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Walkertshofen

21.06.2017

Sie pendelt zwischen den Baustellen

Viel im Sattel unterwegs: Walkertshofens Bürgermeisterin Margit Jungwirth-Karl fährt gern mit dem Fahrrad zu Terminen im Ort.
Bild: Karin Marz

Über Arbeitsmangel kann sich Bürgermeisterin Margit Jungwirth-Karl nicht beklagen. Am Feuerwehrhaus wird gebaut, der Bürgersaal soll folgen.

Margit Jungwirth-Karl ist seit drei Jahren Bürgermeisterin von Walkertshofen. Im Interview erzählt sie, was ihr an ihrer Arbeit wichtig ist, welche Projekte inzwischen abgeschlossen sind und warum manche Vorhaben noch warten müssen.

Frau Jungwirth-Karl, als Sie vor drei Jahren die Wahl gegen den damaligen Amtsinhaber Sven Janzen gewonnen haben, konnte man die Stimmung im Gemeinderat nicht gerade als gut bezeichnen. Hat sich aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit wieder verbessert?

Margit Jungwirth-Karl: Die Stimmung ist wirklich gut. Wir arbeiten alle konstruktiv zusammen, und fast alle bringen sich ein. Ich kann sagen, ich bin hochzufrieden mit dem Gemeinderat. Vor allem unser Seminar in Thierhaupten, das wir zu Beginn der Amtszeit besuchen hatten, war eine sehr vertrauensvolle Maßnahme und sehr wichtig, um sich gegenseitig kennenzulernen und zu erfahren, wer welche Ziele für die Gemeinde verfolgen möchte.

Nach Ihrer Wahl sagten Sie, dass Sie Bürgermeisterin für alle sein werden. Ist Ihnen das gelungen?

Jungwirth-Karl: Ich behandle alle Bürger im Ort gleich. Die Wahl habe ich damals nur sehr knapp gewonnen. Das heißt, im Prinzip wollte mich fast die Hälfte der Wähler als Bürgermeisterin nicht. Ich hoffe, diese Bürger konnte ich mittlerweile überzeugen. Wichtig ist für mich auch, die Leute kennenzulernen und Einblicke zu bekommen, welche Bedürfnisse die Bürger haben. Entscheidend ist für mich daher, den Bezug zu den Leuten nicht zu verlieren, und ich nehme deshalb zum Beispiel runde Geburtstage von Senioren als Anlass, sie zu besuchen.

Rufbus startet im Juli

Während des Wahlkampfes erläuterten Sie, welche Aufgaben Sie gemeinsam mit dem Gemeinderat anpacken möchten. Darunter zählte auch die Ausweisung von Bauland für junge Familien. Was ist aus diesem Versprechen geworden?

Jungwirth-Karl: Dies ist uns bis jetzt leider noch nicht gelungen, obwohl wir daran arbeiten. Die Preisverhandlungen mit den Grundstückseigentümern haben aufgrund deren hohen Preisvorstellungen bis jetzt zu keinem Ergebnis geführt. Schade ist vor allem auch, dass es in Walkertshofen 15 Bauplätze in privater Hand gibt, die von den Eigentümern zurückgehalten und nicht bebaut werden. Hinzufügen möchte ich, dass sich die Gemeinde die Ausweisung von Bauland als mittelfristiges Ziel gesetzt hat. Zuerst müssen wir die Pflichtaufgaben abarbeiten.

Ein weiteres Versprechen war, für eine optimale Anbindung an den öffentlichen Personen-Nahverkehr zu sorgen. Wie sieht es damit aus?

Jungwirth-Karl: Die Einführung des Rufbusses startet im Juli. Den Nachtbus von Augsburg haben wir nochmals beworben, da die Fahrgastzahlen rückläufig sind. Ein anderes Thema ist die Reaktivierung der Staudenbahn. Da Walkertshofen als Haltestelle nicht mit angebunden werden soll, versuchen wir, den Zubringerverkehr zu organisieren, um bei dieser Entwicklung nicht hinterherzuhinken. Für mich bedeutet dies vor allem, die Position von Walkertshofen bei der Reaktivierung der Staudenbahn zu stärken.

