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Mälzerei

27.02.2019

Hier wird nach dem Reinheitsgebot gearbeitet

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Heute Malteurop, früher Mälzerei Gebler. – seit 25 jahren wird in Langerringen Malz erzeugt.

Plus Die einstige Malzfabrik Gebler in Langerringen ging Schritt für Schritt an den Weltmarkführer Malteurop über. Warum nicht mehr Verkehr auf die Schiene verlegt wird.

Wer Westerringen Richtung Lamerdingen verlässt, der sieht rechts unten eine riesige Firma mit einem gigantischen rauchenden Turm stehen. Was ist das? Na klar, sagen die Einheimischen, die Malzfabrik Gebler. Doch das stimmt schon lange nicht mehr. Denn diese Firma erlebte das 25-jährige Bestehen nicht, lebt aber trotzdem weiter.

1993 eröffnete Ernst Gebler stolz seine neue Mälzerei. Doch seine Selbstständigkeit währte nicht mehr lange. Schleichend ging die Firma immer mehr an Malteurop über. Heute ist der Weltmarktführer bei Malzproduktion der alleinige Besitzer. Das Besondere daran: Der Konzern, 50 Jahre alt, eine Genossenschaft und hundertprozentige Tochter von Vivescia, gehört zum Großteil französischen Landwirten. In der deutschen Hauptverwaltung in Langerringen arbeiten rund 30 Personen, an ihrer Spitze Andreas Rest. Er ist gelernter Brauer und Mälzer mit Meisterbrief, studierter Brauwesen- und Getränkewesen-Spezialist. Rest ist stolz auf seine Firma, denn „unsere Mälzerei ist eine der schönsten auf der Welt, weil sie so schön in die Natur eingebettet ist“, sagt er und erklärt, was auf dem fünf Hektar großen Gelände geschieht: „Die Kapazität pro Jahr beträgt rund 100000 Tonnen fertiges Malz. Damit beliefern wir im südbayrischen Raum, der Schweiz, in Österreich und Italien bis hinunter nach Mailand nahezu alle Brauereien.“ Dafür liefern rund 4800 Lastwagen pro Jahr Gerste und Weizen an und das fertige Malz bringen über 4000 Lastwagen wieder weg. Hinzu kommen ungefähr 6000 Tonnen Futtermittelverkauf. Gigantische Zahlen. Und von alledem bekommt die Bevölkerung wenig mit.

Millionensummen investiert

Stolz ist Rest auch darauf, dass die Mälzerei ohne Nachbar-Industrieanlagen mitten auf der grünen Wiese gebaut wurde: Gearbeitet wird nach dem Reinheitsgebot von 1516. Außerdem gab es dort in den vergangenen 450 Tagen keinen Unfall. „Bei uns herrschen strenges Alkoholverbot und extreme Sicherheitsstandards für alle Mitarbeiter, Zulieferer und Besucher.“ Damit das alles so bleibt, werden ständig Millionensummen investiert, beispielsweise in eine neue Kälteanlage. Es wurde ein zweiter Ammoniak-freier Kältemittelkreislauf geschaffen. Liebend gern würde Rest auch noch mehr Verkehr auf die Schiene verlegen, denn die Firma hat einen eigenen Gleisanschluss, sogar eine eigene Lokomotive, doch der Zuganschluss bei den Brauereien und Lieferanten fehlt.

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25 Prozent der gesamten bayrischen Braugerstenproduktion der Landwirte landet in Langerringen. Sie wird an 365 Tagen im Jahr im 24 Stunden-Dreischichtbetrieb während eines hoch komplizierten Prozesses zu Malz verarbeitet. „Da die Böden und die Bearbeitung auf jedem Feld anders sind, und dadurch Malz ein inhomogenes Gersten- oder Weizen-Naturprodukt ist, benötigen wir sehr viel Fachwissen und Feingefühl, um den Brauereien das ganze Jahr eine gleichbleibende Qualität zu liefern, damit sie einen wenigstens annähernd einheitlichen Biergeschmack innerhalb ihres Sortenangebots liefern können“, erklärt Rest und betont weiter: „Wasser, Hefe und vor allem Malz bestimmen neben Hopfen den Biergeschmack.“

Weil er weiß, dass bei Malteurop ein gutes Produkt sehr stark von der Qualität seiner Mitarbeiter abhängt, achtet er auf eine hervorragende Aus- und Weiterbildung im eigenen Betrieb und vor allem auf ein gutes Betriebsklima. „Wir veranstalten Betriebsausflüge, Weihnachtsfeiern, Fahrsicherheitstrainings, Grillfeste, Sicherheitstage, gehen zum Familientag am Michaeli-Markt und vieles mehr.“

Fachkräfte fehlen

Trotzdem herrscht bei ihm Fachkräftemangel: „Wir suchen Brauer und Mälzer, Lebensmittelspezialisten, Schlosser und Metallverarbeiter – obwohl bei uns beste Arbeitsbedingungen herrschen.“ Stolz ist Rest aber darauf, dass das Gros seiner Mitarbeiter ihm für viele Jahre erhalten bleibt. „Manche sind sogar von Anfang an dabei. Das ist toll“, freut sich der Chef.

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