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Aktion

18.06.2019

Von Zauberglöckchen und verführerischen Beeren

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Eine Märchenschale in Königskronen-form mit lauter Glöckchen hatte Hildegard Häfele mitgebracht.

Der Märchenabend in der Awo-Begegnungsstätte zieht Besucher an und es gibt zwei Erklärungen für’s gute Wetter

Nach dem märchenhaften Auftakt im vergangenen Jahr hat Stadtbücherei-Mitarbeiterin und Märchenerzählerin Hildegard Häfele auch am vergangenen Wochenende wieder die Zuhörer beim Märchenabend im Garten der Begegnungsstätte des Königsbrunner AWO-Ortsverbands mit ihren Geschichten verzaubert.

Im vergangenen Jahr hatten Ortsvorsitzender Otto Müller und sein Team in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro im Rahmen der Projekttage Kultur und Gesundheit bei der Premiere viel Zuspruch erfahren. Doch in diesem Jahr waren es noch weit mehr Gäste. Trotz der etwas unsicheren Wetterlage füllte sich der Platz im Garten immer stärker und die Veranstalter mussten noch weitere Tische und Stühle dazustellen. Und das Wetter hielt. Vielleicht hatte es ja doch etwas damit zu tun, dass Hildegard Häfele gleich zu Anfang ankündigte, die Sonne am Himmel mit ihrem ersten Märchen bezirzen zu wollen.

Dies handelte von der stark wärmenden Himmelskraft, die einem Mann half, der seiner im großen Zorn über sein garstiges Benehmen davongestürmten Frau nachlief, sie aber nicht einholen konnte, denn diese lief so schnell, wie nur eine so heftig wütende Frau laufen konnte, und „sie schaute nicht zur Seite, nicht nach oben und erst recht nicht nach hinten“. So rannte der Mann erfolglos hinter ihr her. Da hatte die Sonne ein Erbarmen und ließ mit ihrer starken Wärme herzförmige Beeren aus Erde wachsen. Der intensive Duft und die Süße der Frucht, die die Frau verharren ließen, brachte am Ende die beiden wieder zusammen, und so erfreuten sie sich jedes Jahr frohen Herzens an den Erdbeeren, die es seitdem auf der Erde gibt.

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Otto Müller behauptete, die Zwerge hätten in sein Hemd gewebt, dass es erst nach 22 Uhr regnen möge – so wie bei Häfeles Märchen über die merkwürdige Kunst winziger Zwerge. Wer ihre Kleidungsstücke trägt, dessen zuallererst geäußerter Wunsch erfüllt sich. Selbst wenn er sagte: „Da möchte ich gern mal den Kamin raufreiten und von oben wie die Hexen die Dachschindeln runtergleiten.“ Häfele führte auf ihre ganz unnachahmliche Weise mit wenig Gestik und Mimik die Zuhörer mit ihren Märchen nach Italien zum Sohn des Dogen von Venedig und in das Haus, in dem drei alte Weiber wohnten. Die Älteste, 95-jährig, wird ganz plötzlich durch einen Fenstersturz und das Mitgefühl dreier Feen wieder jung und schön und vor allem aber schweigsam klug. Oder nach Zentralasien zur Erzählung eines Mönches, der beim Hören eines Glöckleins immerzu fröhlich und glücklich sein konnte, gleich ob er es so nebenbei wahrnahm oder ganz bewusst anhörte. Dann vermisste er es schrecklich, als er es an den griesgrämigen Apotheker verlieh. Doch umgekehrt schaffte es keiner, diesem das Glöcklein wieder abzunehmen, weil es zu schön war zu erleben, wie der Apotheker nur aufgrund des Glöckleins plötzlich durch sein Haus tanzte.

Für die Zuhörer hatte die Märchenerzählerin in der Pause eine Königskronenschale mit lauter bunten Glöcklein darin – die zu Hause an die Geschichte erinnern und vor Griesgram bewahren solle. Und die Schüssel wurde leer. Gekommen waren übrigens Zuhörer auch von ganz weit her; aus dem Fränkischen, von der Schwäbischen Alb und sogar aus der Nähe von Heidelberg waren Freunde oder Verwandtschaft von Königsbrunnern bewusst zu dem Abend eingeladen worden.

Häfele selbst war nach der Veranstaltung umringt von mehreren Nichten und Neffen, die ihrer „Märchentante“ begeistert „Zugabe, Zugabe“ zuriefen. Dem schlossen sich die anderen Zuschauer an und bekamen sie.

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