Newsticker

Bund und Länder wollen Feiern in öffentlichen Räumen auf 50 Teilnehmer beschränken
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Mutter Natur nagt leise am Kasernenzaun

21.07.2010

Mutter Natur nagt leise am Kasernenzaun

Diese alte F 84 aus den Anfangsjahren des JaboG 32 wartet vor dem alten Stabsgebäude in Schwabstadl darauf, für die Militärgeschichtliche Sammlung hergerichtet zu werden. Foto: Pitt Schurian
Bild: Pitt Schurian

Schwabstadl Falls sich weiterhin keine Interessenten für die Schwabstadlkaserne finden, könnte diese als Ökokonto für Kommunen dienen. Diese müssten nicht einmal aus dem eigenen Raum stammen. Und die Rückeroberung durch die Natur brächte dem Bund sogar etwas Geld durch den Verkauf von Ausgleichsflächen für Landversiegelung anderenorts. Nach ihrer großen Zeit der Fliegerei würden die 1,3 Quadratkilometer am Lech, beziehungsweise an der Grenze zwischen Oberbayern und Schwaben, einem anderen Zeitgeist dienen.

Die Schwabstadlkaserne entstand vor rund 50 Jahren auf dem Gelände einer alten Munitionsfabrik für die einst königlich-bayerischen Artilleristen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zunächst die Flugabwehr und Wehrpflichtige in neuen Bauten unter. Anfang der 60er-Jahre wurde das Jagdbombergeschwader 32 von der Lechfeldkaserne dorthin verlegt.

Im Falle eines Angriffs auf den Fliegerhorst sollte es aus der Schusszone sein. Heute nagt Mutter Natur leise am Kasernenzaun. Investiert wird hier schon lange nicht mehr. Bis zum Ende des Jahres ist der Umzug des JaboG 32 zurück in die Lechfeldkaserne planmäßig abgeschlossen.

Zuständig für die Verwertung des Geländes ist das Bundesamt für Immobilienaufgaben (BIMA). Doch nach Kenntnisstand von Oberstleutnant Jürgen Akkerman, Kommandeur der Fliegenden Gruppe, sind keine Käufer in Sicht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Sie könnten hier in verkehrsgünstiger Lage ein Industriegelände schaffen. Doch derartige Angebote machen auch die benachbarten Gemeinden - und das in überschaubareren Größen. Eine Wohnbebauung ist noch weniger denkbar. Sie würde am Lärmschutz scheitern: Militärjets donnern mehrmals täglich genau über diese Fläche hinweg.

1500 Mann hatten hier einst ihre Truppenunterkunft. Es gab zwei Casinos, eine Sporthalle. All dies ist in Auflösung. Nur die Außenhaut einer alten amerikanischen F 84 vor dem ehemaligen Stabsgebäude erinnert noch an die Anfänge des Geschwaders und an die Zeiten, als insgesamt bis zu 4000 Mann den Militärstandort am Lechfeld bevölkerten. Inzwischen ist die Personalstärke auf 2500 Männer und Frauen gesunken - Zivilbeschäftigte mitgerechnet.

Den alten Unterkünften scheint keiner nachzutrauern

Die Stabsleitung des Geschwaders bezog inzwischen das große Gebäude an der Hauptwache bei Lagerlechfeld. Die Nachschub- und Transportstaffel ist in die Ulrichkaserne umgezogen. Piloten und Mannschaften haben es sich in deutlich besseren Räumen in der Lechfeldkaserne wohnlich gemacht. Nur wenige warten noch, dass dort auch die letzten Truppenunterkünfte frische Farbe und zeitgemäßere Ausstattung bekommen. Der Schwab-stadlkaserne scheint kaum einer nachzutrauern. Die Wege zu den anderen Bundeswehreinrichtungen rund um den Flugplatz werden kürzer. Durch das Zusammenrücken erhofft sich Kommodore Oberst Stefan Scheibl vor allem aber mehr Synergien bei der gemeinsamen Arbeit der Bundeswehr am Lechfeld.

Wie es mit Schwabstadl weitergeht, darüber kann auch der Chef der Fliegenden Gruppe, Oberstleutnant Jürgen Akkermann, nur spekulieren. Da Baumbestand und Grünland einen Großteil der 1,3 Quadratkilometer großen Militärfläche ausmachen, sieht er in der Natur auch das, was man heute Ökokapital nennt.

Schließlich sind Städte und Gemeinden durch Gesetz gezwungen, für die Versiegelung neuer Bau- und Verkehrsflächen Ausgleich zu schaffen. Diesen könnten sie hier einfach erwerben. Weiter tun müssten sie nichts. Die Natur schafft selbst Ausgleich für das, was ihr anderswo durch neue Straßen oder Gewerbegebiete verloren geht. Die alte Kaserne verfiele einfach in den Dornröschenschlaf.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren