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Schwabmünchen

22.07.2020

Radfahrer stärken: Hier gilt künftig Tempo 30 in Schwabmünchen

In Schwabmünchen werden neue Tempo-30-Zonen ausgewiesen. Darüber haben die Stadträte in der jüngsten Sitzung gesprochen und entsprechende Maßnahmen beschlossen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Plus Schwabmünchen will das Nahmobilitätskonzept zeitnah umsetzen. Wo Radfahrer künftig gestärkt und Autofahrer ausgebremst werden.

Der Stadtrat will das Schwabmünchner Nahmobilitätskonzept nun Stück für Stück umsetzen. Radfahrer stärken und Autofahrer bremsen. Nach der aktuellen Sitzung ist dieses Ziel wieder einen Schritt näher gerückt. Mehrere Geschwindigkeitsbeschränkungen und eine Fahrradstraße beschloss der Rat am Dienstagabend.

Gegen das im April vorgestellte Nahmobilitätskonzept der Stadt formierte sich zunächst Widerstand. Der Schwabmünchner Siegfried Schubert hatte mehr als 1000 Unterschriften gegen „eine Tempo-30- Zone für ganz Schwabmünchen“ gesammelt. Vor allem wollte Schubert nicht, dass auf den Zufahrtsstraßen 30 gefahren werden muss.

Bürgermeister Lorenz Müller bekräftigte, dass das Nahmobilitätskonzept keinen Widerspruch zur Unterschriftenaktion darstelle, da die Zufahrtsstraßen wie Landsberger, Augsburger und Mindelheimer Straße nicht von den Geschwindigkeitsbeschränkungen betroffen seien. „Weitere Tempo-30-Zonen sollen lediglich in einigen gewachsenen Stadtbereichen arrondiert werden, in denen zwischenzeitlich ganz überwiegend die Wohnfunktion dominiert“, so Müller. Betroffen sind zunächst folgende Straßen:

Radfahrer haben Vorfahrt in der Jahnstraße in Schwabmünchen

Jahnstraße: Lange diskutierten die Stadträte, ob die Jahnstraße eine Tempo-30-Zone werden soll oder oder doch eine Fahrradstraße, auf der aber auch Autos fahren dürfen. So lange wie die Diskussion darüber geführt wurde, so knapp fiel letztlich das Ergebnis aus: 13 zu zwölf Stimmen für die Fahrradstraße.

In dieser Straße gilt künftig Tempo 30, Radfahrer sind vorfahrtsberechtigt, dürfen nebeneinander fahren und nicht von Autos gefährdet werden. Autofahrer müssen beim Überholen einen Abstand von eineinhalb Metern einhalten. Überholen wird in der Praxis daher kaum noch möglich sein, da an der Straßenseite auch das Parken erlaubt ist und die Fahrbahnbreite das nicht mehr hergibt.

Parken soll in der Jahnstraße weiterhin erlaubt bleiben, allerdings nur noch auf markierten Flächen. Mögliche Staus und Verkehrsbehinderungen in der Fahrradstraße nimmt die Stadt aufgrund des relativ niedrigen Verkehrsaufkommens von gut 1000 Fahrzeugen pro Tag in Kauf. Mit ihrer Entscheidung für eine Fahrradstraße verhinderten die Räte eine Rechts-vor-links-Regelung in der Jahnstraße, die in einer 30er-Zone vorgeschrieben ist.

Bernhard Albenstetter (CSU) und Germar Thiele (Freie Wähler) hielten das für gefährlich. „Da fährt ein Radler in der Jahnstraße den Berg herunter und aus der Singoldstraße kommt ein vorfahrtsberechtigtes Auto. Da sehe ich ein Problem“, so Albenstetter. Die Jahnstraße solle eine Vorfahrtsstraße bleiben, forderte Thiele.

Bürgermeister Müller hätte die Tempo-30-Zone mit Rechts-vor-links-Regel bevorzugt, schließlich solle dort auch kein Radfahrer „den Berg runterrasen“, sondern der Verkehr beruhigt werden. Margit Stapf (Grüne) plädierte für die Fahrradstraße: „Das wäre ein Paradigmenwechsel.“ Konstantin Wamser sprach sich ebenfalls dafür aus: „Perspektivisch betrachtet ist es sinnvoll, mit der Jahnstraße als Fahrradstraße anzufangen, um ein schlüssiges Radwegekonzept zu verwirklichen.“

Tempo 30 in der ganzen Museumstraße

Museumstraße: Hier gilt aktuell Tempo 50, außer vor dem Michaelskindergarten. Künftig wird die Museumstraße – ebenso wie die Ferdinand-Wagner-Straße – ein verkehrsberuhigter Bereich der Innenstadt, dann gilt dort ebenfalls Tempo 30. Auf der Seite des ehemaligen Kroengeländes ist ein Parkverbot geplant. Auf der anderen Seite sollen 32 Parkplätze markiert werden.

