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Kreis Augsburg

04.12.2020

Hilferuf des Landrats: Wer ältere Menschen pflegen kann, soll sich melden

Im Pflegeheim Haus St. Raphael in Schwabmünchen gibt es einen massiven Corona-Ausbruch.
Bild: Reinhold Radloff

Im Pflegeheim Haus St. Raphael in Schwabmünchen sind mehr als zwei Drittel der Bewohner mit Corona infiziert. Die Einrichtung steuert auf einen Personalnotstand zu.

Nach dem massiven Corona-Ausbruch im Schwabmünchner Pflegeheim „Haus Raphael“ gibt es jetzt einen Hilferuf vom Landrat, weil die Personalsituation in der Einrichtung immer schwieriger wird.

Wegen zahlreicher quarantäne- und erkrankungsbedingter Ausfälle bei den Mitarbeitern sei eine Unterversorgung der Bewohner zu befürchten. „Unsere Heimaufsicht befindet sich im engen Austausch mit der Einrichtungsleitung. Es ist bereits ein Hilfeersuchen über die Pflegekassen in die Wege geleitet worden, gleichzeitig haben wir uns mit Bitte um Unterstützung an das zuständige Staatsministerium gewandt“, erklärt Landrat Martin Sailer.

Einrichtungsleiter Andreas Claus beschreibt die Situation im Haus St. Raphael als "dramatisch". Er ist dankbar für jede Hilfe, die das Heim und seine Mitarbeiter erfahren. Alle würden am Anschlag arbeiten. Vor allem die psychische Belastung sei sehr hoch. Trotz der Ausnahmezustands wollten alle Pflegekräfte die Bewohner weiter würdevoll versorgen. Vor Ort gebe es bereits eine psychologische und seelsorgerische Hilfe.

Gesunde Bewohner sollen aus dem Pflegeheim

Zuletzt waren über 20 Bewohner und über 16 Mitarbeiter - davon 13 Pflegekräfte - infiziert und hatten typische Symptome. Zwei Bewohner sind in dieser Woche gestorben. Beide hatten Vorerkrankungen und waren schwer pflegebedürftig. Jetzt wird versucht, die negativ getesteten Bewohner des Hauses St. Raphael vorübergehend anderweitig unterzubringen. Für zehn Bewohner wurde bereits eine neue Bleibe gefunden, etwa in Einrichtungen der Caritas oder der Arbeiterwohlfahrt.

Pflegekräfte können auch nur stundenweise helfen

Landrat Sailer bittet Pflegekräfte um Hilfe: „Alle Personen, die in irgendeiner Form über Erfahrung im Bereich der Pflege verfügen und kurzfristig zur Verfügung stehen, werden gebeten, dem Haus Raphael in dieser schwierigen Phase zu helfen“, appelliert der Landrat.

Explizit gesucht werden Pflegefach- beziehungsweise Pflegehilfskräfte, gerne auch ehemalige Zivildienstleistende aus dem Pflegebereich oder Absolventen eines freiwilligen sozialen Jahres, die bis Weihnachten – im Zweifel auch nur stundenweise – aushelfen können. Ansprechpartner für alle Helferinnen und Helfer ist Einrichtungsleiter Andreas Claus, erreichbar per E-Mail an info@caritas-schwabmuenchen.de oder der Rufnummer 0163/3396400. Er hat am Freitag bereits erste Rückmeldungen bekommen

Auch andere Pflegeeinrichtungen sind betroffen

Gleichzeitig sehen sich neben dem Haus St. Raphael auch andere Pflegeeinrichtungen im Landkreis mit schwierigen pandemiebedingten Ausnahmezuständen konfrontiert. Die Heimaufsicht bittet daher alle hilfsbereiten Bürger mit Pflegeerfahrung, die beispielsweise aus Gründen der Anreise nicht in Schwabmünchen aushelfen können, sich zu melden. Ansprechpartnerin im Landratsamt ist die Leiterin des Fachbereichs Senioren, Regina Mayer, erreichbar per Mail an fqa@LRA-a.bayern.de und unter der Rufnummer 0821/3102-2484.

Ziel des Aufrufs ist es auch, einen „Pool“ an Freiwilligen im Landkreis zu generieren, aus dem die Heimaufsicht im akuten Bedarfsfall Kräfte an Einrichtungen vermitteln könnte. "Das ist absolut wichtig", sagt Andreas Claus vom Haus St. Raphael in Schwabmünchen. "Man muss damit rechnen, dass noch mehr Häuser in die gleiche Situation wie wir kommen."

Die Personalsituation im gesamten Landkreis mit 25 Altenpflegeeinrichtungen und rund 1900 Bewohnern beschreibt Regina Mayer im Vergleich zur Situation in Schwabmünchen in Schwabmünchen als besser. "Aber es kann auch in anderen Heimen schnell passieren, dass durch Infektion Teile der Mitarbeiter ausfallen", sagt Mayer.

So ist die Situation in Neusäß

Nach Information des Landratsamtes gibt es in acht Pflegeeinrichtungen weitere infizierte Senioren. Teilweise sei auch das Pflegepersonal betroffen. In weiteren zwei Einrichtungen gebe es positiv getestete Mitarbeiter. Im Pflegeheim am Lohwald in Neusäß habe sich die Situation deutlich entspannt. Es seien nur noch einzelne Bewohner positiv. Es gebe kein großes Ausbruchsgeschehen mehr. Ende Oktober waren im Pflegeheim am Lohwald in Neusäß, das von dem Diakonischen Werk Augsburg (DWA) betrieben wird, erstmals Corona-Fälle bemerkt worden. Drei Senioren mussten sogar ins Krankenhaus. Insgesamt wurden seit Ausbruch des Coronavirus im Haus zehn Mitarbeiter positiv getestet. Das Team am Lohwald hat Unterstützung von Angestellten aus anderen Seniorenheimen der Diakonie im Raum Augsburg bekommen.

Einen Ausbruch gibt es aktuell jedoch im Caritas-Seniorenzentrum Notburga im Neusässer Stadtteil Westheim. Hier wurden zehn Bewohner und drei Mitarbeiter positiv getestet. Wie Petra Fischer, Mitarbeiterin der CAB-Geschäftsführung erklärte, hätten die Betroffenen zum Glück nur leichte bis gar keine Symptome. Eine Verlegung in ein Krankenhaus sei nicht nötig. Die zehn Fälle sind in einer der sechs Wohngruppen mit insgesamt 17 Bewohnern aufgetreten. Insgesamt leben im Notburgaheim 170 Senioren. (mit dav)

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