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Katholiken

20.09.2016

Viele verabschieden Petra Kohnle

Gruppenbild mit 130 Ministranten. Die große Beteiligung spricht für die erfolgreiche Jugendarbeit von Petra Kohnle, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Khaled Ahmad für dieses Gruppenfoto nach dem Gottesdienst in die Mitte genommen wurde. Ganz rechts Pfarrer Bernd Weidner sowie die Pfarrer und Diakone des Gottesdienstes
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Gruppenbild mit 130 Ministranten. Die große Beteiligung spricht für die erfolgreiche Jugendarbeit von Petra Kohnle, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Khaled Ahmad für dieses Gruppenfoto nach dem Gottesdienst in die Mitte genommen wurde. Ganz rechts Pfarrer Bernd Weidner sowie die Pfarrer und Diakone des Gottesdienstes

Gemeindereferentin wechselt nach elf Jahren. Applaus im Gottesdienst und Präsente im Pfarrzentrum

Es waren ein besonderer Gottesdienst und ein berührender Empfang, mit dem die katholische Pfarreiengemeinschaft am Sonntag die langjährige Gemeindereferentin Petra Kohnle verabschiedete: Zum Gottesdienst in der Kirche Maria unterm Kreuz hatten sich mit Pfarrer Bernd Weidner, den Kaplänen und Diakonen auch rund 130 Ministranten versammelt – und viele Königsbrunner, die gar nicht mehr alle sitzen konnten.

Petra Kohnle hatte sich an diesem Morgen schon gewundert, weil auf einmal der Kinderwagen für ihr zehn Wochen altes Töchterchen Paula nicht mit in die Kirche sollte, wie sie der Gemeinde im Gottesdienst erzählte. Es habe ein Hin und Her mit ihrem Lebensgefährten gegeben – bis sie zu ihrem großen Staunen erkannte, dass eine Pferdekutsche für die Fahrt zur Kirche wartete. Dort wirkte Kohnle während des gesamten Gottesdienstes sehr gerührt und dankte in einer kurzen Rede für die schöne Zeit und gute Zusammenarbeit in der katholischen Pfarreiengemeinschaft. Zum zweiten Mal in diesem Gottesdienst erhob sich die Gemeinde spontan und applaudierte lange. Man konnte auch beobachten, wie einige ihre Taschentücher zückten.

Pfarrer erzählt Anekdoten aus der „WG des Herrn“

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Applaudiert hatten die Besucher schon nach der Predigt von Pfarrer Weidner, die sich ausschließlich um Petra Kohnle und um ihr Wirken in der Gemeinde drehte. Er garnierte sie mit einige Anekdoten, die zu lautem Gelächter in der Kirche führten – beispielsweise, als Weidner von der „WG des Herrn“ im Pfarrhaus erzählte: „Du konntest dich mit dem Bild der Pfarrhaushälterin nicht so ganz anfreunden – gerade am Anfang des Zusammenlebens im Pfarrhaus gab es beim Kochen noch reichlich Luft nach oben“. Das habe sich inzwischen geändert.

Erziehen könne Kohnle mittlerweile auch sehr gut, denn sie habe im Laufe der Jahre ja reichlich Übung gehabt bei den jungen Männern, die während ihrer Zeit der Priesterausbildung in der WG gewohnt haben. Die scheidende Gemeindereferentin sei eine der wenigen Personen gewesen, die ihm auch mal den Kopf waschen und ihn ausbremsen durften, so Weidner.

Die beiden kennen sich seit rund 20 Jahren. Weidner dankte ihr mit sehr persönlichen Worten dafür, dass sie vor rund elf Jahren seine Bitte erfüllte und nach Königsbrunn kam. Er hatte damals das Gefühl, den Brunnenstädtern allein nicht ganz gewachsen zu sein, bemerkte Weidner leicht ironisch. Den Klatsch, den sie dadurch bei einigen Mitgliedern der katholischen Pfarreiengemeinschaft auslösten, sprach Weidner auch an – so wie die „Bösen Zungen“ die auch jetzt unschöne Kommentare in die Welt gesetzt hätten über Petra Kohnles Entscheidung, sich zu ihrem Lebensgefährten zu bekennen und mit ihm eine Familie zu gründen. Sie habe wohl die Flüchtlingshilfe übertrieben, nannte Weidner als ein Beispiel. Petra Kohnle meinte dazu im Gespräch mit unserer Zeitung pragmatisch: „Ach, geredet wird doch immer, damit muss man leben.“

Den Mann an ihrer Seite habe sie vor drei Jahren in Königsbrunn kennen und lieben gelernt, als er von Syrien flüchtete und hier Asyl beantragte. Seit zwei Jahren ist Khaled Ahmad als Flüchtling anerkannt, er absolviert nun ein Masterstudium an der Universität Augsburg in Sozialwissenschaften und Konfliktforschung. Seit zehn Wochen ist die gemeinsame Tochter Paula auf der Welt. Sie musste ihre Arbeit aufgeben, hatte Kohnle vor einigen Wochen im Pfarrbrief geschrieben, weil „die Voraussetzung für den pastoralen Dienst ein christlicher Mann ist, was bei mir nicht der Fall ist“.

Das Pfarrzentrum platzte nach dem Gottesdienst aus allen Nähten. Viele wollen das Baby sehen, mit Petra Kohnle persönliche Worte wechseln und Geschenke überreichen. Zahlreiche Gruppen hatten einen Beitrag vorbereitet.

Die kleine Familie bleibt erst mal in Königsbrunn

Paula schlief, als Pfarrer und PG-Mitarbeiter ein Abschieds–Loblied sangen und als die Mitglieder des PG-Rates von gestohlenen Herzen sangen. Sie protestierte erst, als sie Hunger bekam. Also musste das Seniorenteam warten, ehe es einen großen Geschenkkorb überreichen konnte, ebenso der Asylkreis, die Mitglieder des Besuchsdienstes für altere und kranke Menschen und die Jugendgruppen, die alle mit Vorführungen Abschied nahmen. In der Zwischenzeit spielte das Königsbrunner Blasorchester auf.

Bis in den späten Nachmittag dauert das Abschiednehmen, das ja nicht endgültig ist. Petra Kohnle und ihre Familie werden erst mal in Königsbrunn wohnen bleiben. Sie wird sich um Paula kümmern, bevor sie sich beruflich auf ihr zweites Standbein, die Sozialpädagogik, neu ausrichten wird.

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