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Prozess in Augsburg

11.07.2019

V-Mann bringt Drogenschmuggler aus Tschechien ans Licht

Insgesamt vier Kilogramm Marihuana hat ein Lkw-Fahrer aus Tschechien über die Grenzen nach Deutschland geschmuggelt. Ins Visier der Polizei geriet der 41-Jährige durch einen V-Mann. Nun wurde der Mann zu einer langen Haftstrafe verurteilt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Der Mann bringt kiloweise Marihuana über die Grenze und muss dafür lange Zeit ins Gefängnis – sein Abnehmer ist Ermittler. Ein Blick in die Arbeit der Polizei.

Sieben Monate sitzt der 41-jährige Tscheche bereits in Untersuchungshaft in Gablingen. Seine Hoffnung, wieder in Freiheit zu sein, hat sich nun zerschlagen. Der Mann wurde von Richter Dominik Wagner und den beiden Schöffen am Augsburger Amtsgericht zu der dort maximal möglichen Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Der Lastwagenfahrer hat Ende vergangenen Jahres kiloweise Marihuana aus seiner Heimat nach Deutschland, genauer gesagt nach Kleinaitingen und Rain am Lech, gebracht und dort verkauft. Das Problem des Angeklagten: Sein Abnehmer war ein Ermittler der Polizei. Am zweiten Verhandlungstag in Augsburg gab es einen kleinen Einblick in die Arbeit der Polizei und deren Vertrauenspersonen.

Informant der Polizei stellt Kontakt zu tschechischem Speditionsfahrer im Bereich Donauwörth her

Diese sogenannten VPs oder V-Männer sind keine Polizeibeamten, aber Personen, denen die Polizei vertraut. Die heimlichen Informanten geben den Beamten vertrauliche Hinweise, die zur Verhinderung und Aufklärung von Straftaten behilflich sind. Ihre Identität wird von den Ermittlungsbehörden geheim gehalten. Im nun in Augsburg verhandelten Fall stellte die Vertrauensperson den Kontakt zwischen Polizei und dem angeklagten Tschechen dar. Der Kriminalhauptkommissar, der zugleich Führer von Vertrauenspersonen ist, zeigte vor Gericht den Ablauf der Kontaktaufnahme. So habe ihm sein Informant von einem Speditionsfahrer erzählt, der im Bereich Donauwörth arbeitet und aktiv Marihuana zum Kauf anbiete. Dieser 41-jährige Tscheche soll demnach bis zu zehn Kilogramm von einem Mittelsmann kaufen und gewinnbringend weiterverkaufen können.

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Nähere Angaben über den V-Mann machte der Polizist keine – auch nicht auf mehrfache Nachfrage von Verteidigerin Cornelia McCready. Die Gefahr, Rückschlüsse auf die Vertrauensperson zu ziehen, sei demzufolge zu groß. Aus diesem Grund sei es auch nicht möglich, den Mann als Zeugen in der Verhandlung zu hören. Sollte er geladen werden, würde er von der Polizei gesperrt und dadurch ein „unerreichbares Beweismittel“.

V-Mann gibt Handynummer des Drogendealers an die Polizei

Der Polizist erhielt über seinen V-Mann eine Handynummer und gab sie an einen sogenannten „Noep“ weiter. So werden nicht offen ermittelnde Polizeibeamte bezeichnet, die im Gegensatz zu verdeckten Ermittlern keine auf Dauer angelegte falsche Identität annehmen. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Noeps um Scheinkäufer, die Betäubungsmittel ohne Offenlegung ihrer Funktion ankaufen, das aber nur gelegentlich tun.

Nachdem der Noep den Tschechen telefonisch erreichte, fand die weitere Kommunikation über eine spezielle Plattform statt, bei der die Nachrichten nach einer Minute gelöscht werden sollen, teilte der Noep-Führer mit. Kurze Zeit später trafen sich der Angeklagte und der Ermittler, der sich als Interessent für Rauschgift ausgab, beim Aldi-Logistikzentrum in Kleinaitingen: Ein Kilogramm Marihuana und 4700 Euro wechselten den Besitzer. Eine noch größere Menge wurde rund eine Woche später verkauft: Drei Kilogramm Marihuana zum Preis von 13700 Euro sind bei Südzucker in Rain am Lech übergeben worden. Dort erfolgte dann auch der Zugriff der Polizei.

Staatsanwalt vermutet gute Kontakte ins tschechische Drogenmilieu

Verteidigerin Cornelia McCready kritisierte den zweiten Drogendeal, den es ihrer Meinung nach nicht gebraucht hätte. Der Noep-Führer erklärte dagegen, dass es nichts Ungewöhnliches sei, eine zweite Übergabe mit noch größerer Menge durchzuführen. Zudem sei dieses Vorgehen in Absprache mit der Staatsanwaltschaft erfolgt. Der bisher nicht vorbestrafte angeklagte Familienvater gab beim Prozessauftakt an, dass er – vermutlich von dem V-Mann – zu dem Drogendeal animiert wurde und es eine einmalige Sache gewesen sei. Staatsanwalt Nicolas Pfeil glaubte ihm nicht. Seiner Meinung nach habe der Angeklagte Kontakte in Tschechien, da solche große Mengen Marihuana gute Beziehungen erfordern. Wegen der Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei Fällen, auf die jeweils eine Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren steht, forderte Pfeil eine Gesamtstrafe von vier Jahren. Das ist die Maximalstrafe, die das Schöffengericht aussprechen kann.

Verteidigerin McCready sprach von einem von den Ermittlungsbehörden eingefädeltem Drogengeschäft und plädierte wegen dem aus ihrer Sicht minderschweren Fall für eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren. Richter Dominik Wagner sah dagegen keine „polizeiliche Tatprovokation“ und verurteilte den 41-Jährigen zu einer vierjährigen Gefängnisstrafe. Zudem werden die 4700 Euro aus dem ersten Drogendeal eingezogen. Der Haftbefehl bleibt aufrecht erhalten.

Lesen Sie hier den Artikel zum ersten Prozesstag in Augsburg: Lkw-Fahrer verkauft kiloweise Drogen an verdeckten Ermittler

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