1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Viele Hürden für die neue Privatschule

Großaitingen/Königsbrunn

06.03.2019

Viele Hürden für die neue Privatschule

Eine  demokratische Privatschule soll in Großaitingen entstehen. Wie die Reaktionen auf die mögliche Schule bei einer Infoveranstaltung  ausfallen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Eine demokratische Privatschule soll in Großaitingen entstehen. Wie die Reaktionen auf die mögliche Schule bei einer Infoveranstaltung ausfallen.

Geht es nach dem Willen einer Gruppe engagierter, zumeist junger Menschen, soll in Großaitingen noch dieses Jahr eine besondere Privatschule entstehen (wir berichteten). Bei einer Infoveranstaltung in Königsbrunn wurden nun weitere Details bekannt. Wir zeigen, was hinter den Plänen steckt.

Konzept: Kinder sollen mehr Eigenständigkeit lernen

In der freien, demokratischen und inklusiven Schule gibt es weder Noten noch Klassen. Die Schüler sollen sich in der Schule – egal welchen Alters – frei bewegen, die angebotenen Kurse bei Interesse wahrnehmen und voneinander lernen können. Einer der Vorteile sei laut Karl Geller, einem Unterstützer des Projekts: „Es kommen nur die Kinder in den Kurs, die darauf Lust haben. Dadurch wird mehr gelernt und niemand abgelenkt.“ Die Kinder sollen in der Schule mehr Eigenständigkeit und Selbstverantwortung lernen. Sie werden nach Meinung von Leo Selinger, einem weiteren Unterstützer, auch selbstbewusster, da sie mehr Anerkennung erfahren als auf einer normalen Schule. Auf zehn Schüler soll ein Betreuer kommen, Schulabschlüsse sollen auf einer externen Schule möglich sein.

In den Komitees werden Entscheidungen getroffen

Das „Herz der Entscheidungen“ liege laut Geller in der Schulversammlung. Dort werden beispielsweise die für alle bindenden Regeln per Mehrheitsentscheid getroffen – Stimmen von Schülern und Lehrern zählen gleich viel. Daneben gibt es mehrere Komitees, in die man entweder für eine bestimmte Zeit gewählt wird oder bei Interesse eintreten kann. Das Essenskomitee kauft ein, das Einstellungskomitee führt Bewerbungsgespräche und das Lösungskomitee tritt bei Streitigkeiten auf den Plan. Dort werden auch Strafen wie der Putzdienst ausgesprochen – nachdem alle Beteiligten ihre Sicht der Dinge darlegen konnten.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Bis zu 100 Schüler in der Privatschule

Derzeit liegen der Luana laut Selina Lasogga „80 aktive Kinderanmeldungen“ vor. Geplant sei, mit etwa 50 Schülern zu starten, später sollen einmal 100 Kinder und Jugendliche in diese Schule gehen.

Schulgeld ist vor allem zum Start erforderlich

Die finanzielle Lage wird von Lasogga als „kleines Problem“ bezeichnet. Da es in den ersten beiden Jahren nur gekürzte staatliche Zuschüsse gebe, entstehe eine Finanzierungslücke zwischen 300000 und 350000 Euro. Ab dem dritten Jahr soll sich die Schule selbst tragen, doch bis dahin sei ein Schulgeld erforderlich. Dieses soll zwischen 200 und 300 Euro monatlich betragen. Über Direktkredite stehen laut Selinger bisher 38000 Euro zur Verfügung.

Mehrere Voraussetzungen für eine Genehmigung

Um die Genehmigung für den Schulbetrieb der Luana zu erhalten, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden, sagt Karl-Heinz Meyer, der Pressesprecher der Regierung von Schwaben. Dazu zählen „der Nachweis geeigneter und ausreichender Räume, der Beschäftigung qualifizierter Lehrkräfte, für die Klassenbildung ausreichender Schüler(vor)anmeldungen sowie eines schlüssigen pädagogischen Konzepts“. Die Unterlagen müssen bis zum 31. März bei der Regierung von Schwaben vorliegen, diese entscheidet als Schulaufsichtsbehörde über den Antrag. Die Chancen auf die Genehmigung stehen laut Lasogga höher als 2018.

Standort Großaitingen ist im Gespräch

Nachdem potenzielle Standorte in Augsburg, Neusäß und Friedberg scheiterten, ist nun ein rund 600 Quadratmeter großes Grundstück in Großaitingen in Aussicht. Die Lage sei wegen der Entfernung zu Augsburg nicht optimal, doch nach zwei bis vier Jahren soll ein Wechsel nach Augsburg erfolgen, sagt Selinger. Auf dem Großaitinger Gelände soll mit Containern gestartet werden, sobald eine Genehmigung dafür da sei. Bürgermeister Erwin Goßner sagte bei der Bürgerversammlung dazu Folgendes: „Ich hatte ein freundliches Gespräch mit jungen, sympathischen und begeisterungsfähigen Pädagogen, die ihre Ideen und Vorstellungen einer Schule mit Kindern und Jugendlichen verwirklichen möchten. Wie sich die Sache weiterentwickeln wird, entscheidet sich erst, wenn dem Gemeinderat eine formelle Voranfrage oder ein Bauantrag vorliegt.“

Reaktionen: Warum sollen Schüler freiwillig lernen?

Mehr als 20 Besucher waren bei der jüngsten Infoveranstaltung in Königsbrunn – darunter hauptsächlich Mütter. Eine Frau wollte wissen, wieso die Schüler freiwillig lernen sollten, wenn es keine Noten gibt? Die Antwort: Ab der fünften Klasse etwa würden Schüler ein bewussteres Handeln entwickeln und aus eigenem Interesse einen Abschluss schaffen, sagte Selinger. Eine andere Mutter, deren Tochter bald in die Schule kommt, wollte wissen, wie das Lernpensum kurz vor der Abschlussprüfung zu schaffen sei. „Man muss ja nicht acht Jahre in kürzester Zeit aufholen, sondern lernt ja durchgehend“, sagte Selinger.

Dass die Schüler später Probleme mit Hierarchien im Berufen haben oder nicht überlebensfähig sind, verneinte Lasogga. Die Kinder würden sich viel leichter tun, da sie früh gelernt haben, über Dinge zu diskutieren. Der Wissensstand werde, so eine Frage, dahingehend dokumentiert, dass eine Bezugsperson regelmäßig mit dem Schüler spricht und ihm beratend zur Seite steht. Vom Konzept zeigten sich alle Besucher in Königsbrunn überzeugt, teilweise wurden die Kinder für die noch nicht bestehende Schule angemeldet.

Seit vier Jahren möchten Befürworter die Schule gründen

Inspiriert durch andere Schulgründungen und Schulgründungsinitiativen haben sich Anfang 2015 mehrere Personen zusammengefunden, um ihrer Vision einer freien und demokratischen Schule im Raum Augsburg Taten folgen zu lassen. Ihr Ziel ist es, eine Grund- und Mittelschule zu etablieren, die im Schuljahr 2019/20 starten soll. Deutschlandweit gibt es nach Angaben von Geller etwa 14 demokratische Schulen. Bayernweit seien es derzeit acht solcher Schulgründungsinitiativen, sagt Selina Lasogga von der gemeinnützigen GmbH Luana, die das Projekt in Großaitingen vorantreibt. Der Sudbury-Schule, einer Schule mit einem ähnlichen Konzept, in Ludenhausen im Landkreis Landsberg wurde 2016 die Genehmigung entzogen. Zuvor hatte die Regierung von Oberbayern die Einrichtung auf zwei Schuljahre befristet zugelassen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren