1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Kleine Kügelchen, die Hoffnung nach Afrika bringen

05.06.2010

Kleine Kügelchen, die Hoffnung nach Afrika bringen

Kleine Kügelchen, die Hoffnung nach Afrika bringen
3 Bilder
Lernen geht in beide Richtungen: Eine Hebamme erklärt den Gästen bei einer Exkursion die einheimischen Heilpflanzen (Bild ganz oben). Unterricht in Kenia bei über 30 Grad im Schatten. Anhand einer solchen Symbolkarte (Bild unten links) lernen die Hebammen in Kenia die Grundzüge der Homöopathie. Margit Stapf mit ihrem Mann Helmut und einem Fläschen Globuli, den kleinen weißen Kügelchen, mit denen in der Homöopathie gearbeitet wird Fotos: HOG, nap

Schwabmünchen Rehema windet sich, sie schreit. Ihren Kopf wirft die Afrikanerin nach hinten, von unglaublichen Schmerzen gequält. Hysterisch greift sich nach einer Flasche Wasser, trinkt aber nur einen winzigen Schluck. Die 28 traditionellen Hebammen, die in einem Stuhlkreis um sie herumsitzen, murmeln und diskutieren. Dann hält die Mehrheit die Symbolkarte, die Bella Donna, die Tollkirsche zeigt, in die Höhe. Richtig. Rehema entspannt sich. Sie ist nicht krank. Alles war nur gespielt.

"Aber so lernt man die Symptome am besten kennen", erzählt Margit Stapf. Die Heilpraktikerin aus Schwabmünchen ist bei den Homöopathen ohne Grenzen (HOG) aktiv, einer gemeinnützigen Organisation, die humanitäre Hilfe leistet, indem sie Homöopathen in Entwicklungsländern ausbildet. Margit Stapf war bereits zweimal in Kenia, auf Lamu, einer kleinen Insel im Indischen Ozean, und hat dort Unterricht gegeben.

Seit 2003 unterhalten die HOG dort ein Projekt, das Hebammen an die Anwendung homoöpathischer Mittel heranführt. Denn in den ländlichen Gegenden Kenias sei die Mutter- und Säuglingsterblichkeit extrem hoch, berichtet Margit Stapf. 15 Homöopathen aus ganz Deutschland sind abwechselnd vor Ort und gaben ihr Wissen an die Hebammen weiter.

Margit Stapf hat seit vielen Jahren eine homöopathische Praxis in Schwabmünchen. Lange schlummerte schon der Wunsch in ihr, sich in der Entwicklungshilfe zu engagieren.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Symbolkarten helfen, weil die Hebammen nicht lesen können

Die gelernte Krankenschwester zeigt eine Symbolkarte, die eigens für die Schulung konzipiert wurde. Denn viele ihrer Hebammen können weder lesen noch schreiben. Das Kärtchen zeigt eine Frau, die in den Wehen liegt. Ein Pfeil deutet nach oben. Die Wehen verlaufen in die falsche Richtung. Hier hilft "Falscher Jasmin", lateinisch Gelsenium. Die leuchtende gelbe Pflanze ist ebenfalls auf der Karte abgebildet.

Auch die Lern-Atmosphäre sei ungewöhnlich, beschreibt Margit Stapf: Draußen, bei mindestens 30 Grad im Schatten und mit einem Aufpasser der kenianischen Regierung. Er sei inzwischen allerdings ihr eifrigster Schüler, erzählt Margit Stapf schmunzelnd. Und um sich das Gelernte einzuprägen, tanzen die afrikanischen Hebammen oder denken sich eben schnell ein Lied über die Tollkirsche aus. "Wir arbeiten oft mit sehr einfachen Mitteln", sagt Margit Stapf. Aber trotzdem effektiv. Auch ihr Mann Helmut (62) war bei ihrem Einsatz in Kenia dabei. Er kümmert sich allerdings mehr um organisatorische Dinge.

Das Interesse an der Homöopathie ist groß. "Weil die Menschen sehen, dass die kleinen Kügelchen wirken", sagt die Heilpraktikerin. Vor allem bei Knochenbrüchen, Schlangenbissen und bei Beschwerden vor und nach der Geburt könne man gute Erfolge erzielen, sagt Stapf.

Homöopathie basiert auf der Idee, dass die Selbstheilungskräfte des Körper aktiviert werden sollen (siehe eigener Info-Artikel). Dazu werden sogenannte Globuli verabreicht, kleine weiße Tabletten, die den Wirkstoff in hochverdünnter Form enthalten.

Die Globuli nimmt Margit Stapf aus Deutschland nach Kenia mit. Der Langerringer Apotheker Dr. Franz Willer hat sie ihr zur Verfügung gestellt. Langfristig sollen die Schülerinnen und Schüler in Lamu die kleinen Kügelchen aber selbst herstellen. "Hilfe zur Selbsthilfe" ist das Motto der HOG.

Dass ihre Heilkunst Krankheit wie Aids, Malaria oder Tuberkulose nicht heilen kann, ist Margit Stapf völlig klar. "Aber die Begleitsymptome wie Fieber oder Kopfschmerzen lindern, das kann die Homöopathie sehr wohl." Mit dem Einsatz der richtigen Kügelchen könne eine Hebamme auch eine Blutung nach der Geburt stoppen, sagt die 53-Jährige. Und damit in Lamu das Leben einer Mutter retten. Denn das Krankenhaus von Lamu ist aus dem Hinterland schwer zu erreichen, eine lange Bootsfahrt entfernt. Für Menschen, die kein Geld haben, unerreichbar weit weg.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren