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Bergrennen Mickhausen

04.10.2019

Rennen fahren, bis kein Geld mehr da ist

Das Bergrennen Mickhausen, am Wochenende findet die 38. Austragung statt, ist der Höhepunkt des Jahres der Brüder Uenzen aus Lagerlechfeld. Sie bereiten sich darauf gerade in der Werkstatt mit dem Schrauben vor.
Bild: Reinhold Radloff

Plus Um die Uenzen-Brüder vom Lechfeld sammelt sich eine Gruppe junger Schrauber und Fahrer mit Benzin im Blut. Das Bergrennen in Mickhausen ist für sie ein Heimspiel.

„Einen großen Fehler“ machten einst die Eltern der Uenzen-Brüder vom Lechfeld, als sie ihre beiden Söhne zum Kart-Training anmeldeten. Sie brachten Hendrik und Nikolas vom Rennsport nicht mehr los. Daraus entwickelten sich zunächst ungeahnte Dinge. Doch am Wochenende starten sie und ihre Freunde beim Bergrennen in Mickhausen. Und alle sind stolz darauf. Eigentlich bestand bei der Familie Uenzen ursprünglich keinerlei Affinität zum Motorsport. Und doch sind die Söhne heute begeisterte Rennfahrer mit allem, was dazugehört.

Beim Kartfahren waren sie noch nicht besonders erfolgreich. Aber es machte ihnen und ihren Freunden unglaublich viel Spaß. Und irgendwie war dadurch die Rennfahrer-Karriere vorgezeichnet. Acht Jungs, die sich von Kindesbeinen an kennen und alle Benzin im Blut haben, sind heute noch beieinander und haben ein alles überstrahlendes Hobby: Rennsport.

„Nichts mehr auf der Bank“

Nicht nur Spaß, sondern auch viel Erfolg hatte das Team von Scuderia Lechfeld im Slalom-Super-Cup, bei dem sie auf einem Opel Corsa ab 2005 dreimal hintereinander deutscher Meister wurden. Jetzt wollten die Jungs mehr, bauten einen E-Kadett auf und fuhren Rallye. Sie steckten alles Geld, das sie hatten, in ihr Hobby und tun es heute noch. „Wir haben nichts auf der Bank. Und ohne unsere Sponsoren wären wir ohnehin verloren. Zu ihnen zählen auch die Eltern, die immer dann zähneknirschend einspringen, wenn die Konten der Sprösslinge mal wieder überzogen sind. „Der Motorsport ist ein Fass ohne Boden“, meint Nikolas Uenzen.

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Und weil dem Team mit der Zeit ein Auto nicht mehr reichte, bauten es eines nach dem anderen auf. In der heimischen Garage wurde 2012 ein BMW, der eigentlich in der Schrottpresse landen sollte, entrostet, aufgebaut, lackiert und bei Berg- und Slalomrennen bewegt. Ein Zweiter kam dazu. Und es ging immer weiter.

Immer was zu schrauben

Um schließlich bei Rundstreckenrennen fahren zu können, musste wieder umgebaut werden. „Es gab immer was zu schrauben, jeden Abend“, erzählt Team-Mitglied Steffen Mölter. Vom Fach sind sie bis auf Fahrzeugtechniker Nikolas Uenzen alle nicht. „Aber wir machen und probieren so lange rum, bis wir unser Ziel erreicht haben“, erzählt sein Bruder. Und sie schaffen quasi immer, was sie sich vorgenommen haben.

Am Samstag findet in Mickhausen wieder das Bergrennen statt. Der ehemalige Bergrennfahrer Martin Bobinger ist jahrelang erfolgreich mitgefahren. Jetzt fährt er mit seinem Auto für uns die Strecke ab - und erklärt die Besonderheiten und Schwierigkeiten.

„Die einen von uns wollen nur schrauben, die anderen sind mehr am Fahren interessiert. Aber Probleme werden immer gemeinsam gelöst, auch die finanziellen“, erklärt Hendrik Uenzen mit einem gerade etwas säuerlichen Gesicht. Denn er hatte beim Glasbachrennen mit seinem BMW M3 ein Problem: „Plötzlich hat etwas an der Hinterachse blockiert und schon habe ich mich überschlagen.“ Also musste das Team wieder ran – mit viel Geld und Arbeitsaufwand, gemeinsam.

Heimspiel beim Bergrennen in Mickhausen

Und sie entwickeln sich immer weiter. Inzwischen haben sie eine 120 Quadratmeter große Garage in Schwabmünchen gemietet und komplett als Werkstatt für ihre inzwischen schon vier Fahrzeuge eingerichtet. Jüngster Spross ist ein Gruppe C-Auto, ein Norma M20, 600 Kilogramm Gewicht, 260 PS-Honda-Motor. „Den haben wir an einem Wochenende aus Andorra geholt“, erzählt Hendrik Uenzen, der ihn bei einem der ersten Rennen gleich mal ein wenig „verfaltet“ hat. „Also holten wir aus Südfrankreich eine Ersatzhaube. Rund 1000 Stunden Arbeit haben die jungen Schrauber inzwischen in den Wagen gesteckt. „Noch spotzt die Zündung, aber bis zum Rennen in Mickhausen kriegen wir das hin“, so Nikolas Uenzen. Wenigstens sind die anderen drei Autos, die auch in den Stauden an den Start gehen sollen, schon quasi fertig. Alle Autos, da sind sich die NHM-Jungs sicher, sind gruppensiegfähig. Der M3 von Nikolas Uenzen sollte den Gruppensieg holen. Das Mickhauser Rennen, das Heimrennen, ist für sie der Höhepunkt der Saison: „Da können wir unseren Freunden mal zeigen, wofür wir das ganze Jahr über arbeiten“, so Steffen Mölter. „Viele können wir begeistern, manche erklären uns für verrückt. Das macht aber nichts.“ Und die Unfallgefahren im Rennsport für die Gesundheit? „Die blenden wir einfach aus. Bis jetzt hatten wir ja auch Glück.“, meint Hendrik Uenzen.

Wie lange sie noch Tag für Tag schrauben und an Wochenenden auf Rennen fahren wollen? „Bis kein Geld mehr da ist“, betonen sie gemeinsam.

 

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