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Königsbrunn

04.04.2019

Windpocken am Gymnasium: Ungeimpfte Schüler müssen zu Hause bleiben

Windpocken sorgen am Gymnasium in Königsbrunn für Alarm. Das Gesundheitsamt fordert Eltern auf, ihre Kinder impfen zu lassen.
Bild: Abda, dpa (Symbol)

Wegen zweier Kinder mit Windpocken am Gymnasium Königsbrunn werden Hunderte Schüler überprüft. Einige dürfen nicht mehr in den Unterricht.

Die Windpocken sorgen derzeit für Alarm in Königsbrunn: Am Gymnasium sind zwei der mehr als 1100 Schüler erkrankt. Das staatliche Gesundheitsamt hat in einer Eilaktion alle Kinder identifiziert, die sich anstecken könnten. Sie müssen bis zu den Osterferien zu Hause bleiben.

Weil Windpocken eine meldepflichtige Krankheit sind, hatte das Gesundheitsamt von den beiden betroffenen Schülern erfahren. Die Behörde setzte sich umgehend mit dem Gymnasium Königsbrunn in Kontakt, um die Maßnahmen mit der Schulleitung abzusprechen.

Das Schulkonzept am Gymnasium Königsbrunn macht die Angelegenheit komplizierter

Üblicherweise werde in einem solchen Fall überprüft, ob in den Klassen der kranken Schüler Kinder sind, die nicht gegen Windpocken immun sind, erklärt der stellvertretende Pressesprecher des Landratsamts, Jens Reitlinger. Weil das Gymnasium Königsbrunn aber ein offenes pädagogisches Konzept habe und Schüler aller Jahrgänge viel Kontakt zueinander hätten, habe das Gesundheitsamt nicht nur einzelne Klassen, sondern alle Schüler überprüfen müssen.

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Schüler, die nicht geimpft sind, müssen zu Hause bleiben. Das hat das Gesundheitsamt gegenüber unserer Redaktion bestätigt. Betroffen sind nach Aussage der Elternbeiratsvorsitzenden Anja Wagner die Jahrgänge 2005 und jünger. Damit sind Lehrer und Angestellte der Schule nicht betroffen. Die Schule habe eine Rundmail an die Eltern geschickt, in der sie über den Fragebogen informierte, berichtet Wagner.

Schüler müssen Impfung gegen Windpocken oder die Krankheit selbst nachweisen

Die Schule verteilte am vergangenen Montag ein Schreiben an alle Kinder, die nach 2003 geboren wurden. Bis Mittwoch mussten die Schüler für das Gesundheitsamt nachweisen, dass sie entweder gegen Windpocken geimpft sind oder die Krankheit bereits selbst hatten und so gegen den Erreger immun sind. Alternativ konnten sie sich eine sogenannte Riegelungsimpfung geben lassen, die in den ersten fünf Tagen nach dem Auftreten der Windpocken davor schützt, sich anzustecken. Diese Frist ist inzwischen verstrichen. Andernfalls galt ab Donnerstag für 16 Tage ein Ausschluss vom Unterricht. Praktisch bedeutet das sieben verpasste Schultage bis zu den Osterferien. Für 30 bis 40 Schüler kam es genau so.

„Wir sind uns dessen bewusst, dass die Maßnahme als sehr drastisch wahrgenommen werden könnte“, sagt Martin Miller, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts. „Allerdings würden wir uns eine solche Entscheidung niemals leicht machen und verfahren stets nach dem Verhältnismäßigkeitsprinzip, wenn eine solche Sachlage vorliegt.“

Die größte Gefahr sind die Windpocken nicht für die Schüler des Gymnasiums Königsbrunn

Im Fall des Gymnasiums Königsbrunn gehe es nicht nur darum, die gefährdeten Kinder vor den Windpocken zu schützen. Wenn Erwachsene sich mit der Krankheit infizieren, könne das schwerwiegende medizinische Komplikationen nach sich ziehen. Besonders risikoreich sei die Krankheit für Schwangere.

Am Donnerstag beschwerten sich einige aufgebrachte Eltern bei der Schulleitung: Sie hatten das Formular des Gesundheitsamts nicht rechtzeitig abgegeben. Am Donnerstag durften ihre Kinder deswegen nicht mehr zum Unterricht, obwohl sie immun gegen Windpocken seien. Die Behörde stellte klar, dass der Ausschluss vom Unterricht jederzeit aufgehoben werden könne, sobald nachgewiesen sei, dass die betroffenen Kinder immun gegen Windpocken seien.

Wann können Windpocken gefährlich werden?

Windpocken sind eine Viruserkrankung. Der verursachende Virus gehört zur Familie der Herpesviren. Der Virus kann in zwei klinischen Formen auftreten: klassische Windpocken (Varizellen) und als Gürtelrose (Herpes zoster). Windpocken sind weltweit verbreitet und gelten unter den so genannten Kinderkrankheiten am häufigsten.

Windpocken sind vor allem wegen der möglichen Komplikationen gefährlich: Bakterien können die Bläschchen und Papeln angreifen, eine Lungenentzündung kann auftreten oder das Zentralnervensystem kann in Mitleidenschaft gezogen werden.

Vor allem für Schwangere ist eine Infektion mit Windpocken besonders gefährlich. Bei ihnen kann die Infektion auch öfter schwer verlaufen.

Anders als noch vor wenigen Jahren, überprüft inzwischen das Gesundheitsamt nicht nur im akuten Fall, sondern auch vor der Einschulung den Impfpass der Schüler.

Eine Impfpflicht für Windpocken gibt es nicht

Die Ständige Impfkommission Stiko empfiehlt für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter anderem eine Immunisierung gegen Tetanus, Masern, Röteln und inzwischen auch Windpocken – eine Impfpflicht gibt es allerdings nicht.

Niemand kann gezwungen werden, sich impfen zu lassen. Allerdings müssen Schüler nachweisen, sich zumindest über eine mögliche Impfung beraten haben zu lassen. (mit zian)

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