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Königsbrunn

30.01.2019

Warum die Uniklinik die Wohnungsnot verstärkt

Das Augsburger Klinikum ist seit dem 1. Januar offiziell Uniklinik. Die alten Gebäude werden saniert, in der Umgebung entsteht ein neuer Uni-Campus. Das Großprojekt wird sich auch auf Königsbrunn auswirken.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Der Bedarf an Wohnraum steigt, im Wettbewerb um Fachkräfte kommt ein großer Konkurrent - wie sich der Augsburger Medizin-Campus auf Königsbrunn auswirkt.

Die Umwandlung des Augsburger Klinikums zur Uniklinik ist in vollem Gange. In diesen Tagen beginnen wie berichtet die ersten Bauarbeiten für die neuen Gebäude. Der Königsbrunner Stadtrat hat sich nun Expertenrat geholt, was das Großprojekt in der Nachbarschaft an Effekten für die Stadt und die Bürger mit sich bringen könnte. Am Dienstagabend zeigte sich: Mehr Wohnraum zu schaffen wird noch wichtiger, dazu wird die Konkurrenz um Fachkräfte im Gesundheitsbereich deutlich steigen.

Dr. Sonja Stiller vom Büro Economic Trends Research aus Hamburg stellte den Stadträten ihre Erkenntnisse vor. Das Büro hatte bereits für den gesamten Wirtschaftsraum mit Stadt und Landkreis Augsburg, sowie dem Landkreis die Auswirkungen der Uniklinik analysiert und jetzt auf Wunsch der Stadträte einen speziellen Blick auf die Königsbrunner Situation geworfen. Ihr Ergebnis: Neue wirtschaftliche Impulse werden sich für die Stadt kaum ergeben, die Infrastruktur wird aber umso mehr gefordert.

Straßenbahn als Maßnahme gegen die Pendlerströme

Denn auf den 13,5 Hektar Land am Klinikum sollen einmal 1500 Studenten unterrichtet werden, 100 Professoren und 400 wissenschaftliche Mitarbeiter sollen dort arbeiten. Diese Menschen und ihre Familien müssen irgendwo wohnen, die Kinder müssen betreut werden. Bis zu 6530 Arbeitsplätze können durch das Uniklinikum entstehen, rechnete Stiller vor. Viele davon im mittlereren bis oberen Gehaltsbereich. Dadurch werden die Mieten und Kaufpreise für Immobilien in Augsburg weiter steigen und mehr Menschen im Umland nach Wohnraum suchen, sagte Stiller. Dazu gehören auch Studenten, die dringend günstigen Wohnraum brauchen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 nach Königsbrunn, da sich die Zahl der Pendler nach Augsburg sicher weiter erhöhen werde.

Zudem wird die Uniklinik für eine gesteigerte Konkurrenzsituation im Werben um Fachkräfte sorgen. Denn gerade im Bereich Dienstleistungen und im Gesundheitssektor bringe die Uniklinik neue Jobchancen. Durch die Größe ist die Klinik ein attraktiver Arbeitgeber für Pflegekräfte, Büroangestellte, aber auch für die künftigen Auszubildenden.

Königsbrunn wird wohl nicht zum Hightech-Standort

Große Neuansiedlungen von Firmen seien für Königsbrunn aber nicht zu erwarten, sagte Stiller. Um Heimstatt für Medizinkongresse zu werden, fehlen sowohl die leichte verkehrstechnische Erreichbarkeit, als auch die Hotel-Kapazitäten und eine geeignete Halle. Hightech- Unternehmen, die aus der Forschungsaktivität von Unikliniken entstehen, siedelten sich gewöhnlich in fußläufiger Entfernung um die Klinik an. Wirtschaftliche Effekte seien eher in der Bauphase zu erwarten, falls Königsbrunner Handwerker dort zum Zuge kommen.

Wichtig war Stiller die Feststellung, dass alle diese Effekte nicht von heute auf morgen eintreten würden. Nach der Fertigstellung der Uniklinik brauche es Zeit, bis sich diese auch ein Renommee erarbeitet habe und die angedachten Professuren allesamt besetzt werden können. Zehn bis 15 Jahre könne dieser Prozess durchaus dauern, schätzt sie.

In Pflege und Kinderbetreuung ist schon jetzt Fachpersonal knapp

Bürgermeister Franz Feigl (CSU) sagte, die Ergebnisse gerade beim Thema Wohnbau könne man in die Diskussion zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept einfließen lassen. Er frage sich vielmehr, wo die zusätzlichen Fachkräfte für Kindergärten und Pflegeeinrichtungen herkommen sollen. Schon jetzt sei die Lage angespannt: „Letztes Jahr hatten wir zum ersten Mal einen Senior in der Stadt, für den sich keine ambulanter Pflegedienst fand.“ Florian Kubsch erneuerte die Forderung der SPD-Fraktion, den Wohnungsbestand der GWG auf 1000 Wohnungen aufzustocken, um die zu erwartenden Verdrängungseffekte auf dem Augsburger Wohnungsmarkt abzufedern. Alexander Leupolz (CSU) erwiderte, die Aufstockung sei sicher wünschenswert, aber nur mittel- bis langfristig machbar, denn das Geld dafür müsse von der Stadt kommen. Wichtig sei die Ursula Jung (Grüne) verwies auf die schon jetzt angespannte Wohnungssituation für Studenten in Augsburg. Doris Lurz brachte das Hochtief-Gelände als Standort ins Gespräch.

Das Hochtief-Gelände sieht auch unser Redakteur Adrian Bauer als Chance für den Wohnungsbau. Lesen Sie dazu den Kommentar: Bringt die Uniklinik ein Umdenken beim Hochtiefareal?

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