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Bobingen

16.10.2020

Bobinger Lauflegende Herwig Leiter wird 80

Herwig Leiter war immer schon ein akribischer Arbeiter. Über 1500 Veranstaltungen für ein Jahr trug er beispielsweise auf einer Karte zum Volkslauf 1986 händisch ein. Hier hält er sie zusammen mit Enkelin Carlotta hoch.
Bild: Reinhold Radloff

Plus Herwig Leiter feiert heute Geburtstag. Mit einer selbst entwickelten Uhr schuf er 1963 die Voraussetzungen für den Bobinger Volkslauf.

Er ist eine lebende Legende der Leichtathletik in Bobingen: Herwig Leiter. Heute feiert er coronabedingt in kleinem Rahmen seinen 80. Geburtstag bei ordentlicher Gesundheit und sportlich noch immer aktiv. Das wöchentliche Jogging-Ausdauertraining lässt er sich nicht nehmen. Doch es gibt auch andere Dinge, die ihm in seinem Leben wichtig sind.

Sport, das war für Herwig Leiter schon von Kindesbeinen an sehr wichtig, auch wenn seine Eltern zunächst strikt dagegen waren, dass er sich den Leichtathleten beim TSV Bobingen anschloss. Warum? „Ich weiß es nicht“, sagt er. Mit 15 Jahren setze er sich über das elterliche Verbot hinweg und konnte ab dann seinem geliebten Laufen auch mit anderen frönen.

Vom Flüchtling zum Fahrer, zum Sportveranstalter

Mit fünf Jahren kam Leiter als Flüchtling aus dem Sudentenland mit seiner Familie nach Bobingen, absolvierte die Schule, und begann seine Berufslaufbahn als technischer Angestellter bei der Firma Hoechst. Nach seiner Bundeswehrzeit 1955, schon verheiratet und mit Kindern und voll im Berufsleben steckend, gönnte er sich noch den zweiten Bildungsweg.

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Mess- und Regelverfahren, das war dort seine spannende Welt bei Hoechst. Und die führte ihn auch dazu, seine Kenntnisse im Sport einzusetzen, und zwar beim ersten Volkslauf am 13. Oktober 1963, den Otto Hosse zusammen mit Herwig Leiter in Bobingen veranstaltete und bei dem sie auf Anhieb 1654 Läufer auf die rund zehn Kilometer lange Strecke schicken konnten. „Das war ein Großereignis in der Stadt“, betont der Rentner rückblickend begeistert und fügt hinzu: „Die Zeiterfassung war das große Problem dabei. Darum kümmerte ich mich und erfand spezielle Uhren.“ Und weil er das so gut machte, wurden der deutsche und der bayrische Leichtathletikverband (BLV) auf ihn aufmerksam. Von da an schrieb er Zeitpläne für die unterschiedlichsten Sportarten (Skilanglauf, Rad, Schwimmen) und zog viele Hunderte Veranstaltungen quer durch Deutschland durch. Die Konsequenz: Leiter war von 1969 bis 2006 Volkslaufwart beziehungsweise Breitensportwart beim BLV und von 1973 bis 1992 stellvertretender Volkslaufwart beim DLV. Alle Arten von Langstreckenläufen waren sein Metier, egal ob Berglauf, Lauftreffs, Crossläufe oder Marathons. Alles probierte er auch selbst aus, erinnert sich besonders gerne daran, dass er nach einem Marathon in Athen ins legendäre Olympiastadion einlaufen durfte. „Ich spürte schon früh, dass aus mir kein Leistungs- oder Spitzensportler wird“, sagt er und erzählt von familiären Rückschlägen und verschiedenen Krankheiten, die ihn gesundheitlich immer wieder weit und nachhaltig zurückwarfen.

Sein Rat, sein Organisationstalent und seine Fachkenntnisse waren den Verbänden und dem TSV Bobingen, bei dem er viele Jahre unter anderem stellvertretender und Abteilungsleiter war, auch wichtiger. Der Breitensport lag ihm immer besonders am Herzen. Und er erkannte schon sehr früh die Wichtigkeit und die Möglichkeiten von Seniorenleichtathletik. „Es kostete mich harte Kämpfe beim BLV, bis ich die ersten Seniorenbestenkämpfe austragen durfte. Und heute sind die Seniorensportveranstaltungen die größten bei dem Verband.“

Herwig Leiter: Ein Leben für die Leichtathletik

Wie viele Kilometer er in seinem Leben bereits gejoggt ist, wie viele Stunden er, immer ehrenamtlich, für die Leichtathletik gearbeitet hat, er weiß es nicht. „Sehr sehr viele, unglaublich viele“, sagt er nur und fügt hinzu: „Es waren interessante Jahre und schöne Erlebnisse. Ich habe es gerne gemacht.“ Ein Resümee seines sportlichen Einsatzes, was ihm der Sport gebracht hat, das möchte er nicht ziehen: „Sonst stellt man nur alles infrage. Mir war wichtig, mich für das Ehrenamt zu engagieren und andere dafür zu motivieren.“ Noch immer stellt Leiter seine Fachkenntnisse gerne helfend zur Verfügung. Lieber ist ihm aber inzwischen, jede Woche mindestens einmal seine sechs Kilometer zu joggen. Zusammen mit gesunder Ernährung hält er sich so fit, körperlich und geistig.

Dabei helfen ihm Haus- und Gartenarbeit sowie seine Liebe zu Fernreisen. Doch Corona macht ihm da einen Strich durch die Rechnung: „Eigentlich wollten wir, alle zehn Leiters, meine zwei Kinder, ihre Partner und meine fünf Enkel, aufgrund meines Geburtstags über Sylvester eine große Kreuzfahrt machen. Das geht jetzt leider nicht.“

Große Feiern für Leiter wird es auch vonseiten des TSV Bobingen nicht geben, obwohl er dort extrem geschätzt ist, menschlich wie fachlich: „Wir haben seinen Rat, seine Einsatzfreude und Kompetenz immer gerne angenommen. Sein ausgleichendes Wesen und seine Fähigkeiten als Streitschlichter sind hoch anerkannt“, so der Vorsitzende Erwin Treischl.

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