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Obermeitingen

14.03.2019

Wie ein 80-jähriger Obermeitinger bayerischer Witzemeister werden will

Siegfried Sandner (Mitte) war bei seinen witzigen Vorträgen bei der schwäbischen Witzemeisterschaft in Schwabmünchen ganz ruhig. Nun möchte der Obermeitinger auch bayernweit gewinnen.
Bild: Uwe Bolten

Siegfried Sandner will bayerischer Witzemeister werden. Er spricht über seinen Humor, seinen Lebenstraum, eine Begegnung mit Sepp Maier und erzählt viele Witze.

Siegfried Sandner kann fast als wandelndes Witzebuch bezeichnet werden. Mehr als 400 hat er im Repertoire. Wie viele Witze er in seinem Leben gehört hat? Vermutlich Tausende, sagt der 80-Jährige aus Obermeitingen. Die schlechten habe er sofort wieder vergessen, doch die lustigsten Witze merkt er sich. Er weiß bei vielen sogar, wer sie ihm wann und wo erzählt hat. Der Obermeitinger ist amtierender schwäbischer Witzemeister, nun greift er nach dem bayerischen Meistertitel.

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Auf der Internetseite des Veranstalters sind die Videos aller fünf Kandidaten zu sehen. Sandners Witz, mit dem er sich zum bayerischen Witzemeister krönen möchte, ist 70 Jahre alt. Sein Opa hat ihm, dem damals gerade einmal zehn Jahre alten Siegfried, die Geschichte vom Förster und dem Dackel erzählt Alte Witze – das ist das „Erfolgsgeheimnis“ von Sandner: „Zwei Jahre alte Witze haben einen langen Bart und keiner lacht mehr darüber. Aber meine Witze kennt kaum jemand, deswegen finden sie viele lustig.“

Warum niemand über Kain und Abel lacht, dafür aber über den TSV 1860 München

Doch nicht jeder kann über Sandners Erzählungen lachen. Sie sind teilweise makaber, schlüpfrig, mal knapp über und dann wieder unter der Gürtellinie. Doch das stört den 80-Jährigen nicht: „Wenn ich Witze über Kain und Abel erzähle, lacht ja keiner.“ Und so gibt der Obermeitinger im Gespräch mit unserer Zeitung immer wieder Witze zum Besten; zum Beispiel von einem kleinen Jungen, der von seinen Eltern geschlagen wird und deswegen zu den Fußballern von 1860 München gehen möchte – da die bekanntlich niemanden schlagen.

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Erfahrung auf der Bühne hatte Sandner bis zu seinem Auftritt in der Stadthalle Schwabmünchen im November 2018 keine. Seine Frau, mit der er seit 51 Jahren verheiratet ist, hat in unserer Zeitung von der Veranstaltung gelesen. Aufgeregt sei er vor dem Auftritt vor 170 Zuschauern nicht gewesen. „Wieso auch, ich habe wegen der hellen Lichter keinen einzigen Zuschauer gesehen“, sagt der 80-Jährige und lacht. Dass er in Schwabmünchen siegte, war für Sandner überraschend: Manche Teilnehmer seien von Gruppen unterstützt worden, andere seien Auftritte auf der Bühne gewohnt; er selbst lag die Tage vor der Veranstaltung mit einer Grippe im Bett. Doch mit seinen Witzen holte sich Sandner den Schwäbischen Meistertitel und qualifizierte sich für das Finale. Dort rechnet er sich keine Chancen auf den Sieg aus: „Mich kennt ja keiner, wer soll denn für mich abstimmen?“, sagt Sandner, der seit 15 Jahren in Obermeitingen lebt.

Obermeitinger traf Sepp Maier beim Skifahren

Zuvor lebte er in München, als Rentner zog er aufs Lechfeld. „Mir gefällt es hier und ich bin sehr glücklich“, sagt der 80-Jährige, der geistig und körperlich topfit ist. Drei Mal in der Woche spielt er im Königsbrunner Schachclub; sein Vater habe nach der Kriegsgefangenschaft dem damals Zehnjährigen das Spiel der Könige beigebracht. Sandner ist zudem bei den Stockschützen und fährt im Winter gerne in Garmisch oder Sölden Ski. Bei einem dieser Ausflüge habe er vor rund 40 Jahren den ehemaligen deutschen Fußballnationaltorhüter Sepp Maier getroffen. „Ein sehr netter Mensch, aber Skifahren konnte er nicht so gut“, sagt Sandner und lacht.

