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Königsbrunn

31.12.2020

Königsbrunnerin will Abitur auf der Harfe machen

Franziska Lohmann mit ihrer zweiten Harfe, die eigens für sie angerfertigt wurde.
Bild: Claudia Deeney

Plus Der 15-jährigen Franziska Lohmann aus Königsbrunn wird großes Talent an der Harfe bescheinigt. Was sie an dem Instrument begeistert und was sie damit vor hat.

Harfe spielen mit langen Fingernägeln? Diese Frage verneint die 15-jährige Franziska Lohmann für sich sofort: "Das geht nicht besonders gut, mit den Nägeln bleibt man an den Saiten hängen und das Geräusch, das dabei entsteht, kann auch das Publikum gut hören." Außerdem seien die Saiten sowieso recht reißanfällig, egal welche man da aufziehe. Die junge Frau kennt sich bestens aus mit ihrem Instrument und kann selbstverständlich auch an ihrer Harfe die Saiten selbst wechseln.

Ihre Liebe zu diesem Instrument weckte Monika Galkin. Galkin ist in Königsbrunn eine sehr bekannte Harfenistin und wurde 2020 mit dem Anerkennungspreis zum Kulturpreis der Stadt Königsbrunn ausgezeichnet, wobei die offizielle Verleihung Covid-19-bedingt voraussichtlich im kommenden Jahr stattfinden wird.

Franziska Lohmann mochte schon als Kindergartenkind Musik. Unter anderem sang sie im Chor der Musikschule Königsbrunn und erzählt: "Unsere Lehrerin Monika Galkin hat uns ab und zu auf der Harfe begleitet und da hat es bei mir klick gemacht."

Königsbrunnerin suchte bei Harfenbauer aus Österreich nach Instrument

Als sie in die zweite Klasse kam, war es endlich so weit und sie durfte bei Galkin Harfenunterricht nehmen. "Ein Kind muss erst mal Noten lesen können und zudem ist die Harfe kein preiswertes Instrument", fügt ihr Vater hinzu. Außerdem sei nicht klar gewesen, ob Franziska bei dem Instrument wirklich bleiben möchte, deshalb habe Axel Lohmann für seine Tochter erst einmal eine Harfe von einem Freund gegen Gebühr ausgeliehen. Doch seine Tochter blieb dabei und die Lohmanns wurden Eigentümer einer Kinderharfe.

Nach vier Jahren Kinderharfe war es an der Zeit, ein neues Instrument für Franziska anzuschaffen und auch hier beriet die engagierte Musiklehrerin die Lohmanns. Zusammen mit Monika Galkin suchte die Familie bei einem Harfenbauer in Österreich eine geeignete Harfe für die damals Zehnjährige aus.

Harfe individuell gefertigt

"Wir haben unter anderem bestimmt, welches Holz wir innen und außen wollen, wo der Stimmwirbel angebracht werden soll, welche Farbe und welche Schnitzereien, mit Vergoldung und wenn ja wo", erklärt die junge Harfenistin. Das Instrument wurde individuell für sie angefertigt und ihr Vater fügt anschaulich hinzu: "Man fängt bei einem Basispreis an und sattelt dann drauf. Der Vorgang ist vergleichbar mit dem Kauf eines Autos."

Bei den Saiten hat sich Franziska für das Material Nylon entschieden, weil diese ein bisschen reißfester seien. "Man erschrickt sowieso, wenn die Saiten unter dem Spiel reißen, Natursaiten gehen noch öfter kaputt", verdeutlicht die 15-Jährige.

Eine Harfe hat ihre Eigenheiten, dazu gehört auch, dass man vor einem Auftritt nicht einfach am jeweiligen Ort ankommen und loslegen kann. "Durch Transport und Temperaturunterschiede verstimmen sich die Saiten schnell", erklärt Franziska. Sie sei immer eine Stunde vorher auf der jeweiligen Bühne. Dann stehe die Harfe eine halbe Stunde erst mal da und erst danach fange die junge Künstlerin an, ihr Instrument zu stimmen. Kurz vor der Darbietung überprüft sie noch einmal, ob die Töne richtig klingen.

Für das Kind und jetzigen Teenager eine reife Leistung, sich diesem Instrument seit nunmehr neun Jahren zu widmen. "Na ja, zwischendurch hatte ich schon so meine Hänger und Mama musste sagen: 'Franziska du musst üben!'", schmunzelt sie.

"Für mich ist die Harfe mein Instrument, um beim Spielen zu entspannen und runterzukommen vom Alltag", erzählt sie weiter. Auch spiele sie gerne mal Musik, die sich nicht im Klassikbereich bewegt und beweist das auch gleich im Wohnzimmer. Das wohl bekannteste Lied von Leonhard Cohen, "Halleluja", erklingt und sorgt für Gänsehautgefühl.

Abitur auf der Harfe?

Aus den genannten Gründen wankt sie auch noch etwas, ob sie tatsächlich ihr in zwei Jahren anstehendes Abitur auf der Harfe ablegen möchte. Obwohl das Königsbrunner Gymnasium keinen Lehrer für dieses Instrument hat, ermöglicht die Schule diese Option.

"Franziska muss einen Nachweis bringen, dass sie von einem qualifizierten Lehrer Unterricht erhält und an der Schule selbst demnächst eine Vorprüfung ablegen", erklärt Axel Lohmann die Prozedur. Mit Monika Galkin als Lehrerin ist der Nachweis kein Problem für die 15-Jährige. Diese bestätigt ihrer langjährigen Schülerin, ein ausgesprochen hoffnungsvolles Talent zu sein und sagt: "Ich wünsche mir sehr, dass Franziska weitermacht."

Das junge Talent wird bei der Vorprüfung auf jeden Fall antreten und hat sich schon ein Übungsstück dafür herausgesucht und sagt: "Wenn ich beim Vorspielen vor einem Musiklehrer des Gymnasiums bestehe, dann neige ich schon dazu, mein Abitur im Fach Musik mit der Harfe zu machen." Wenn sie nicht bestünde, dann sehe sie den Vorteil für sich darin, dass sie keine Einschränkungen bei der Auswahl der Prüfungsfächer habe. Sie möge nämlich auch die Naturwissenschaften und diese als Kombination mit Musik sind nach wie vor bei der schriftlichen Prüfung nicht möglich.

"Wenn ich mich für Musik und die Harfe entscheide, kann ich auch nicht zurücktreten und es ist doch etwas anderes, in der Oberstufe Harfe zu spielen und auch im Abitur die schriftliche Prüfung, zusätzlich zu dem Vorspielen, abzulegen." Für ihren Wunschberuf Lehrerin wäre es aber wiederum von Vorteil, und Auftrittserfahrung hat sie auch schon reichlich gesammelt, was ebenfalls für die Harfe spricht.

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