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Bobingen

18.06.2019

Warum der König in Bobingen Fenster mit Bögen wollte

Architektur nach königlicher Wegweisung: Darüber staunen in Bobingen vor dem Pfarrheim die Heimatforscher Reinhold Lenski und Franz Xaver Holzhauser (von links) sowie (vorne) die Nachfahren des Architekten, Elfrun Koch, Ferdinand und Waltraut Koch.
Bild: Ingeborg Anderson

Plus Ein großer Baumeister schuf den Lindauer Hafen und die Kulisse für die Rosenheim Cops. In Bobingen wäre er beinahe am Pfarrer gescheitert. Heimatforscher Franz Xaver Holzhauser hat eine königliche Geschichte entdeckt.

Franz Xaver Holzhauser verwundert mit seinen Forschungsergebnissen den Laien immer wieder. Etwa mit einem Vergleich mit anderen Städten, den der Bobinger Heimatforscher zieht: „Wer kennt nicht das Gebäude des ehemaligen Rosenheimer Bahnhofs, das der Kultserie „Rosenheim Cops“ als Kulisse dient? Oder die eindrucksvolle Hafeneinfahrt in Lindau oder den Augsburger Hauptbahnhof? Sie haben eines mit Bobingens Pfarrheim gemeinsam - nämlich den Architekten Eduard Rüber.“ Das war selbst Holzhauser bis zum vergangenen Frühjahr nicht bekannt. Und er hat noch mehr herausgefunden.

Denkmalschutz für Rübers Bauten: Nicht jedoch in Bobingen

Neben dem ehemaligen Kirchbräu und der Stadtpfarrkirche setzt das Pfarrheim von St. Felizitas einen ganz eigenen Akzent in Bobingens Stadtzentrum. Mit seiner roséfarbenen Fassade, dem weißen Giebelfries und den Rundbogenfenstern ist es nicht zu übersehen. Und mancher mag sich fragen, was es mit seinem, für Bobingen ungewöhnlichen Erscheinungsbild auf sich hat.

Heimatforscher Franz Xaver Holzhauser, der vor gut 30 Jahren das Pfarrarchiv einrichtete, hat sich in den vergangenen Monaten erneut mit dem Bauwerk beschäftigt. Er hat Überraschendes herausgefunden und darüber einen Beitrag auf der Internetseite des Heimatvereins D’Hochsträßler veröffentlicht: Mit der Identifizierung des Architekten reiht sich das 1838 bis 1840 als Pfarrhaus errichtete Pfarrheim in die Reihe bedeutender Bauten in Bayern ein, die von Rüber (1804 bis 1874) entworfen wurden. Viele davon stehen unter Denkmalschutz. Nicht das Pfarrheim von Bobingen.

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Ein Augsburger wurde zum bayerischen Architekten

Joseph Maria Eduard Pascal Rüber wuchs in Augsburg auf und studierte Architektur bei Friedrich Wilhelm von Gärtner, dem Hofbaumeister von König Ludwig I. Mit seinen Bauten – wie etwa der Staatsbibliothek – bei denen er Elemente der Romanik und vor allem der italienischen Frührenaissance aufnahm, hat er Münchens Stadtbild entscheidend geprägt. Sein historistischer Stil beeinflusste auch den jungen Rüber, der ab 1830 wieder in Augsburg lebte und rasch Karriere machte.

Er stieg zum Zivilbauinspektor bei der Regierung von Schwaben und Neuburg auf. Ab 1842 war er als Architekt bei der Eisenbahn-Kommission mit dem Projektieren zahlreicher Bahnhöfe und den dazugehörigen Hochbauten in Bayern befasst – etwa Nürnberg, Bamberg, Erlangen, Fürth.

Als der Pfarrer klagte, griff der König ein

Diese bedeutende Position verdankte er dem Wohlwollen des Königs. Und diese kam ihm auch bei der Planung des Bobinger Pfarrheims zugute, wie Franz Xaver Holzhauser herausfand. Es kamen nämlich zunächst Bedenken an Rübers Plan auf. „Der Entwurf erschien der Kirchenverwaltung wohl etwas zu städtisch“ sagt er und berichtet, dass der damalige Pfarrer Franz Xaver Ebentheuer sich 1837 mit einem Gesuch an den König wandte. Die im Entwurf vorgesehenen Rundbogenfenster sollten durch viereckige ersetzt werden, weil sie erhöhte Bau- und später Heizkosten nach sich zögen. Und der Winter sei in Bobingen lang und kalt, das Holz teuer, klagte er. Aber der König ordnete an, „dass eine Abweichung von dem allerhöchst genehmigten Entwurfe nicht stattfinden dürfe“.

Für seinen Entwurf hatte Rüber das gestalterische Motiv des Rundbogenfrieses am Turm der Stadtpfarrkirche aufgenommen und so dem Giebel eine sakrale Anmutung gegeben. Was durch ein Kreuz in der Giebelspitze noch unterstrichen wurde.

Das Erscheinungsbild des Pfarrhauses änderte sich durch Renovierungen in den 1960er- und 1970er- Jahren, als es zum Pfarrheim umgebaut wurde: „Leider wurde damals das Gurtgesims, das unter den Fenstern des ersten Stocks um das Gebäude lief, entfernt und das originale Giebelfries verändert“, bedauert Franz Xaver Holzhauser.

Und noch eine weitere Entdeckung hat der Musiker und Kulturpreisträger, der zu vielen Themen der Heimatgeschichte sorgfältig die Archive durchforstet, gemacht. Er fand heraus, dass die Ur-, Ur- Urenkel des Architekten noch in München leben und selbst zur Biografie ihres Vorfahren einiges an Material zusammengetragen haben. Er lud sie kurzerhand nach Bobingen ein. Die Geschwister Elfrun, Ferdinand und Waltraud Koch waren überrascht: „Wir hatten keine Ahnung, dass es in Bobingen ein Gebäude unseres Vorfahren gibt. Es ist für uns ein interessantes Erlebnis, das Pfarrheim zu sehen und uns mit Herrn Holzhauser auszutauschen“, sagte Elfrun Koch bei ihrem Besuch.

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