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Königsbrunn

24.04.2019

Lisa Fitz sagt, was man nicht sagen darf

Im Augsburger Land war Lisa Fitz schon öfters zu Gast – wie hier 2016 in Bobingen. Mit ihrem neuen Programm „Flüsterwitz“ kommt die Kabarettistin am Samstag nach Königsbrunn.
Bild: Reinhold Radloff (Archivfoto)

Vor ihrem Auftritt in Königsbrunn verrät Lisa Fitz im Interview, wie sie schwierige politische Themen in ihrem Programm „Flüsterwitz“ verdaulich verpackt.

Lisa Fitz steht seit ihrer Jugend auf der Bühne. In ihrem aktuellen Kabarettprogramm „Flüsterwitz“ widmet sich die 57-Jährige humorvoll den Themen, die man eigentlich nicht aus aussprechen sollte – das jedenfalls ist das Wesen eines Flüsterwitzes.

Frau Fitz, in Ihrem Programm „Flüsterwitz“ sprechen Sie Dinge aus, die „man nicht sagen darf“. Gibt es öffentlich akzeptierte Aussagen, die Sie gerne verbieten würden?

Lisa Fitz: Ja, den inflationären dummen Gebrauch des Wortes „Nazi“. Das wird mittlerweile so unbedacht benutzt wie „Spast“. Es gibt rhetorische Alternativen, die differenzierter sind.

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Sie erzählen auf der Bühne nicht nur, sondern machen auch Musik. Können Sie damit manche Dinge besser vermitteln als mit bloßen Worten?

Fitz: Lieder bleiben länger in der Seele als ein Text. Mit Musik kann man auch Gefühle besser transportieren. Und die Songs lockern ein Programm immer auf. Ich bin ja auch Musikerin, spiele Gitarre und habe mein erstes Lied mit 13 Jahren geschrieben. Songs gehören bei mir bei jedem Programm dazu.

Seit Jahrzehnten sind Sie eine Rebellin, die sich nicht um gesellschaftliche Normen schert. Empfinden Sie das als anstrengend oder befreiend?

Fitz: Also… eine „Rebellin“ bin ich eigentlich nie gewesen, eher Hofnärrin mit Humor, die Staub vom Denken wischt. Das Lachen über antiquierte Verhältnisse ist auch für die Zuschauer immer befreiend, wenn sie ihnen vor Augen geführt werden.

Früher zogen Sie in Ihren Programmen die Themen eher am eigenen Lebenslauf auf. Jetzt spielt Ihre Person keine so zentrale Rolle mehr – warum?

Fitz: Vor allem Comedians neigen dazu, immer von sich zu erzählen, so fängt man halt meist an, weil man sich da am besten auskennt. In der Thematik sollte man aber nicht stecken bleiben, das läuft sich irgendwann tot. Die Inhalte meiner 16 Kabarettprogramme waren übrigens keineswegs nur an meiner Person festgemacht. Bereits 1986 ging es in „Ladyboss“ um die Frau als Chef und 1996, im Programm „Kruzifix“ (Rockkabarett), habe ich als Mutter Maria die Kirche das Fürchten gelehrt. Im letzten Programm „Weltmeisterinnen“ war ich die Putzfrau Hilde Eberl, die Journalistin Inge von Stein, die russische Geheimagentin Olga Geheimnikowa und die CSU-Abgeordnete Gerda Wimmer, vier Frauen-Weltsichten wurden aus vier Perspektiven erzählt. Das aktuelle Programm „Flüsterwitz“ ist nun wieder ein klassischer Stand Up, in dem es darum geht: Was darf man laut sagen? Was muss man sagen? Was darf man nicht sagen?

Finden Sie die Themen, die Sie ansprechen, schon an sich lachhaft oder verpacken Sie bewusst ernste Dinge für das Publikum lustig?

Fitz: Die politischen Themen sind in den meisten Fällen alles andere als lustig, die muss man – und das ist die Kunst – erst so verpacken, dass sie verdaulich werden. Als Kabarettistin muss man natürlich auch immer die Komödie in der Tragödie erkennen und formulieren, sonst wäre ich ja nicht Satirikerin geworden, sondern Dramatikerin und würde Theaterstücke schreiben.

Sie geben dem Publikum neben guter Laune auch Stoff zum Nachdenken mit nach Hause. Erleben Sie auf der Bühne manchmal etwas, das sie nach dem Auftritt beschäftigt?

Fitz: Ich erlebe bei jedem Auftritt Anstöße zum Nachdenken, vor allem, wenn die Zuschauer nachher zu mir an den Autogrammtisch kommen und ihre Eindrücke erzählen. Und ich denke generell sowieso dauernd nach. Ich muss mich eher dazu verführen, mal nicht nachzudenken, abzuschalten und zu chillen, das ist eine echte Herausforderung für mich.

Von Anfang an beschäftigten Sie sich in Ihren Programmen mit der Rolle der Frau. Könnten Sie noch immer die gleichen Nummern spielen oder funktionieren manche nicht mehr, weil sich die Umstände gebessert haben?

Fitz: Manche Nummern sind zeitlos, zum Beispiel habe ich neulich wieder einen Text gefunden, wo sich eine Frau mit Kampfsport gegen ihren alkoholisierten Schlägermann zur Wehr setzt und ihn mit einem Tai Otoshi schachmatt setzt. Statt wie früher zu nörgeln, hat sie ihm eine geflieste Ausnüchterungszelle eingerichtet. Manchmal schreibt man Nummern auch nur ein bisschen um und es passt wieder. Die Gleichstellung hat enorme Fortschritte gemacht, aber gehen Sie nur mal nach Südeuropa, da sieht es schon wieder anders aus. Und bei uns haben wir immer noch eine ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen mit identischer Ausbildung und gleichen Jobs.

Humor ist Ihr ständiger Begleiter. Welche Vorteile sehen Sie darin, über ernste Dinge lachen zu können?

Fitz: Spott war und ist das probateste Mittel, an den Stühlen der Mächtigen zu sägen. Wenn wir nur den einen eingefahrenen Blick der Ernsthaftigkeit auf die Dinge haben, werden wir doch trübsinnig und krank in der Seele. Lachen öffnet das Herz und den Horizont – und mit Humor verlieren miese Verhältnisse nicht ihre Bedeutung, aber ein wenig ihren Schrecken und die Berührungsangst. Der Humor macht Mut, die Probleme bewältigen zu können, erst seelisch und dann auch reell.

Auftritt und Tickets: Lisa Fitz steht am Samstag, 27. April, mit ihrem Programm „Flüsterwitz“ in Königsbrunn auf der Bühne. Um 19 Uhr beginnt der Abend im Evangelischen Gemeindezentrum St. Johannes in der Friedhofstraße 2. Der Eintritt kostet 24 Euro, ermäßigt 20 Euro.

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