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08.09.2017

Metzgerei schließt, weil Fachpersonal fehlt

Das Essensangebot ist reichlich, doch vor schwerwiegenden Personalproblemen stehen manche Metzgereien auch im Augsburger Land.
Bild: Uli Deck/dpa (Symbol)

Die Binswanger-Filiale im Gersthofer City-Center ist zu. Und wie sieht es im Raum Schwabmünchen aus?

Ungläubige Gesichter gibt es immer noch bei manchen Kunden in Gersthofen: Die Filiale der Metzgerei Binswanger im City-Center ist geschlossen. Ein Ersatz ist noch nicht gefunden. Und das hat einen bestimmten Grund – der nicht nur dieses Unternehmen betrifft. „Wir haben einfach kein Personal mehr gefunden“, erklärt Metzgerei-Chefin Angelika Kempter auf Anfrage. „Wir brauchen einfach Fachkräfte – mit angelernten Kräften können wir nicht die Qualität liefern, die unsere Kunden von uns erwarten.“ An einem mangelnden Umsatz habe es nicht gelegen, betont sie. „Wir haben viele Stammkunden. So haben wir auch die Zeit gut überdauert, als es im City-Center keinen Nahversorger gab“, so Angelika Kempter weiter.

Problem ist allgemein bekannt

Und wie sieht es in Schwabmünchen und Umgebung aus? Bei den drei Filialen der Metzgerei Nauman in Schwabmünchen, Bobingen und Bergheim bestehe keine Gefahr der Schließung heißt es, alle Stellen seien besetzt. Ein auszubildender Metzger wird dieses Jahr mit seiner Lehre fertig. Ein Nachfolger für ihn wird dringend gesucht, wurde aber noch nicht gefunden. Aushilfskräfte seien leichter zu bekommen als Fachkräfte, wurde auf Anfrage in der Schwabmünchner Filiale mitgeteilt. Brigitte Engelhardt von der Metzgerei Engelhardt in Langerringen meint, dass das Problem allgemein bekannt sei und verweist auf die seit Jahren rückläufigen Zahlen in der Berufsschule der Fleischerinnung. In ihrem Familienbetrieb wird die Metzgerarbeit von ihrem Mann und den beiden Söhnen mit Meisterqualifikation ausgeführt. Für eine Ausbildung zum Metzger hat sich bisher niemand gemeldet.

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Im Verkaufsbereich sind Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung tätig. In dieser Woche hat eine junge Frau eine Schnupperlehre begonnen. Auch Georg Lutz von der Metzgerei in der Kaufbeurer Straße in Schwabmünchen bestätigt, dass die Suche nach Auszubildenden für die Metzgerei sehr schwierig sei. Derzeit arbeiten aber noch neben den beiden Chefs, ein Geselle, ein Auszubildender und zwei Aushilfen im Rentenalter in seinem Betrieb. Im Verkauf mit mobilen Außenstellen sind zwölf Fachverkäuferinnen in Teilzeit beschäftigt. Solche seien aufgrund der flexiblen Arbeitszeit leichter zu finden. Der bevorstehende Generationswechsel mache ihm aber schon Sorgen. „Die jungen Leute gehen lieber zu den Verbrauchermärkten als zu kleinen Handwerksbetrieben“, sagt Lutz bedauernd.

Flüchtling lässt sich zum Metzger ausbilden

Die Metzgerei Rieger in Großaitingen verfüge über ausreichend Personal, bestätigte Elfriede Rieger auf Anfrage. Derzeit haben sie sogar einen auszubildenden Metzger. Der junge Mann ist ein afghanischer Flüchtling, der selbst nach einem Job als Reinigungskraft nachgefragt hatte. Da er sich so gut angestellt habe, wurde ihm die Chance einer Ausbildung gegeben. Als Moslem habe er keine Probleme mit der Verarbeitung von Schweinefleisch, weil er bei der Arbeit Handschuhe trage und nichts essen müsse. Deutsche Bewerber um eine Ausbildungsstelle habe es nicht gegeben, sagt Elfriede Rieger.

Keine Probleme meldete Altstetter´s Hofmetzgerei aus Höfen bei Hiltenfingen. Dort sind 35 Fachkräfte, davon 16 Metzger beschäftigt und es habe noch nie Probleme bei der Suche gegeben. Die Metzgerei Binswanger gibt’s seit 1963, seit 1967 ist sie in Gersthofen ansässig. „Wir haben es geschoben bis zum Letzten, aber wir konnten die Filiale jetzt einfach nicht länger aufrechterhalten.“ Kempter versichert: „Es wurde kein Mitarbeiter arbeitslos.“ Zwei habe man in die Hauptstelle in der Senefelder Straße übernommen – allerdings auf deren Wunsch in anderen Arbeitsbereichen. Das Unternehmen selbst wird die Hauptstelle mit Bistro und Werksverkauf weiter betreiben, der Festzeltbetrieb und das Catering sollen künftig etwas erweitert werden, sagt Angelika Kempter.

Nur noch 38 Mitglieder in der Fleischerinnung

„Dass geeignetes Personal Mangeldware ist, ist ein allgemeines Phänomen unserer Branche – und nicht nur dieser“, bestätigt der stellvertretendes Obermeister der Fleischer-Innung Augsburg Stadt und Land, Nikolaus Wollmann. „Wir suchen zum Beispiel selbst schon seit zwei Jahren eine Fachkraft oder einen Auszubildenden.“ Als sich die beiden Fleischer-Innungen Augsburg Stadt und Land im Jahr 2003 zusammenschlossen, waren es 98 Mitglieder, zurzeit sind es 38. „Zwei davon werden aber in naher Zukunft ebenfalls aufgeben“, sagt Wollmann. Grund für diesen stetigen Rückgang sei aber nicht die Konkurrenz der zahlreichen Großmetzgereien, sondern tatsächlich der Fachkräftemangel. Roland Fürst, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Augsburg, bestätigt dies: „Auch in Zukunft wird laut unseren Zahlen nötiges Fachpersonal knapp werden.“ Die Stellen- und Ausbildungsstellenbesetzung gestalte sich „vor allem beim Fleischer sehr schwierig und langwierig“.

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