburg

90 Fledermäuse wurden 2019 beim Fledermausschutz abgegeben, der sich um Stadt und Landkreis Augsburg kümmert. Sobald eines der geschützten Tiere keine Medikamente mehr brauche, parasitenfrei sei und selbst fressen könne, werde es in die Station auf Gut Morhard gebracht, sagt Sabina Gassner, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Augsburg. Ihr Verein stellt die Tierpflegerinnen, die sich dort um die Fledermäuse kümmern.

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Nicht alle Tiere, die Privatpersonen beim Fledermausschutz abgeben, brauchen tatsächlich Hilfe, erklärt Weißschädel: „Vor allem im Sommer bekommen wir viele Anrufe wegen Gebäudeeinflügen.“ Tiere flögen durch ein gekipptes Fenster ins Haus und fänden dann nicht mehr hinaus. „Die Bewohner sollten die Tiere nicht fangen und zu uns bringen, sondern einfach das Fenster öffnen, das Licht ausschalten und den Raum für eine Viertelstunde verlassen. Dann ist die Fledermaus in der Regel wieder verschwunden“, rät Weißschädel. Im Winter hingegen komme es vor, dass das Tier schon viel Energie verbraucht habe. Dann sei es besser, den Fledermausschutz zu kontaktieren, der es anfüttere und dann wieder in die Freiheit entlasse. Die größte Gefahr für Fledermäuse seien jedoch nicht Gebäude, sondern Hauskatzen, berichtet Weißschädel. Auch das Zerstören der Quartiere durch Menschen, zum Beispiel das Fällen von Bäumen, sei ein Problem für die Tiere. Und wenn Ortsmarken wie Bäume plötzlich verschwinden, verlören Fledermäuse ihre Orientierung.

Die Fleidermausstation auf Gut Morhard sollte anfangs nur der Bildung dienen

Das alles und viele interessante Details lernen die Besucher der Fledermausstation. Das Projekt auf Gut Morhard war nämlich ursprünglich als reine Bildungsmaßnahme geplant, sagt Weißschädel – für diesen Zweck habe der Bezirk Schwaben 7000 Euro zur Verfügung gestellt. Der Tierschutzverein Augsburg, der auch Träger von Gut Morhard ist, der Verein Fledermausschutz Augsburg und das Naturmuseum Königsbrunn seien sich aber schnell einig gewesen, dass das Projekt den Fledermäusen direkt helfen solle.

Das Ergebnis steht seit einem halben Jahr: Ein Häuschen, in dessen einer Hälfte verletzte Fledermäuse einquartiert sind – Zutritt für Besucher streng verboten. In der anderen Hälfte sind Gäste jeden Alters ausdrücklich willkommen und werden von Infotafeln, Bildschirmen und interaktiven Lernspielen erwartet. Der Raum ist hübsch gestaltet: Drei dekorierte Wände erwecken den Eindruck, in einem Waldstück zu sein, die Trennwand zu den Fledermäusen ist einer Hauswand mit Dach und gestapeltem Holz nachempfunden – alles übliche Quartiere für Fledermäuse.

Kinder können sich auf die Suche nach den Tierchen begeben, die sich in Plüschform an vielen Stellen verstecken. Es gibt auch kleine Fenster, durch die Besucher die echten Fledermäuse nebenan beobachten können.

Der Leiter des Naturmuseums Königsbrunn lobt die Fledermausstation

„Die Fledermausstation ist eine reine Erfolgsgeschichte in jeder Hinsicht“, zieht Günther Groß Bilanz. Er ist Vorsitzender des Naturmuseums Königsbrunn, Initiator der Station und setzt sich dafür ein, dass die Menschen mehr über Tiere erfahren. „Viele fragen zum Beispiel, warum man Fledermäuse schützen muss, sie fräßen ja nur Insekten und brächten nichts“, sagt Groß. Wer so denke, habe offensichtlich nicht verstanden, wie in der Natur alles zusammenhänge und jedes Glied in der Nahrungskette eine wichtige Funktion habe.

Wer die Fledermausstation selbst in Augenschein nehmen will, muss sich derzeit etwas gedulden: Gut Morhard hat noch bis Ende Januar Winterruhe. Wer aber bei sich zu Hause ein Fledermausquartier entdeckt, solle sich in jedem Fall beim Fledermausschutz melden, empfiehlt Weißschädel. Der könne nicht nur helfen, falls die Tiere stören, sondern auch Zählungen vornehmen.

Fledermaus gefunden? Die Telefonnummer des richtigen Ansprechpartners für Ihren Wohnort finden Sie im Internet unter www.fledermausschutz-augsburg.de

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