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Schule

07.11.2017

Radikalisierung ist ein schleichender Prozess

Peter Bühl zeigt den Neuntklässlern anhand der Ausstellung, welche Kennzeichen und Symbole zur rechtsextremen Szene gehören.
Bild: Ingeborg Anderson

Eine Projektwoche sensibilisiert Eltern und Jugendliche zum Thema Rechtsextremismus

Wie geraten Jugendliche in rechtsextreme Einfluss-Sphären? Wie können Eltern und Lehrer Anzeichen dafür feststellen? Damit beschäftigte sich eine Projektwoche an der Dr.-Jaufmann-Mittelschule. Dazu gehören ein Elternabend zum Thema sowie eine Ausstellung, die über Erscheinungsformen, Anwerbestrategien und die Kennzeichen und Symbole der Szene Auskunft gibt.

Und für die Schüler der neunten Klassen war es besonders spannend, zu erleben, wie eine Aussteigerin aus den Reihen der Rechtsextremisten davon berichtete, wie sie in die Szene geraten war und wie es kam, dass sie ihr den Rücken kehrte.

Sie erlebten eine patente, reflektierte junge Frau, die sich allerdings mit Hut und dunkler Brille tarnte. Peter Bühl, der das Projekt für die Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) betreut, erklärte: „Das gehört zum Identitätsschutz, den wir den Aussteigern gewähren.“

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„Susi“, wie Bühl die junge Frau nennt, erzählte von ihrer Kindheit in einem kleinen Dorf: „Unsere Eltern gehören zur alternativen Ökoszene, und wir Kinder waren Außenseiter“, erinnert sie sich. Da war der erste Besuch in der Disco etwas ganz Besonderes. Dort verkehren auch „Glatzen“, wie die Rechtsextremen im Jargon genannt werden. „Ich hatte von der Welt noch gar nichts gesehen, da war das für mich spannend“, erklärt sie. Und anfangs war der Umgang mit ihnen ganz normal, man unternahm gemeinsam etwas. Aber bald wurde die Gruppe für „Susi“ zur Ersatzfamilie, sie begann, die typischen Springerstiefel und Bomberjacken zu tragen, und beteiligte sich immer mehr an den Aktionen. Sie erlebte Kameradschaft, aber auch Hetze und Gewaltbereitschaft, besonders unter Alkoholeinfluss. Als sie Kinder bekam, begann sie nachzudenken, denn als Kinder von Rechtsextremen wurden sie ausgegrenzt – sie wurden zu Außenseitern. Und was das bedeutet, hatte „Susi“ am eigenen Leib erlebt, das wollte sie auf gar keinen Fall. Sie wandte sich an Beamte der BIGE, die ihr beim Ausstieg halfen. „Es sind Außenseiter, die am meisten gefährdet sind, in extreme Szenen zu geraten“, weiß sie.

Eltern und Lehrern empfiehlt Peter Bühl, darauf zu achten, ob ihre Kinder einschlägige Embleme oder Symbole verwenden und dann in behutsamen Gesprächen versuchen, herauszufinden, ob und wie weit sie involviert sind.

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