Seinen Lebenstraum erfüllte sich der gelernte Uhrmacher, der später als selbstständiger wissenschaftliche Geräte herstellte und im Deutschen Museum arbeitete, als Pensionär: Er hatte 20 Jahre lang eine Jacht, mit der er vier Monate im Jahr vor der kroatischen Küste unterwegs war. Diese habe er aus Altersgründen verkauft, doch die langen Urlaube in Kroatien bleiben. Jeden Tag vor dem Frühstück ein Kilometer im Meer schwimmen ist für Sandner kein Problem. Wenn er sich mit seinen Schiffsfreunden trifft, sind seine Späße gern gehört. Das Wichtigste beim Witze-Erzählen: „Auf keinen Fall selbst lachen“, sagt Sandner.

Sandners Witz über einen Japaner und einen Oberbayern

Zum Abschluss des Gesprächs erzählt er einen letzten Witz: von einem Oberbayern, der sich mit einem Japaner über einen Parkplatz streitet. Nachdem der Asiate den Münchner mit den heimischen Künsten – Karate und Jiu Jitsu – zweimal zu Boden bringt, schafft dieser die Wende. Ebenfalls mit etwas Japanischem: einem Wagenheber von Toyota.

Harald Meier rief Witzemeisterschaft 2009 ins Leben

Harald Meier ist Moderator, Erfinder und Organisator der Witzemeisterschaft; die Idee wurde 2009 ins Leben gerufen. In der Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern und in Franken ist die Veranstaltung etabliert, Schwaben feierte 2018 seine Premiere. Die Sieger in jedem Regierungsbezirk qualifizieren sich für die bayerische Witzemeisterschaft, die vergangenes Jahr erstmals stattfand. Der Gewinner wird über eine Online-Abstimmung unter www.witzemeisterschaft.de ermittelt. Im vergangenen Jahr haben mehr als 4000 Menschen gültige Stimmen abgegeben, sagt Moderator Meier im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe sich für die Internetabstimmung entschieden, da die Austragung an einem neutralen Ort durchgeführt werden soll. „Und so kann wirklich jeder aus Bayern mitmachen und nicht nur eine Jury. Der Witzemeister soll ja von allen kommen“, sagt Meier.

Freibier beim Online-Voting zu gewinnen

Das Voting läuft bis Freitag, 15. März, 11.30 Uhr. Wer abstimmt, nimmt gleichzeitig an einer Verlosung teil: Zu gewinnen gibt es Freibier von Arcobräu, dem Sponsor der Witzemeisterschaft. Der bayerische Witzemeister wird am Samstagabend gekürt.

Anmeldung für die schwäbische Witzemeisterschaft in Fischach

Bereits jetzt können sich alle, die gerne Witze erzählen, für die Teilnahme am diesjährigen Wettbewerb bewerben. Der Wettstreit für die schwäbische findet am Samstag, 5. Oktober, in der Staudenlandhalle in Fischach statt.

Das ist der Finalwitz von Siegfried Sandner

Ein Mann geht an einem herrlichen Sonntagmorgen am Waldesrand entlang spazieren. Auf einmal verspürt er einen Druck: Er zieht die Hose herunter, geht in die Knie und macht auf den Boden. Und wie er so dasitzt, sieht er von Weitem den Förster. Der Mann denkt sich: „Um Gottes Willen. Wenn der Förster sieht, dass ich da neben den Weg hingemacht habe, muss ich eine Strafe zahlen. Das decke ich jetzt mit Gras zu.“ Als er seine Hinterlassenschaft zudecken möchte, findet er sie aber nicht mehr. Er schaut über all nach, auch in seiner Unterhose – aber da ist nichts. Auf einmal steht der Förster neben ihm und fragt ihn, was er da mache? „Wissen’s Herr Förster, ich suche meine goldene Taschenuhr; die habe ich hier irgendwo verloren.“ Daraufhin sagt der Förster: „Die komischsten Sachen passieren heute im Wald: Sie suchen ihre goldene Taschenuhr und ich suche den Saubären, der auf meinen Dackel geschissen hat.“

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