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03.10.2019

Vom Rennwagen zum Radlader

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Viele Helfer sind nötig um das Mickhauser Bergrennen organisatorisch zu stemmen. Bagger und Co erleichtern die Arbeit.
Bild: Reinhold Radloff

Plus Das Bergrennen in Mickhausen wäre ohne sein Helferteam einfach nicht möglich, die Arbeit unbezahlbar. Warum es heuer besonders viel zu tun gibt.

Ein bisschen verrückt, oder sogar etwas mehr, das sind sie alle. Das geben sie gerne zu. Doch die Arbeit macht ihnen einfach viel Spaß. Und sie wissen ja auch genau, wofür sie es tun, die Männer und Frauen des Auf- und Abbau-Teams für das Bergrennen Mickhausen.

Morgens auf dem Parkplatz bei der Schikane des Bergrennens. Es ist kalt, dunstig, irgendwie ungemütlich. Und doch: Die Männer und Frauen, respektive eine Frau, strahlen schon Fröhlichkeit aus. Sie freuen sich auf die viele Arbeit, die sie jetzt gleich erwartet.

Mehr als 20 Personen stehen um die Cheforganisatoren Hans Wuschek und Alfred Wagner, den alle Benno nennen, herum. Die reißen noch ein paar Witzchen, erteilen dann aber schon präzise Anweisungen für den Tag. „Eigentlich wissen alle genau, was sie zu tun haben, denn wir sind ein eingespieltes Team von inzwischen vielen Fachleuten. Es gibt nur noch Feinheiten zu besprechen“, betont Hans Wuschek, der mit seinem Freund Benno und ein paar anderen seit 18 Jahren mit Begeisterung bei der Sache ist. „Wir sind da irgendwie hineingewachsen“, meint er.

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Bagger und Co haben die Arbeit erleichtert

Und schon rollen der Bagger von Martin Mayr, ein paar Radlader und eine ganze Reihe anderer Fahrzeuge zu den Arbeitseinsätzen auf der 2,2 Kilometer langen Strecke davon. „Die Fahrzeuge haben uns alles sehr erleichtert“, erklärt Benno und erinnert sich an die Anfänge: „Damals mussten wir noch jeden Reifenstapel und alles schleppen, jeden Pflock mit dem Vorschlaghammer einschlagen. Heute erledigen Vieles die Maschinen. Wir assistieren nur noch.“ Ganz so, wie er sagt, ist es nicht. Die Männer müssen schon noch kräftig Hand anlegen.

Im Vergleich zu früher ist die Arbeit wegen der hohen Sicherheitsanforderungen etwa doppelt so viel geworden. „Wir stellen heute etwa 1000 Meter Bauzaun auf, 65 jeweils zwei Tonnen schwere Betonblöcke, 1000 DTM-Rennreifen, bauen Verkehrszeichen und Begrenzungspfosten ab, versäubern Randstreifen und vieles mehr“ so Wuschek, der zusätzlich Leiter der Streckensicherung ist.

Unfälle beim Auf- und Abbau gab es eigentlich nie, eigentlich: „Einmal sägte gerade einer einen großen Ast von einem Baum und als der runterfiel, fuhr trotz Absperrung ein Auto unten durch und dem fiel der Ast aufs Dach. Tja, selbst schuld“, erinnert sich Benno, der noch andere spannende Geschichten kennt: „Jannik, der Sohn von Hans, ist seit seinem dritten Lebensjahr immer dabei und hilft, inzwischen volljährig, fleißig mit. Sogar seine Tochter Sarah steht ihren Mann.“

Die Eltern bringen einfach ihre Kinder mit zum Helfen

In der Truppe arbeiten nicht nur Handwerker, sondern auch Schüler, Studenten, Techniker und mehr. Nachwuchsprobleme hat das Team nicht: „Die Eltern bringen ihre Kinder zum Arbeitseinsatz mit. Und schon sind wieder neue Helfer da. Oder es fragt einfach jemand, ob er mitmachen darf“, so Wuschek. Vier Wochen vor und zwei nach dem Rennen haben alle jede Menge Arbeit. „Ungefähr 2000 Arbeitsstunden sind nötig, bis alles perfekt steht und wieder weggeräumt ist. Und die reichen heuer nicht, denn es wird am Start eine ganze Zeltstadt aufgebaut für VIPs, Verpflegung, Gäste und so weiter.

Nicht absehbar ist der Arbeitsaufwand am Renntag. „Kommt ganz darauf an, wie viele Unfälle passieren. Etwa zehn sind es immer. Da müssen wir blitzschnell reagieren und reparieren, damit die Unterbrechungen möglichst kurz sind“, so Wuschek, der dabei von dem alten Werkstatt-Bus erzählt, der fast 30 Jahre auf dem Buckel hatte und nach jedem Rennen wieder kräftig repariert werden musste, weil, „da flog schon mal ein Hammer aus drei Metern Entfernung rein“. Jetzt stellt die Firma Tierhold einen neuen Wagen zur Verfügung. „Mit dem müssen wir pfleglich umgehen“, so Benno. Apropos: Ohne Sponsoren wäre das ganze Rennen nicht machbar: Maschinen, Fahrzeuge, Werkzeuge, alles erhalten sie quasi kostenlos. „Nicht nur wir sind ein wenig rennverrückt“, betont Wuschek dankbar. Und noch etwas ist erstaunlich. Zum Rennen kommen rund 30 Mann vom Automobilclub Bayrisch Rigi Peißenberg und helfen.

„Wir sind ein tolles Team“, freuen sich die beiden Chefs und erzählen, wie feucht-fröhlich es beim Helferfest immer zugeht.

Auch wenn sie alle irgendwie rennverrückt sind, Rennfahrer-Ambitionen hatte von den Helfern nie einer. Ganz stimmt das nicht: Martin Bobinger, der pilotierte früher einen Rennsportwagen. Jetzt fährt er zwar immer noch, aber etwas langsamer: mit dem Radlader.

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