Bürgermeisterin will Chaos im Gemeindearchiv beseitigen

Die Planungen für den Umbau des Raiffeisen-Lagerhauses zum Bürgersaal sind derzeit in vollem Gange. Gibt es immer noch kritische Stimmen gegen das Projekt? Wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Jungwirth-Karl: Mittlerweile hat keiner mehr etwas dagegen gesagt. Aber so wie es vielen Bürgern geht, bin auch ich auf der einen Seite glücklich über den hohen Zuschuss der Regierung von Schwaben, um damit einen Bürgersaal bauen zu können. Auf der anderen Seite kann ich heute aber noch nicht sagen, wie der Saal nach Fertigstellung ausgelastet sein wird.

Wie sieht es mit den Kosten aus? Bleibt es bei den Kalkulationen des Architekten?

Jungwirth-Karl: Wir hatten die Ausschreibungen für die Rohbauten, Zimmererarbeiten und den Gerüstbau. Alle geschätzten Kosten sind eingehalten worden. Zwischenzeitlich konnten auch schon die Bauarbeiten beginnen.

Welche geplanten Projekte konnten Sie mittlerweile umsetzen?

Jungwirth-Karl: Hierzu gehören auf jeden Fall das neue Feuerwehrhaus und das neue Feuerwehrfahrzeug. Das waren zwei sehr wichtige Investitionen sowohl für die Feuerwehr als auch für alle Bürger. Und auch eine große Herausforderung, da wir den Bau ohne Architekt ge-stemmt haben. Weitere getätigte Investitionen sind die Einführung der Mittagsbetreuung in der Schule, die Sanierung der Feldwege und Öffnung der Gräben, die Breitbanderschließung in den Ortsteilen sowie die Einführung des Ratsinformationssystems in der Verwaltungsgemeinschaft, die unser Gemeinderat ins Rollen gebracht hat. Wichtig war mir auch, das Chaos im Gemeindearchiv zu beseitigen. Mittlerweile wurde dort wieder Ordnung geschaffen.

Schulverband möchte Grundschule in Walkertshofen attraktiv halten

Ihnen ist es gelungen, den Schuldenstand trotz der Investitionen weiter zu reduzieren. Gibt es Baumaßnahmen, die die Gemeinde in den nächsten Jahren realisieren will?

Jungwirth-Karl: Zu den künftigen großen Maßnahmen werden sicherlich die Sanierung der Straßen und die Vorleistungen für Baulandausweisung zählen. Auch unsere Kläranlage ist technisch auf keinem zeitgemäßen Stand.

Die niedrigen Geburtenzahlen in Walkertshofen haben sich im letzten Jahr nur leicht gebessert. Können Sie schon heute beurteilen, inwieweit sich dies auf den Fortbestand der Grundschule in Walkertshofen auswirken wird?

Jungwirth-Karl: Nicht nur die Kinder aus Walkertshofen besuchen die Grundschule, sondern auch die Kinder aus den Gemeinden Mickhausen und Mittelneufnach. Unser Schulverband versucht, den Standort attraktiv zu halten. So bieten wir eine Mittagsbetreuung an und haben mittlerweile die offene Ganztagsschule bis 14 Uhr beantragt. Das heißt, die Betreuung und die Heimfahrt mit dem Bus wäre dann für die Eltern kostenlos.

Hoher Zeitaufwand als Bürgermeisterin

Wie waren die ersten drei Jahre als Bürgermeisterin? Haben Sie sich das Amt so vorgestellt?

Jungwirth-Karl: Ja. Ich bin seit 1996 im Gemeinderat tätig, davon sechs Jahre als Zweite Bürgermeisterin und vier Jahre als Dritte Bürgermeisterin. Daher habe ich gewusst, welche Aufgaben in der Gemeinde anstehen. Überrascht war ich aber dennoch darüber, wie groß der Zeitaufwand ist, wenn man als Bürgermeisterin etwas voranbringen will. Ich nehme an vielen Sitzungen teil, bin Mitglied in etlichen Ausschüssen. Das sehen Außenstehende oft gar nicht.

Wollen Sie in drei Jahren wieder antreten?

Jungwirth-Karl: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Es kommt auch darauf an, wer bereit ist, sich als Gemeinderat aufstellen zu lassen.

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