Autorenlesung

16.05.2011

Moschee und Minirock

Selbstbewusst präsentierte Melda Akbas ihr Buch in der Stadtbücherei und beantwortete die Fragen des Publikums.
Bild: Foto: Anderson

Die in Berlin lebende junge Türkin schildert in Bobingen mit ihrem Buch ihr Leben in zwei Kulturen: Ein zartes Persönchen mit viel Persönlichkeit

Bobingen Was denkt und fühlt eine junge Türkin, die in zwei Kulturen aufwächst? „So wie ich will“ heißt das Buch, das Melda Akbas über ihr „Leben zwischen Moschee und Minirock“ geschrieben hat. In Bobingen hat die in Berlin lebende Abiturientin es nun im Laurentiushaus vielen Schülern und später auch den Besuchern der Stadtbücherei vorgestellt.

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Mit dem Thema hatte sie offenbar großes Interesse geweckt, denn mehr als 50 Besucher kamen eigens in die Stadtbücherei, um die junge Autorin kennenzulernen. Die erwies sich als zartes Persönchen mit viel Persönlichkeit. Selbstbewusst und sehr reflektiert beantwortete sie Einwände und Fragen. „Der Name Melda bedeutet so viel wie Anmut und Frische und er lässt sich im Deutschen gut aussprechen“, zitierte sie eingangs den Anfang ihres Buches, das frisch und anschaulich von ihren Familienverhältnissen berichtete. Von einer türkischen Familie, in der traditionelle Werte und westliche Aufgeschlossenheit manchmal in friedlicher Koexistenz und manchmal in heftigen Auseinandersetzungen bestehen. „Aber ich habe einen Dickkopf, und den setze ich durch“, lacht Melda Akbas, wenn sie die Konflikte schildert.

Sowohl ihr Text als auch die lebhafte Diskussion mit dem Publikum zeigte, dass sie beide Kulturen kritisch, aber vor allem mit Respekt und Toleranz betrachtet: „Jeder soll leben wie er will, aber die Wahl zu haben ist wichtig.“ Das beträfe vor allem bildungsferne Gruppen, denen Wahlmöglichkeiten weniger möglich sind. Für ihre Offenheit erntete sie viel Lob, aber auch einige Kritik, der sie sich mutig stellt. Die Familie erfuhr den Inhalt des Buches erst nach der Veröffentlichung. Während ihre sonst eher weltoffene Mutter einzelne Stellen sehr kritisch diskutierte, war der konservative Vater nach einer Weile sehr stolz auf seine Tochter. Aber: „Nach der Veröffentlichung redet die Familie offener untereinander.“ Melda Akbas begann ihr Buch mit 18 Jahren zu schreiben und beendete es, während sie Abitur machte. Seither ist sie auf Lesereise. Die Frage eines Besuchers, ob es eine Fortsetzung geben wird, beantwortete sie klar mit „Nein. Ich würde am liebsten Kinderbücher schreiben und natürlich Kinder haben.“

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