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Landkreis Augsburg
03.01.2022

Warum eine junge Königsbrunnerin sich für die Umwelt einsetzt

Als Schülerin lief Nina Tuchscherer bei Fridays-for-Future-Demonstrationen in Augsburg mit. Wegen der Pandemie seien solche Demos in den letzten beiden Jahren schwierig geworden, sagt sie.
Foto: Klaus Rainer Krieger (Archivbild)

Die 19-jährige Nina Tuchscherer aus Königsbrunn gehörte zu den Fridays-for-Future-Aktivisten der ersten Stunde. Sie erklärt ihre Perspektive zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist ein Thema, das vor allem jungen Menschen am Herzen liegt. Warum, glauben Sie, ist es vor allem die jüngere Generation?

Nina Tuchscherer: Ganz einfach: Weil es um unsere Zukunft geht. Man muss sich bloß anschauen, wie viele Leute in meinem Alter Angst haben, Kinder zu bekommen, weil sie sich nicht sicher sind, ob sie diese in eine Welt hineinsetzen möchten, die kurz vor der Klippe steht. Wenn man erst einmal im Themenkomplex Klima und Umwelt drin ist, kann man nicht mehr positiv sehen. Es kommt ein riesiger Frust auf, warum die Politik nichts ändert und nicht offen dafür ist, Diskurse zu führen. Wir wissen, dass eine Klimakatastrophe kommen wird und dass sie uns betrifft.

Normalerweise können jüngere Menschen von älteren Menschen mit mehr Lebenserfahrung lernen. Ist das in diesem Fall andersherum?

Tuchscherer: Ich glaube, man kann immer voneinander lernen. Auf jeden Fall sollten ältere Leute sich anhören, was wir zu sagen haben. Sie sind nicht wie wir mit dem Thema aufgewachsen. Beim Umweltschutz handelt es sich um ein "Wir-Problem", kein "Ihr-Problem".

Die 19-Jährige Königsbrunnerin Nina Tuchscherer findet nachhaltige Alternativen wie verpackungslose Supermärkte gut. Sie sieht aber ein Problem: "Es ist eine schöne Idee, aber vor allem für Leute, die es sich leisten können."
Foto: Steve Klier

Was genau fordert "Ihr", wenn Sie stellvertretend für Ihre Forderungen, die Ihrer Freunde und Ihrer Generation sprechen?

Tuchscherer: Wichtig ist, dass die Politik Rahmenbedingungen schafft, um auf die Umwelt aufzupassen. Diese sollten verpflichtend sein, damit es keine größeren Diskussionen mehr gibt. Mir ist klar, dass es leichter gesagt als getan ist. Teurere Spritpreise betreffen nämlich vor allem arme Leute. Sie sollten aber Konzerne einschränken. Ich finde, der einzelne Konsument ist nicht so viel schuld, wie man denkt. Natürlich kann man selbst etwas bewegen, aber nicht so viel, wie es bei einer großen politischen Entscheidung der Fall wäre.

Haben Sie Hoffnung, dass sich mit der neuen Regierung etwas ändert?

Tuchscherer: Ich bin nicht hundertprozentig zuversichtlich. Es ist immer noch die Politik und es geht immer noch um viel Geld und Macht. Profit steht heutzutage im Vordergrund. Das steht Umwelt- und Klimaschutz meiner Meinung nach im Wege.

Für den Kohleausstieg, gegen die Erderwärmung: Das waren und sind Forderungen von Schülerinnen und Schülern bei den Fridays-for-Future-Demos in der Augsburger Innenstadt.
Foto: Elisa Glöckner (Archivbild)

Wie erleben Sie das Thema Nachhaltigkeit in Ihrer Heimat Königsbrunn?

Tuchscherer: Das Erste, das mir einfällt, ist, dass es jetzt eine Straßenbahn in Königsbrunn gibt. Die sorgt vielleicht dafür, dass mehr Menschen ihr Auto stehen lassen. Aber das Streifenticket für einmal nach Augsburg ist teuer. Deswegen kann man es Leuten kaum verübeln, wenn sie doch das Auto nehmen.

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Was schlagen Sie vor?

Tuchscherer: Ausbauen sollte man auf jeden Fall generationsübergreifende Aktionen und Informationsveranstaltungen, an denen sich sowohl junge als auch ältere Leute beteiligen können. Das Thema soll zur Angelegenheit für jedermann werden.

Was denken Sie über nachhaltige Alternativen wie verpackungslose Supermärkte oder Secondhand-Mode?

Tuchscherer: Ich finde es problematisch, dass viele verpackungsfreie Sachen zu teuer sind. Für Schüler oder Studenten sind sie nur schwierig zu bezahlen. Solche Supermärkte sind eine schöne Idee, aber vor allem für Leute, die es sich leisten können. Im persönlichen Rahmen kann man zum Beispiel beim Obstkauf sein eigenes Netz mitnehmen oder plastikfreies Shampoo kaufen. Ich denke, damit wirklich etwas bewegt wird, sollte es generell in Supermärkten keine Plastiktüten für Obst mehr geben.

Nina Tuchscherer hat Anfang des Jahres im Königsbrunner Jugendzentrum Matrix die Diskussions-Reihe "Komm, Erde retten" moderiert.
Foto: Matrix (Archivbild)

Häufig werden junge Menschen, die sich für Nachhaltigkeit und Klimaschutz einsetzen, der Heuchelei bezichtigt: freitags auf die Straße gehen, um zu demonstrieren, aber nach Australien reisen. Was denken Sie darüber?

Tuchscherer: Nachhaltig zu leben kann nicht jeder perfekt hinbekommen, da jeder unterschiedliche Bedürfnisse hat, die er auch befriedigen dürfen sollte. Jeder Schritt in Richtung Klimaschutz ist ein wichtiger. Es macht keinen Sinn, sich in dieser globalen Krise gegenseitig auf die Finger zu hauen.

Zur Person: Nina Tuchscherer ist 19 Jahre alt, kommt aus Königsbrunn und hat sich während der Schulzeit bei Fridays for Future engagiert. Die Philosophie- und Literaturwissenschaftsstudentin ist mit den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit in ihrer Familie schon früh in Kontakt gekommen. Anfang des Jahres moderierte die Königsbrunnerin im Jugendzentrum Matrix die Veranstaltungsreihe "Komm, Erde retten", in der sie mit verschiedenen Gästen aus dem Umweltbereich diskutierte.

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