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Königsbrunn

05.04.2019

Windpocken: 29 Schüler fehlen im Unterricht

Am Gymnasium Königsbrunn wurden jetzt Schüler vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie keine Impfung gegen Windpocken vorweisen konnten. Dabei wird die Impfung erst seit 2004 empfohlen.
Bild: Teresa Reindl

Plus Am Gymnasium Königsbrunn wurden Jugendliche vom Schulbesuch ausgeschlossen. Nun verpassen sie Schulaufgaben. Warum nur die Jahrgänge ab 2004 betroffen sind.

Nach dem Aufruhr um den Ausschluss zahlreicher Schüler wegen Windpockenalarm am Königsbrunner Gymnasium kehrt an der Schule langsam wieder Normalität ein. 29 Schüler fehlten laut Schulleiterin Eva Focht-Schmidt am Freitag, weil sie nicht gegen die hoch ansteckende Krankheit geimpft sind und sie auch noch nicht hatten. Die Zwangspause dauert maximal bis zu den Osterferien.

Den Jugendlichen geht in den anderthalb Wochen nicht nur Unterricht verloren, sie verpassen auch zahlreiche Schulaufgaben, die jetzt angesetzt sind. „Ich habe selbst drei betroffene Kinder in meiner Klasse. Für sie werden Nachholschulaufgaben angesetzt, wenn sie wieder im Stoff drin sind“, sagt Focht-Schmidt. Das werde natürlich nicht gleich nach den Osterferien der Fall sein.

Die Schüler am Gymnasium Königsbrunn leiten sich gegenseitig Schulstoff weiter

Die fehlenden Jugendlichen werden wie bei „normalen“ Krankheitstagen über den Stoff und die Hausaufgaben auf dem Laufenden gehalten, sagt Focht-Schmidt: „Die Schüler sind da gut organisiert. Viel wird über WhatsApp weitergeleitet. Was darüber nicht klappt, wird über Mitschüler an die Eltern weitergegeben.“ Das System scheine gut angelaufen zu sein.

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Dass auch ihr Sohn im Gymnasium Königsbrunn vom Unterricht ausgeschlossen wurde, versteht Ulrike Willutzki nicht. Er sei bereits geimpft, nur habe er die zweite Impfung nicht bekommen. „Von der wusste ich nichts. Bei einer anderen Impfung hat der Arzt sogar das Impfbuch meines Sohnes durchgesehen und den zweiten Teil der Windpockenimpfung nicht erwähnt“, berichtet die Bobingerin. Sie sei am Donnerstag mit ihrem Sohn beim Arzt gewesen, um seine Resistenz gegen den Erreger überprüfen zu lassen.

Wenn ihr geimpfter Sohn trotzdem zu Hause bleiben muss, muss er eine Schulaufgabe nachschreiben

Den Bescheid habe sie beim Gesundheitsamt eingereicht und hoffe, dass ihr Sohn nächste Woche wieder in die Schule darf. Dann stehe nämlich eine Klausur an, die er sonst nachschreiben müsse. Das Gesundheitsamt hätte sich in ihrem und ähnlichen Fällen kulanter zeigen sollen, findet Ulrike Willutzki.

Außerdem kritisiert sie, dass zwar das Sekretariat der Schule am Montag Überstunden machte, um alle Eltern zu kontaktieren. „Als mich die Dame vom Gymnasium gegen 16.30 Uhr an das Gesundheitsamt weiterleitete, erreichte ich da allerdings niemanden mehr.“ Auch verstehe sie nicht, warum nur Kinder der Jahrgänge 2004 und jünger von den Maßnahmen des Gesundheitsamts betroffen sind.

Der Grund dafür ist die Impfempfehlung gegen Windpocken der Ständigen Impfkommission. Die Experten legten allen Kindern und Jugendlichen erstmals im Jahr 2004 nahe, sich gegen Varizellen impfen zu lassen – so heißen die Windpockenerreger im Fachjargon. Die Empfehlung gilt weiterhin.

Wer vor 2004 geboren wurde, hatte meist keine Impfung und war deshalb wahrscheinlich schon krank

„Die Jahrgänge vor 2004 haben zum allergrößten Teil bereits Windpocken gehabt“, sagt Marieke Degen, stellvertretende Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts. Weil damals noch kaum geimpft worden sei, sei fast niemand ohne Windpocken durch die Kindheit gekommen. Deswegen empfehle das Institut in diesem Fall keinen Ausschluss vom Unterricht und auch keine sonstigen Maßnahmen.

Seitdem 2004 werden immer mehr Kinder und Jugendliche schon in den ersten Lebensjahren gegen die Krankheit geimpft, 2016 zählte das Robert-Koch-Institut rund 80 Prozent geimpfte Kinder bei den Schuleingangsuntersuchungen in Bayern. Die Empfehlung hatte beachtliche Auswirkungen: Bis 2012 beobachteten die Wissenschaftler einen Rückgang der Erkrankungen um 85 Prozent im Vergleich zu den Zahlen vor der Impfempfehlung. Am meisten profitierten Kinder unter zehn Jahren. 2017 zählte das Institut noch 5506 gemeldete Fälle in Bayern bei 12,8 Millionen Einwohnern.

Das Gesundheitsamt habe sich genau an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und an das Infektionsschutzgesetz gehalten, sagt Jens Reitlinger von der Pressestelle des Landratsamts Augsburg-Land. Nach Angaben der Schule wurden die Jahrgänge vor 2004, wie von den Experten empfohlen, nicht überprüft. Ob sich darunter Schüler befinden, die nicht immun sind, ist somit nicht bekannt.

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