Frauenstraße: Die Frauenstraße wird komplett zur Tempo-30-Zone. Aktuell dürfen Fahrzeuge im nördlichen Bereich noch 50 Stundenkilometer schnell fahren. An der Einfahrt am Ulrichsberg soll eine bauliche Veränderung den Autofahrer auf das neue Limit hinweisen. In der Zone befinden sich auch der Menkinger Weg, die Auenstraße und die Schlossergasse.

Mittelstetten: Der ganze nördliche Bereich des Schwabmünchner Stadtteils soll eine Tempo-30-Zone werden, in der rechts vor links gilt. Betroffen sind das Neubaugebiet am Herrenring, die Eschbach- und Rosenstraße, Am Wiesland, Am Wasserfall sowie der Blumen- und Singoldweg.

Mindelheimer Straße: In der Giromagny- und Mindelheimer Straße dürfen Autos weiterhin 50 Stundenkilometer schnell fahren. Für Radfahrer sind Schutzstreifen vorgesehen. Bevor dieses Vorhaben umgesetzt werden kann, steht aber noch die Eigentumsübertragung an, denn es handelt sich momentan noch um eine Staatsstraße, die dem Freistaat gehört. Sie soll im Tausch mit der Südostspange in eine Gemeindestraße umgestuft werden.

Alle beschlossenen Maßnahmen sollen nun möglichst schnell mit Schildern und Markierungen umgesetzt werden. Weitere Schritte folgen.

Lesen Sie dazu auch diesen Kommentar: Lieber am Stück als Stückwerk

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Die Diskussion ist geschlossen.

22.07.2020

Die knappe Entscheidung bei der Jahnstraße zeigt doch, wie umstritten das ganze Konzept selbst im Schwabmünchner Stadtrat noch ist.
Aber es scheint mir, wenn es mit entsprechendem "Gefühl" für die Notwendigkeiten und die vorhandene Realität durchgeführt wird, ein
ganz sinnvoller Ansatz zu sein. Dabei sollten aber vor allem dogmatische Ansichten auf allen Seiten außen vor bleiben. Dann könnte unsere Stadt auch etwas gewinnen bei dem Ganzen.

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22.07.2020

Verstehen Sie mich richtig – ich bin kein Raser, ich achte jeden Verkehrsteilnehmer als gleichberechtigt. Bevor ich aber ständig gucken muss, in welcher Zone ich nun bin oder nicht, ob Fahrradstraße, 30er Zone oder sonst was, da bleibe ich lieber draußen aus der Innenstadt. Jahnstraße und Museumsstraße werden ja nicht das Ende der Fahnenstange sein, das geht sicher weiter in dieser Richtung. Einkaufsmöglichkeiten gibt es auch außerhalb von SMÜ, wo man auch als Autofahrer noch willkommen ist. Es wird sich zeigen müssen, ob die Kaufkraft der Radler ausreicht, um die Innenstadt am Leben zu erhalten. Sobald die beschlossenen Regelungen in Kraft treten, ist die Innenstadt für mich jedenfalls gestorben. Heuck, Keck und sonstige ade, ich kaufe auf dem Land oder im Internet und fertig. Für mich ist es ein Armutszeugnis, wenn Radfahrer, Fußgänger und Autos in einer Stadt der Größe Schwabmünchens nicht ohne diesen Zirkus gleichberechtigt miteinander auskommen. Aber wie es immer so ist – es gibt ja Ausweichmöglchkeiten. Dass Fahrradfahrer keine Engel sind, sehe ich täglich – Gehsteige werden mit ordentlich Tempo vereinnahmt, man quert wie man lustig ist, Verkehrsregeln gelten nur für den depperten Autofahrer. Nun können sie sich ja gegenseitig in die Speichen fahren. Bin gespannt, was dann los ist. Vielleicht Rennsteige für schnelle und Schleichspuren für gemütliche Fahrer? Wo bleiben die Fußgänger? Zählen die eigentlich noch? Von denen hat bisher keiner gesprochen … Was ist mit einem Stadtbus mit kurzen Takten? Das müsste mit einem Konzept wie dem geplanten Hand in Hand gehen. Sonst ist das ganze ein ziemlich faules Ei.

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