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Kreis Augsburg

23.08.2018

Wenn den Fischen die Luft ausgeht

Vor allem Forellen leiden unter der starken Hitze.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Bei warmen Wassertemperaturen und niedrigen Pegelständen leiden vor allem die Forellen. Wie die Hitze das Leben in den heimischen Gewässern beeinflusst.

 Frisch wie ein Fisch im Wasser fühlten sich bei der Hitze der letzten Tage wohl nur die wenigsten Menschen. Doch die Tiere im Wasser haben mit den Folgen mindestens ebenso sehr zu kämpfen. Bei steigender Temperatur nimmt die Speicherfähigkeit der Gewässer für Sauerstoff ab. Mit anderen Worten: Den Fischen geht im warmen Wasser langsam die Luft aus.

Oliver Born, Leiter der Fischereifachberatung im Bezirk Schwaben, berichtet von einer kritischen Lage. „Die Pegel der Gewässer sinken immer weiter, das Grundwasser sackt ab, die Bäche liegen stellenweise trocken.“ Im Landkreis Augsburg leide vor allem die Wertach unter diesem Mangel. In ihrem südlichen Verlauf, im Allgäu, gibt es erste Anzeichen eines Fischsterbens, berichtet Born: „Das ist ein schleichender Prozess, ein schleichendes Sterben.“ Vor allem die sogenannten Salmoniden, Fische wie Forellen und Saiblinge, leiden unter Sommerhitze und Trockenheit. „Salmoniden brauchen zwei Dinge: viel Wasser und kaltes Wasser. Beides haben wir derzeit nicht“, sagt der Fachberater. Selbst für Karpfen, die höhere Temperaturen tolerieren, werde der Sauerstoffgehalt in den Teichen allmählich dünn.

Auch Pflanzenwachstum macht Fischen zu schaffen

Reinhard Reiter vom Fischereiverein Meitingen erklärt: „Sinkt im Wasser der Sauerstoffgehalt unter fünf Milligramm pro Liter, wird es für die Fische gefährlich.“ Reiter ist zudem stellvertretender Direktor des Instituts für Fischerei in Starnberg und kennt sich mit der Problematik bestens aus. Der Grund für den Mangel liegt auch in der Pflanzenwelt unter Wasser. „Das Pflanzenwachstum ist bei diesen Temperaturen höher“, sagt Reiter. Und wenn Wassergewächse und Algen sprießen, sinkt der Sauerstoffgehalt. Dadurch ändere sich auch der pH-Wert im Wasser, es wird basischer. „Ab einem Wert von 8,5 wird es dann kritisch für die Fische“, erklärt Reiter.

Wenn den Fischen die Luft ausgeht

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Der Fischereiverein Langerringen bewirtschaftet sechs Flüsse und Weiher. „Über einen Meter ist der Wasserpegel im Langerringer Baggersee gesunken“, berichtet Vorsitzender Franz Erber. „Und das wenige Wasser heizt sich schnell auf.“ Dennoch habe der Verein im Baggersee noch keine Ausfälle verzeichnen müssen. Anders sieht es da im Riedweilergraben aus. Der Zufluss zur Singold sei an vielen Stellen ausgetrocknet, sagt Erber. Er spricht von einem Totalverlust. Viele Fische seien in andere Gewässer ausgewichen, Tausende Bachkrebse verendet – und diese Kleintiere sind wiederum eine Nahrungsgrundlage für die Forellen. „Die Zucht- und Teichanlagen des Vereins werden über ein Rohrsystem von der Gennach gespeist“, sagt Erber. „Wir müssen uns bemühen, genügend Frischwasser für die Fische zuzuführen.“

An der Singold ist die Lage entspannt

Werner Mihatsch ist Gewässerwart beim Fischereiverein Bobingen. „Der einzige Fluss, der Probleme macht, ist die Wertach“, sagt er. Die Sauerstoffschwankungen im fließenden Gewässer bezeichnet er als gravierend. Derzeit liege die Temperatur der Wertach bei rund 22 Grad – der Wert pendelt normalerweise zwischen 18 und 20 Grad. Entspannter stellt sich dagegen die Lage an der Singold dar. „Die Singold macht sowieso keine Probleme“, sagt der Gewässerwart. „In der Singold gibt es einen permanenten Wasserdurchfluss und keine Stauungen wie an der Wertach, die den Pegel schwanken lassen.“ Die Hitze hat den Fluss nicht durchdrungen, die Temperatur beträgt derzeit 17 Grad – der Idealwert für Forellen liegt zwischen 15 und 16 Grad. „An der Singold haben wir ziemlich viel Schatten und einen großen Baumbestand“, sagt Mihatsch. So finden die Regenbogen- und Bachforellen immer noch ein kühles Plätzchen. Auch der Paintensee bei Schwabmünchen zählt zum Revier des Bobinger Vereins. Dort habe es noch keine Verluste gegeben, sagt Erber. „Die Fische ziehen sich dort aus dem Seichten in die Einlaufgebiete zurück, wo das Grundwasser in den See einfließt.“

Die Tiere wappnen sich gegen die Hitze – und sichern ihr Überleben mit einem Trick: „Der Fisch hält sich beim Fressen zurück“, sagt der Meitinger Reinhard Reiter. Schließlich wird durch die Nahrungsaufnahme noch mehr des knappen Sauerstoffs aufgebraucht. Die Folge: „Der Fisch kann eingehen.“ Bei hohen Temperaturen ist eine Diät für Fische durchaus sinnvoll. „Fische können Wochen und sogar Monate ohne Futter auskommen“, sagt der Fachmann. Dies funktioniere durch ein Runterfahren des Stoffwechsels.

Um diese Gefahr weiß auch Carsten Lange von der Rothtal Forellenzucht und Räucherei in Horgau-Bieselbach. „Bei diesen Temperaturen darf man die Fische auf keinen Fall füttern“, sagt er. Würde bei den aktuellen Konditionen ein Zuchtbetrieb seinen Bestand mit Wachstumszusatz versorgen, müsse parallel flüssiger Sauerstoff ins Wasser eingeleitet werden. Das sind Maßnahmen, die für die Rothtaler Forellenzucht aber nicht infrage kommen. Lange schont seine Fische lieber durch Futterreduzierung. „Bei 35 Grad setzt sich ja auch kein Mensch mittags in die pralle Sonne und häuft sich den Teller voll mit Schweinebraten“, sagt Lange. Er nehme daher lieber in Kauf, dass die Fische etwas langsamer wachsen, dafür aber keinem Stress ausgesetzt sind.

Die Fischereivereine und Züchter selbst haben kaum Möglichkeiten, der Hitze etwas entgegenzusetzen. „Jetzt hilft nur hoffen und Daumen drücken“, sagt Fischfachberater Oliver Born. Er hoffe auf Entspannung und Regen zum Ende dieser Woche. Doch die prognostizierten Niederschlagsmengen seien womöglich noch nicht genug, um die Situation zu entschärfen.

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