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Augsburg/Königsbrunn

27.07.2020

Tram-Linie 3 nach Königsbrunn: Im Herbst sollen die Gleise liegen

Die Trasse der Linie 3 wurde schnell aufgegraben. Inzwischen laufen die Arbeiten am Gleisbett, im Dezember 2021 sollen die ersten Bahnen der Linie 3 nach Königsbrunn rollen.

Plus Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 von Haunstetten nach Königsbrunn geht in die heiße Bauphase. Die Geschichte eines Projekts mit jahrelangem Vorlauf.

Viele Jahrzehnte erstreckte sich die künftige Tramtrasse als grünes Band durch Königsbrunner Wohngebiete. Danach folgten noch einige Monate, in der sich das Bett der Straßenbahn als braunes Band in der Landschaft präsentierte. Doch dieser Zustand hat nun auch ein Ende: Seit Montag laufen die Arbeiten am Gleisbett. Im Dezember 2021 sollen die ersten Bahnen der Linie 3 nach Königsbrunn rollen. Ein Rückblick auf ein langwieriges Projekt.

Über viele Jahrzehnte existierte die Straßenbahntrasse nur auf Bauplänen. Schon in den 70er-Jahren, als die Wohngebiete entlang der Augsburger Straße wuchsen, wurde die Schneise für einen späteren Gleisanschluss freigehalten. Doch das Projekt scheiterte immer wieder an finanziellen Gesichtspunkten, besonders an der Frage, wie die Kosten unter Stadt Königsbrunn, Stadt Augsburg mit den Stadtwerken und dem Landkreis Augsburg aufgeteilt werden sollten. Der Anschluss ans Straßenbahnnetz war in Königsbrunn jahrzehntelang Wahlkampfthema. Vor allem die FDP, Grüne und SPD hatten den Anschluss weit oben auf der Agenda. Lange Zeit sah es trotzdem so aus, als bliebe das Scherz-Warnschild „Achtung Straßenbahn“ nahe des Eisstadions die einzige Spur von Schienen in der Brunnenstadt.

Verlängerung der Linie 3 nach Königsbrunn soll 52 Millionen Euro kosten

Im Dezember 2015 schlossen die Kommunen und die Stadtwerke Augsburg aber doch eine Vereinbarung zur Verlängerung der Linie 3 bis zur Haltestelle Zentrum. Festgesetzt wurde auch, dass die Stadt Königsbrunn und der Landkreis sich jährlich mit einem Betriebskosten-Zuschuss von 950.000 Euro beteiligen. Nach Inbetriebnahme erhöht sich diese Summe analog zur Entwicklung der Ticketpreise. Kosten soll das Projekt nach Schätzung der Stadtwerke etwa 52 Millionen Euro. 83 Prozent der Kosten tragen Bund und Land.

Die Strecke führt von der heutigen Endhaltestelle der Linie 3 in Haunstetten am Rand der Bebauung entlang nach Süden und trifft an der Bereitschaftspolizei auf Königsbrunner Flur. Entlang der Guldenstraße geht es weiter Richtung Süden. Die Trasse führt hinter den Geschäftsgebäuden am südlichen Ende der Guldenstraße vorbei und quert am Brunnenzentrum die Augsburger Straße. Durch das Wohngebiet geht es vorbei an der Kirche Maria unterm Kreuz und weiter bis zur Königsallee und zum ZOB.

Zwischen Augsburger Straße und Königsallee wurde bereits 2019 intensiv gearbeitet.
Bild: Adrian Bauer

Zwei Haltestellen liegen auf Haunstetter Flur (Schulzentrum und Brahmsstraße) und fünf weitere in Königsbrunn: an der Bereitschaftspolizei, in der Guldenstraße, am Brunnenzentrum, in der Mindelheimer Straße und an der Wendeschleife am ZOB. Insgesamt ist die Strecke 4,6 Kilometer lang. Laut Planung der Stadtwerke soll die Fahrt vom Königsbrunner Zentrum bis zum Augsburger Königsplatz in 30 Minuten bewältigt werden. Zunächst ist für die Verbindung ein 15-Minuten-Takt geplant.

Kurz nach der Einigung auf einen Bau schlossen sich Anwohner der Trasse zusammen und forderten bestmöglichen Lärmschutz. Der Königsbrunner Stadtrat hat beschlossen, aus dem Stadtsäckel begrünte Lärmschutzwände und den Einbau eines hochliegenden Rasengleises in den Wohngebieten zu finanzieren, das den bestmöglichen Schallschutz bietet. Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss wurden im Eilverfahren abgewiesen, die Entscheidung im ordentlichen Verfahren steht noch aus. Allerdings gehen die Verantwortlichen für den Bau nicht davon aus, dass noch ein Baustopp verhängt wird.

Im Herbst 2019 wurde die Trasse für die Straßenbahn nach Königsbrunn freigemacht

Schon im Herbst 2019 wurde die Trasse freigemacht: Bäume wurden gefällt, Büsche entfernt und die Strecke mit Bauzäunen abgesperrt. Da wider Erwarten keinerlei archäologische Funde auftraten, gingen die Arbeiten deutlich schneller vonstatten als geplant. In den vergangenen Wochen wurde die Guldenstraße im Bereich nördlich der Hunnenstraße erneuert und auf der ganzen Strecke Leitungen umgelegt oder für die Belastung des Schienenkörpers vorbereitet.

Schon seit über zehn Jahren steht bei der Haltestelle Königsbrunn Zentrum dieses Schild.
Bild: Hermann Schmid

Die Planungen sehen vor, dass noch in diesem Jahr alle Schienen verlegt werden. Bis zum Ende der Sommerferien sollen die Arbeiten am ZOB beendet sein, damit die Schulbusse wieder wie gewöhnlich anrollen können. Verkehrstechnisch anspruchsvoll werden die Querungen der Königsallee und der Augsburger Straße, da dort der Verkehr umgeleitet, beziehungsweise einspurig an der Baustelle vorbeigeleitet wird. Um ein Verkehrschaos zu vermeiden, beginnt die Stadt Königsbrunn den Umbau der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße im Zentrum voraussichtlich nicht mehr in diesem Jahr.

Im Dezember 2021 soll die erste Tram nach Königsbrunn rollen

Im kommenden Jahr sollen dann die Haltestellen sowie die Lärmschutzvorrichtungen gebaut werden. Nach den Sommerferien 2021 beginnt eine dreimonatige Phase mit Testfahrten und verschiedenen Abnahmen. Nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 sollen dann die ersten Fahrgäste befördert werden. Bis dahin soll es auch ein neues Konzept für die Buslinien in Königsbrunn geben, die verstärkt als Zubringer zur Straßenbahn funktionieren sollen.

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28.07.2020

Schade, dass die Gersthofer Politik ihn ihrem Autonomie- Wahn den eigenen Anwohnern keine gute ÖPNV- Anbindung gönnt und die alte B17 konsequent unbrauchbar gemacht hat.
Anders geplant, wäre die Siedlungsachse zwischen Gersthofen und Königsbrunn in den 70er- Jahren wo noch Geld da war, ggf. sogar für richtige Stadtbahnfahrzeuge mit teilweisen Tunnelstrecken förderwürdig gewesen, also ein drittes schnelles System neben München und Nürnberg. So werden halt in Zukunft auch nach Königsbrunn die üblichen Schmalspur- Straßenbahnen von einer Haltestelle zur nächsten zuckeln. Wenn man die brutto- Fahrzeiten sieht, ist die Strecke schon fast zu weit, um noch attraktiv zu sein, als Autopendler würde ich eher noch einen Bahnhof ansteuern.

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